Schweizerische Nationalbank warnt: Stablecoins könnten Geldpolitik stören
Wichtige Erkenntnisse
- •Das SNB-Directionoiremitglied Petra Tschudin warnte am 30. September 2026, dass grosse Stablecoins die Übertragung der Geldpolitik in die Realwirtschaft stören könnten.
- •Ihre zentrale Sorge ist, dass Einlagen, die von Geschäftsbanken in Stablecoins abwandern, die Fähigkeit der Zentralbank verringern könnten, die Kreditkosten zu steuern.
- •Sie forderte regulatorische Leitplanken statt Verbote, während sie anerkannte, dass Stablecoins Zahlungen verbessern und die Kosten internationaler Überweisungen senken können.
- •Der Finanzstabilitätsbericht der SNB vom Juli 2026 nannte Disintermediation und Run-Risiken, hielt die inländischen Risiken jedoch für beherrschbar, da Franken-Stablecoins Mitte 2026 eine Marktkapitalisierung unter 50 Millionen Dollar hatten.
- •Die Schweiz führt eine Lizenzkategorie „Zahlungsmittelinstitut" für Emittenten von Fiat-gedeckten Stablecoins im Rahmen von Änderungen des Financial Institutions Act ein, während Project Helvetia III bis mindestens 2028 eine Wholesale-Zentralbankdigitalwährung testet.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) — die Institution, die die Geldpolitik der Schweiz bestimmt — hat einen neuen Punkt auf ihre Sorgenliste gesetzt. Diesmal geht es nicht um Inflation oder den Franken. Es geht um Stablecoins.
Anlässlich einer Veranstaltung in Zürich am 30. September 2026 warnte das SNB-Directionoiremitglied Petra Tschudin, dass grosse Stablecoins die Übertragung der Geldpolitik in die Realwirtschaft beeinträchtigen könnten. Ihr Rezept war Regulierung — so gestaltet, dass die Notenbanker die Kontrolle behalten.
Der Kern der Sorge: Geldpolitische Transmission
Im Zentrum von Tschudins Warnung steht das, was Ökonomen als geldpolitische Transmission bezeichnen. Wenn eine Zentralbank ihren Leitzins ändert, setzt sie darauf, dass sich diese Bewegung nach aussen fortsetzt. Geschäftsbanken passen an, was sie für Kredite berechnen und was sie auf Einlagen zahlen, und schliesslich spüren Haushalte und Unternehmen die Veränderung.
Diese Kette verläuft über das sogenannte zweistufige Finanzsystem. Die Zentralbank steht an der Spitze und betreibt Geschäftsbanken. Diese Banken wiederum betreuen alle anderen. Einlagen stehen im Zentrum dieser Ordnung: Sie sind die Mittel, aus denen Banken Kredite vergeben — deshalb ist es für die Zinsentscheider überhaupt relevant, wenn Geld von Bankkonten abwandert.
Tschudin argumentierte, dass Stablecoins ausserhalb dieser Struktur operieren. Wenn Einlagen von den Geschäftsbanken in Stablecoins abfliessen, so die Argumentation, könnten die Kanäle, über die die SNB die Kreditkosten steuert, undichter werden. Das Endresultat wäre in ihrer Darstellung, dass der Einfluss der Zentralbank auf die Kreditkosten untergraben werden könnte.
Sie verwarf die Technologie jedoch nicht rundweg. Tschudin räumte ein, dass Stablecoins Zahlungen modernisieren können, etwa durch geringere Kosten für internationale Überweisungen. Es ging ihr um Leitplanken rather nicht um Verbote. Regulatorische Massnahmen, so sagte sie, seien entscheidend, damit die Zentralbank ihr Mandat weiterhin erfüllen kann.
Eine Warnung, auf die die SNB hingearbeitet hat
Die Äusserungen kamen nicht überraschend. Die SNB hatte in ihrem Finanzstabilitätsbericht vom Juli 2026 auf Stablecoin-Risiken hingewiesen und dabei zwei Hauptgefahren genannt. Die erste war Disintermediation — der Begriff für Geld, das an den Banken vorbeifliesst. Die zweite war das Run-Risiko, also die Gefahr, dass ein Stablecoin mit unzureich Reserven einer Welle von Einlösungen ausgesetzt sein könnte, der er nicht standhalten kann.
Tschudins Zürcher Äusserungen trugen die Disintermediationswarnung faktisch einen Schritt weiter — von einem Stabilitätsrisiko für die Banken hin zur Frage, ob die Politik noch wie vorgesehen funktioniert, wenn Geld ausserhalb der Banken abgewickelt wird.
Derselbe Bericht bot im Inland einige Beruhigung. Der Markt für Franken-Stablecoins blieb bis Mitte 2026 klein, mit einer Marktkapitalisierung unter 50 Millionen Dollar. Angesichts dieser Grösse stufte die SNB die inländischen Risiken vorläufig als beherrschbar ein.
Die Schweiz auf zwei parallelen Wegen: Lizenzen und CBDC-Experimente
Während die SNB diese Risiken abwägt, verfolgt die Schweiz eine Zwei-Track-Antwort, die neue Lizenzregeln mit den Digitalwährungs-Experimenten der Notenbank selbst verbindet.
Auf regulatorischem Weg schafft die Schweiz eine neue Lizenzkategorie namens „Zahlungsmittelinstitut" für Emittenten von durch Fiatwährungen gedeckten Stablecoins. Die Lizenz ist Teil von Änderungen des Bankengesetzes bzw. der Finanzaufsichtsgesetzgebung (Financial Institutions Act).
Auf dem anderen Weg testet die SNB weiterhin ihre eigene Alternative. Im Rahmen von Project Helvetia III experimentiert die Bank mit einer Wholesale-Zentralbankdigitalwährung (wCBDC) — einer tokenisierten Form von Zentralbankgeld, das für den Einsatz zwischen Finanzinstituten gedacht ist. Im Gegensatz zu Stablecoins, die von privaten Firmen ausgegeben werden, ist wCBDC Zentralbankgeld selbst und hält die Abwicklung zwischen Instituten innerhalb der zweistufigen Struktur, auf die sich die SNB stützt. Das Projekt wurde bis mindestens 2028 verlängert.
Der Fortschritt der Änderungen des Financial Institutions Act sowie der Lauf von Helvetia III bis mindestens 2028 liefern konkrete Marksteine dafür, wie sich die Stablecoin-Regeln der Schweiz im Verhältnis zu den nun öffentlich geäusserten Bedenken der SNB entwickeln.
Quelle: CryptoBriefing — Swiss National Bank warns stablecoins may disrupt monetary policy