NachrichtenKryptoSchweiz belegt Platz 6 von 15 im ersten globalen Crypto-Benchmark des Swiss Blockchain Federation

Schweiz belegt Platz 6 von 15 im ersten globalen Crypto-Benchmark des Swiss Blockchain Federation

Autor: Crypto Valley Journal·

Wichtige Erkenntnisse

  • •Die Schweiz belegte im SBF-Benchmark mit 75,62 Punkten Platz 6 von 15 Finanzplätzen, hinter den Vereinigten Staaten mit 85,00, Singapur mit 83,25 und dem Vereinigten Königreich mit 80,00.
  • •Das Land erzielte die höchsten Werte aller 15 Standorte bei DLT-Infrastruktur (9,5/10), regulatorischer Sicherheit (9,0) und rechtlicher Finalität (9,0).
  • •Die Schweiz schnitt schwach ab bei Implementation Momentum (6,0) sowie Marktgrösse und Liquidität (5,0) – Dimensionen, die zusammen mit AI x Blockchain 45 % der Gesamtpunktzahl ausmachen.
  • •Die fünf Forderungen des SBF umfassen die Verankerung von Innovation als FINMA-Strategieziel, klarere und schnellere Lizenzierung, einen technologie-neutralen Rahmen für CHF-Stablecoins, verbesserten internationalen Zugang und interoperable Marktanbindungen sowie einen schnelleren Marktzugang für Technologie und Talente.
  • •Die Forderungen fallen in die laufenden Revisionen von FinIA und FinMIA; die Bundesrats-Botschaften werden für das erste Halbjahr 2027 erwartet, und eine SIF-Anhörung zur Finanzmarktregulierung ist für den 17. November 2026 angesetzt.
Schweiz belegt Platz 6 von 15 im ersten globalen Crypto-Benchmark des Swiss Blockchain Federation

Das Swiss Blockchain Federation (SBF) platziert die Schweiz in seinem ersten globalen Benchmark auf Platz 6 unter 15 Finanzplätzen, mit 75,62 von 100 Punkten. Als Reaktion fordert der Verband von Aufsicht und Politik schnellere Verfahren bei der FINMA – der Schweizer Finanzmarktaufsicht – sowie einen praxistauglichen Rahmen für Stablecoins in Schweizer Franken (CHF), digitale Token, die an eine zugrunde liegende Fiat-Währung gebunden sind.

Die Ergebnisse sind im Bericht „Infrastructure First“ veröffentlicht, den das SBF mit Unterstützung der AMINA Bank und der Rechts- und Steuerkanzlei MME erstellt hat. Die Studie vergleicht 15 Standorte anhand von elf Dimensionen und misst, welche Jurisdiktionen am besten für regulierte Infrastrukturen für tokenisierte Wertpapiere, Anleihen und Fonds aufgestellt sind. Die in diesem Artikel genannten Zahlen stammen aus der Pressemitteilung und dem Mediendossier des SBF.

Das SBF vertritt die Interessen der Schweizer Blockchain-Branche gegenüber Politik und Behörden. Es bezeichnet sich als public-private Initiative von Wirtschaft, Staat, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Ursprünglich im Dezember 2017 als Blockchain Taskforce gestartet, formierte sich der Verband 2018 als SBF neu. Sein Präsident ist Heinz Tännler.

USA führen, doch das Mittelfeld ist knapp

Die Vereinigten Staaten führen die Rangliste mit 85,00 Punkten an. Singapur folgt mit 83,25 und das Vereinigte Königreich mit 80,00. Danach wird das Feld deutlich enger: Deutschland erzielt 76,88, Japan 76,38 und die Schweiz 75,62 Punkte. Luxemburg liegt mit 75,50 nur 0,12 Punkte hinter der Schweiz, und Frankreich belegt mit 74,12 den achten Platz. Zwischen Platz vier und Platz acht liegen weniger als drei Punkte. Liechtenstein mit 64,25 Punkten und die Kaimaninseln mit 50,25 Punkten bilden das Schlusslicht.

Die Schweiz steht zudem an einer Kategoriegrenze. Der Bericht ordnet die Standorte drei Gruppen zu: „Leading“ beginnt bei 82 Punkten, „Advanced“ umfasst den Bereich von 76 bis 82 und „Developing“ liegt darunter. Mit 75,62 Punkten verfehlt die Schweiz die „Advanced“-Schwelle daher knapp. Sie liegt 0,76 Punkte hinter dem fünftplatzierten Japan und 9,38 Punkte hinter dem Spitzenreiter – ein Zeichen dafür, dass im Mittelfeld Zehntelpunkte über die Reihenfolge entscheiden.

Bestnoten für Recht und Infrastruktur

In drei der elf Dimensionen erzielt die Schweiz den höchsten Wert aller 15 Standorte. Sie erhält 9,5 von 10 Punkten für DLT-Infrastruktur sowie jeweils 9,0 für Regulatory Certainty und Legal Finality. Zudem zieht sie bei Banking & Custody und Geldwäschebekämpfung mit 8,5 gleich, und bei geopolitischer Stabilität erreicht sie mit 9,0 den Spitzenwert.

Das SBF führt diese Stärke auf einen frühen rechtlichen Rahmen zurück. Das DLT-Gesetz, das das schweizerische Bundesrecht an die Technologie verteilter Register anpasste, ist seit August 2021 vollständig in Kraft. Bereits zuvor hatte die Aufsicht 2019 die ersten FINMA-Lizenzen für digitale Assets erteilt.

Rückstand bei Tempo und Marktgrösse

Bei der Umsetzungsgeschwindigkeit – im Bericht als „Implementation Momentum“ bezeichnet – erzielt die Schweiz nur 6,0 Punkte, gegenüber 9,0 für die USA. Niedrigere Werte weisen nur Australien mit 5,5 und die Kaimaninseln mit 5,0 auf. Noch grösser ist der Abstand bei Marktgrösse und Liquidität: Hier stehen die 5,0 Punkte der Schweiz 10,0 Punkten der Vereinigten Staaten gegenüber; nur Liechtenstein und die Kaimaninseln schneiden dort schlechter ab. Zum Vergleich erreicht der zweitplatzierte Singapur relativ hohe Werte mit 8,5 für Tempo und 8,0 für Marktgrösse. Bei AI x Blockchain und Talent erzielt die Schweiz 7,8 Punkte, während die USA erneut 9,0 erreichen.

Die Gewichtung entscheidet schliesslich über das Gesamtergebnis. Tempo, Marktgrösse und AI x Blockchain zählen jeweils 15 % und machen zusammen 45 % der Gesamtpunktzahl aus. Die drei Top-Disziplinen der Schweiz – DLT-Infrastruktur, Regulatory Certainty und Legal Finality – zählen dagegen gemeinsam nur 25 %. Der Bericht legt damit den Schwerpunkt auf Umsetzung und Marktwirkung. Wer die veröffentlichten Schweizer Einzelpunkte mit diesen Gewichten kombiniert, gelangt zu rund 75,7 Punkten, was – von Rundungsdifferenzen abgesehen – dem Gesamtergebnis entspricht. Diese Rechnung erklärt, warum ein Standort mit den stärksten Rechtswerten trotzdem im Mittelfeld landen kann.

In dem Quadranten, der regulatorische Reife gegen Umsetzungsgeschwindigkeit aufträgt, steht die Schweiz allein im Feld „Mature but Deliberate“, positioniert bei rund 9,2 zu 6,0 Punkten. Singapur und Luxemburg gelten als „Systematic Leaders“, während die USA, das Vereinigte Königreich, Deutschland, Japan, Frankreich und die VAE unter die „Fast Movers“ fallen.

Fünf Forderungen an FINMA und Politik

Das SBF identifiziert drei Lücken: die Umsetzungsgeschwindigkeit; eine geringe Markttiefe in Verbindung mit schwacher internationaler Vernetzung; und den Weg von AI x Blockchain und Talent zu skalierbaren Anwendungen. Aus diesen Lücken leitet der Verband fünf Forderungen ab.

Erstens sollte die FINMA Innovation als strategisches Ziel verankern und ihre Lizenzverfahren klarer, schneller und planbarer machen. Zweitens fordert das SBF einen technologie-neutralen, verhältnismässigen und risikobasierten Rahmen für CHF-Stablecoins und digitale Formen von Geld. Die übrigen Punkte zielen auf den Markt: Der Verband will den internationalen Zugang verbessern – etwa durch die Weiterentwicklung des Abkommens mit dem Vereinigten Königreich über digitale Finanzdienstleistungen – und interoperable Anbindungen an internationale Handels-, Verwahrungs- und Abwicklungsplattformen schaffen. Zudem setzt er sich für einen schnelleren Marktzugang von Technologie und Talenten ein. Dennoch betont das SBF, dass es keine schwächere Aufsicht anstrebt.

Forderungen mitten in laufender Gesetzgebung

Der Appell fällt in eine Phase aktiver Gesetzgebungsarbeit. Mit der Revision des Finanzinstitutsgesetzes (FinIA) will der Bundesrat zwei neue Lizenzkategorien schaffen: das Zahlungsmitelinstitut und das Krypto-Institut. Nach dem Plan dürften künftig nur Zahlungsmitelinstitute eine bestimmte Art von Stablecoin ausgeben. Zudem würde die neue Kategorie die bestehende Fintech-Lizenz ersetzen. Die Vernehmlassung zur Vorlage lief von Oktober 2025 bis Februar 2026.

Laut dem politikpolitischen Überblick des SBF liegen die Vorlagen weiterhin beim Bundesrat – dies gilt sowohl für die FinIA als auch für das Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinMIA). Der Verband erwartet die Botschaften im ersten Halbjahr 2027; eine gemeinsame Debatte im Parlament könnte im selben Jahr folgen. Die Forderungen des SBF fallen somit in eine Phase, die den Kurs für die nächste Regulierungsrunde setzt. Ob die Botschaftstexte die fünf Forderungen aufnehmen – insbesondere zu Stablecoin-Emission und Lizenzierungstempo – ist einer der Punkte, auf die es bei der Ausgestaltung ankommen wird.

Strategisch rät das SBF davon ab, New York, London oder Singapur zu kopieren. Stattdessen sollte sich die Schweiz als neutraler und international vernetzter Standort für institutionelle digitale Assets positionieren. Dies umfasst tokenisierte Anleihen, Fonds, Sicherheiten und Private-Market-Assets sowie Verwahrung und programmierbare grenzüberschreitende Abwicklung.

Wie es nach dem SBF-Benchmark weitergeht

Die Empfehlungen bauen auf früheren Positionen des Verbands auf. Das 12-Punkte-Programm des SBF vom Mai 2025 forderte bereits FINMA-Lizenzen innerhalb von sechs Monaten, Innovation als Aufsichtsziel und eine technologie-neutrale Regulierung von Stablecoins. Der Benchmark stellt diese Anliegen nun in einen internationalen Vergleich.

In den kommenden Wochen wird es konkret. Zunächst führt das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) am 17. November 2026 eine Anhörung zum Thema „Optimierung der Finanzmarktregulierung“ durch. Danach folgen die Botschaften zu FinIA und FinMIA. Das SBF bietet den vollständigen Bericht mit Länderprofilen und internationalen Fallstudien auf seiner Website an.

„Die Schweiz hat ein starkes Fundament. Aber wir dürfen nicht davon ausgehen, dass rechtliche Qualität und Vertrauen allein genügen. Wir müssen beides erneut schneller in internationale Relevanz, konkrete Anwendungen und nachhaltige Wertschöpfung übersetzen.“ — Heinz Tännler, Präsident, Swiss Blockchain Federation