Solanas Alpenglow-Upgrade zielt ab 21. Oktober auf 150 Millisekunden Finalität
Wichtige Erkenntnisse
- •Alpenglows Votor-Protokoll ersetzt TowerBFT ab dem 21. Oktober auf dem Solana Mainnet Beta und zielt auf eine Transaktionsfinalität von etwa 150 Millisekunden statt der bisherigen 12,8 Sekunden.
- •Validierer tauschen ihre Stimmen künftig direkt aus und bündeln sie in BLS-Zertifikaten, statt sie als On-Chain-Transaktionen einzureichen; die Beschleunigung kommt also aus dem Abstimmungsprozess, nicht aus schnelleren Blöcken.
- •Die Migration erfordert, dass mindestens 82 % des Stakes ein Genesis-Zertifikat signieren, und Betreiber von Firedancer und Frankendancer müssen vorübergehend auf Agave-4.3-basierte Software wie Agave, Jito-Solana oder Harmonic Salsa wechseln.
- •Ein Validator Admission Ticket von 0,8 SOL pro Epoche, das das Netz verbrennt, ersetzt die Vote-Transaktionsgebühren; Validierer, die nicht zahlen, können in der folgenden Epoche weder abstimmen noch Blöcke produzieren.
- •Die reine byzantinische Toleranz sinkt von 33 % auf 20 %, bei zusätzlicher Toleranz für 20 % offline Stake; Kritiker wie Sei und Helius äußern Bedenken zu Zentralisierungsdruck und offenen Fragen rund um MEV und Equivocation-Strafen.

Das Alpenglow-Upgrade von Solana aktiviert am 21. Oktober ein neues Konsensprotokoll auf dem Mainnet Beta der Blockchain; die Finalität soll dabei von rund 12,8 Sekunden auf etwa 150 Millisekunden sinken. Das Hauptnetz muss dieses Ziel in der Praxis jedoch erst noch beweisen.
Solana ist eine Layer-1-Blockchain, auf der Validierer Blöcke erzeugen und per Abstimmung bestätigen. Das Konsensprotokoll legt fest, wann eine Transaktion als irreversibel gilt – eine Aufgabe, die bislang von einem Mechanismus namens TowerBFT übernommen wurde. Alpenglow wurde im Mai 2025 auf der Solana-Accelerate-Konferenz vorgestellt. Das Konzept wurde unter der Leitung von Roger Wattenhofer der ETH Zürich entwickelt, gemeinsam mit seinen ehemaligen Doktoranden Kobi Sliwinski und Quentin Kniep, die heute beim Solana-Entwickler Anza arbeiten. Im September 2025 genehmigten die Validierer den Vorschlag SIMD-0326 mit 98,27 % der abgegebenen Stimmen. Dessen Kernkomponente Votor ersetzt das bisherige TowerBFT.
Gemessen an der heutigen Zahl entspricht das 150-ms-Ziel einer rund 85-fach schnelleren Finalität. Die 150 Millisekunden beziehen sich auf die Zeit bis zur Finalität, nicht auf die Blockzeit: Die Transaktionsausführung, die Solana Virtual Machine (SVM) und die Gebühren bleiben unverändert.
Votor ersetzt TowerBFT bei der Validierer-Abstimmung
Unter TowerBFT laufen die Stimmen der Validierer als gewöhnliche Transaktionen über die Blockchain. Genau das ändert Votor. Künftig tauschen Validierer ihre Stimmen direkt untereinander aus und bündeln sie in BLS-Zertifikaten, sodass ein einzelnes Zertifikat die Zustimmung vieler Validierer in einem Datensatz vereint. Stimmen erscheinen damit nicht mehr als On-Chain-Transaktionen in den Blöcken. Die Beschleunigung kommt also durch den neuen Abstimmungsprozess zustande, nicht durch schnellere Blöcke.
Votor zwei Wege zur Finalität. Zertifizieren mindestens 80 % des Stakes einen Block in der ersten Runde, ist der Block nach dieser Runde final – ein Schnellweg, der etwa 100 Millisekunden dauern soll. Bis zu ein Fünftel des Stakes kann dabei fehlen, ohne den Schnellweg zu blockieren. Fällt die Zustimmung in Runde 1 hingegen zwischen 60 % und 80 %, übernimmt der langsamere Weg bei etwa 150 Millisekunden.
Solana selbst beschreibt die 150 Millisekunden auf seiner offiziellen Upgrade-Seite als Erwartung, nicht als Konstante. Zudem ist die Halbierung der Slot-Zeit von 400 auf 200 Millisekunden nicht Teil von Alpenglow; diese separate Änderung hatte das Netz zuvor in vier Stufen bis Oktober 2026 abgeschlossen. Für Börsen, Market Maker und Zahlungsanbieter ist die Finalität die entscheidende Kennzahl, denn sie bestimmt, wann eine Transaktion als abgewickelt gilt. Starke Ergebnisse aus Testumgebungen ersetzen daher keinen Nachweis unter realer Mainnet-Last.
Alpenglow-Migration in Epoche 1064 erfordert enge Koordination
Die Umstellung beginnt mit dem Start der Epoche 1064 am 21. Oktober, wenn ein Feature Gate die neue Logik aktiviert. TowerBFT erzeugt zunächst weitere 5.000 Slots – etwa 18 Minuten –, bevor Alpenglow bei Slot 459.653.000 übernimmt. Während dieser Übergangsphase nimmt das Netz kurzzeitig keine Nutzer-Transaktionen mehr in Blöcke auf. Votor startet erst, sobald Validierer mit mindestens 82 % des Stakes ein Genesis-Zertifikat signiert haben – ein einmaliger, koordinierter Eingriff in ein live Netz.
Die Frage der Validierer-Clients ist heikel. Die Migration schließt die alternativen Clients Firedancer und Frankendancer vorerst aus, sodass deren Betreiber vor der Epoche 1064 vorübergehend auf Software auf Basis von Agave 4.3 wechseln müssen. Zur Auswahl stehen Agave selbst, Jito-Solana und Harmonic Salsa, wobei Solana Version 4.3.2 vorgibt. Jeder Validierer, der nicht rechtzeitig wechselt, fehlt im Genesis-Zertifikat – und je mehr Stake die Umstellung verpasst, desto dünner wird der Puffer über der 82-%-Schwelle. Wie viel Stake im ersten Zertifikat landet, wird daher eines der ersten sichtbaren Ergebnisse der Umstellung sein.
Dennoch verlief der Weg zur Aktivierung in geordneten Schritten. Seit Juli 2026 laufen zwei vorbereitende Schritte im Mainnet: das BLS-Schlüsselmanagement im Vote-Account (SIMD-0387) und das Validator Admission Ticket (SIMD-0357). Anza startete im Mai 2026 einen Community-Testcluster, im September folgte ein öffentliches Testnet und einen Tag später das Devnet. Mitte Oktober gab das Entwicklungsteam das Mainnet-Datum bekannt.
Validierer zahlen 0,8 SOL pro Epoche statt Vote-Gebühren
Mit den Stim-Transaktionen verschwinden auch deren Gebühren. An ihre Stelle tritt das Validator Admission Ticket (VAT), dessen technische Grundlage seit Juli 2026 im Mainnet live ist. Es kostet 0,8 SOL pro Epoche, die das Netz verbrennt und damit dem Umlauf entzieht. Zusätzlich muss der Kontand des Vote-Accounts mindestens 0,8 SOL über dem rent-exempt-Minimum liegen. Die Gebühr fällt erstmals zu Beginn der Epoche 1064 an und deckt die Epoche 1065 ab; Validierer, die nicht zahlen, können in der folgenden Epoche weder abstimmen noch Blöcke produzieren. Der erste Abrechnungszyklus wird daher in der Praxis zeigen, wie viele Betreiber ihre Vote-Accounts rechtzeitig befüllen.
Für Betreiber verschiebt sich damit die Kostenstruktur. Bisher erforderte jede einzelne Stimme eine On-Chain-Transaktion und damit laufende Gebühren – Kosten, die pro Validierer anfielen, weitgehend unabhängig vom Stake. Ist die neue feste Gebühr niedriger als die bisherigen Vote-Gebühren, profitieren kleinere Validierer am meisten, da solche Fixkosten relativ zum Stake vergleichsweise stark ins Gewicht fallen.
Verloren geht auch ein statistischer Nebeneffekt. Stim-Transaktionen zählten bisher zur ausgewiesenen Transaktionen-pro-Sekunde-Zahl (TPS), sodass die gemeldete TPS nach dem Upgrade sinken kann. Dies ist ein Zähleffekt, kein Netzproblem.
Niedrigere byzantinische Toleranz, offene Fragen zu Latenz und MEV
Auch das Sicherheitsmodell ändert sich. TowerBFT hält bis zu 33 % byzantinischem Stand – also bösartig handelndem Stake – stand. Votor senkt diese reine byzantinische Toleranz auf 20 %, toleriert gleichzeitig aber zusätzlich 20 % des Stakes offline – das sogenannte 20+20-Modell. Die Gesamtstoleranz gegenüber Störungen steigt damit, während die Toleranz gegenüber aktiven Angriffen sinkt.
Aus der Branche gibt es auch konkrete Einwände. Das Blockchain-Projekt Sei sieht Zentralisierungsdruck, da ein Signal für einen Round Trip über den Atlantik etwa 80 bis 100 Millisekunden benötigt – diese Strecke allein übersteigt die Hälfte des Zielwerts. Der Infrastrukturanbieter Helius verist auf offene Fragen zu Multiple Concurrent Leaders und MEV bei Off-Chain-Abstimmungen; auch Strafen für Equivocation – also widersprüchliche Blöcke oder Stimmen für denselben Slot – sind ungeklärt. Da diese Punkte das Design des Protokolls betreffen und nicht die Mechanik der Migration, bleiben sie auch nach dem Livegang von Alpenglow offen.
Diese Aktivierung lässt einige Komponenten aus. Rotor, der geplante Ersatz für die Turbine-Datenverteilungsschicht, gehört erst zur zweiten Phase und hat noch keinen Termin. Später soll Agave 4.4 einen Fast Leader Handoff bringen, den Anza in weniger als 1 % der Slots erwartet. Letztlich werden erst die Messdaten nach der Epoche 1064 zeigen, ob Votor im Daily Business 150 Millisekunden erreicht.