Schweizer Inflation bleibt im Juli bei 0,4 % stabil, während Deflationsrisiken fortbestehen
Wichtige Erkenntnisse
- •Die jährliche Teuerung in der Schweiz verlangsamte sich im Juli 2026 auf 0,4 %, verglichen mit 0,5 % im Vormonat, und lag damit im Einklang mit den Markterwartungen.
- •Der Kern-VPI blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert bei 0,3 %, was auf anhaltend geringe strukturelle Preisantriebe hindeutet.
- •Die Aufwertung des Schweizer Frankens als sicherer Hafen dämpft weiterhin die Importkosten und verstärkt die disinflationären Kräfte in der Wirtschaft.
- •Die SNB gab ihre Negativzinspolitik im Jahr 2022 nach einem starken Anstieg der globalen Inflation auf und durchlief anschließend sowohl Zinssteigerungs- als auch Zinssenkungszyklen.
- •Entscheidungsträger könnten gezwungen sein, unkonventionelle geldpolitische Instrumente wie NIRP oder QE wieder einzuführen, wenn die Inflation weiter gegen Null tendiert und die Deflationsrisiken zunehmen.

Der Verbraucherpreisindex der Schweiz stieg im Juli 2026 um 0,4 % gegenüber dem Vorjahr, was den Markterwartungen entsprach und deutlich unter der Definition der Schweizerischen Nationalbank (SNB) für Preisstabilität blieb, die sie als jährliche Inflation zwischen 0 % und 2 % definiert. Die Inflation verlangsamte sich gegenüber dem Vorwert von 0,5 % gegenüber dem Vorjahr, während monatliche Schätzungen auf einen Rückgang des allgemeinen Preisniveaus um 0,1 % hindeuteten.
Der Kern-VPI, der flüchtige Bestandteile wie Nahrungsmittel und Energie ausschließt, blieb bei 0,3 % gegenüber dem Vorjahr – unverändert zum Vormonat und weiterhin näher an der Null-Prozent-Marke als bei einem Prozent.
Das Fortbestehen gedämpfter Preisantriebe hält die Bedrohung durch eine Deflation im Fokus des wirtschaftlichen Ausblicks der Schweiz. Dieser Wert steht im Gegensatz zum breiteren europäischen Umfeld, in dem die Europäische Zentralbank einen Großteil der Zeit nach der Pandemie damit verbrachte, die Geldpolitik zu straffen, um die Inflation wieder auf ihr eigenes 2 %-Ziel zurückzuführen. Die Schweizer Inflation verlief stets deutlich unter der ihrer Nachbarökonomien, was teilweise auf die strukturell disinflationäre Wirkung einer starken Währung auf die Importkosten zurückzuführen ist. Eine Deflation – ein anhaltender Rückgang des allgemeinen Preisniveaus – trat in der Schweiz zuletzt 2020 auf, als der jährliche VPI inmitten des COVID-19-Einbruchs kurzzeitig negativ wurde.
Für die SNB bleibt die Vermeidung einer Rückkehr zu deflationären Bedingungen eine zentrale geldpolitische Priorität. Ein höherer globaler Preisdruck könnte die Dringlichkeit sofortiger geldpolitischer Maßnahmen vorübergehend verringern. Die anhaltende Aufwertung des Schweizer Frankens – der in Zeiten geopolitischer oder finanzieller Unsicherheiten seit langem als globale sichere Anlage gilt – übt jedoch einen Abwärtsdruck auf die Importpreise aus und erschwert die Bemühungen der Zentralbank, die Preisstabilität zu wahren.
Ein stärkerer Franken verbilligt effektiv importierte Waren und Dienstleistungen und verstärkt die disinflationären Kräfte innerhalb der Schweizer Wirtschaft. Die SNB ist in der Vergangenheit auf den Devisenmärkten interveniert und hat geldpolitische Instrumente angepasst, um einer übermäßigen Währungsstärke entgegenzuwirken.
Sollten die deflationären Tendenzen zunehmen, könnten die politischen Entscheidungsträger gezwungen sein, unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen erneut zu prüfen. Die Schweiz wandte in der Vergangenheit eine Negativzinspolitik (NIRP) an – bei der Banken für bei der Zentralbank gehaltene Einlagen belastet wurden – sowie Programme für quantitative Lockerungen (QE), die groß angelegte Anleihekäufe beinhalteten. Die SNB gab ihre Negativzinspolitik im Jahr 2022 auf, nachdem die globale Inflation stark angezogen war. Die Zentralbank erhöhte die Zinsen anschließend im Einklang mit der globalen Zinswende, bevor sie erneut einen Zinssenkungszyklus einleitete, als die Inflation nachließ.
Da die Inflation nun wieder gegen Null tendiert, kann nicht ausgeschlossen werden, dass solche unkonventionellen Instrumente in das geldpolitische Arsenal der SNB zurückkehren, obwohl die Entscheidungsträger dies nach Möglichkeit vermeiden möchten.
Quelle: ForexLive / InvestingLive