Sberbank prognostiziert bis zu 46,4 Milliarden US-Dollar regulierten Krypto-Handel im ersten Jahr des neuen russischen Gesetzes
Wichtige Erkenntnisse
- •SberCIB Investment Research prognostiziert im ersten Jahr des neuen russischen Gesetzes regulierten Krypto-Handel von 3,5 bis 4 Billionen RUB (bis zu 46,4 Milliarden US-Dollar); bis 2029 steigt die Schätzung auf 7,5 Billionen RUB (87,1 Milliarden US-Dollar).
- •Nur etwa ein Fünftel der bestehenden Krypto-Aktivität in Russland dürfte auf lizenzierte Börsen übergehen; das vor der Reform hochgerechnete Jahresvolumen liegt bei rund 18 Billionen RUB auf Basis von 650 Millionen US-Dollar Tagesvolumen.
- •Sberbank plant bis zum 1. Dezember 2026 eine Krypto-Wallet und ein digitales Verwahrkonto in den Apps Sber und SberInvestments und hat bereits einen Pilotkredit gegen Krypto-Sicherheiten mit Intelion Data durchgeführt, vorbehaltlich der Zustimmung der Zentralbank für eine breitere Kreditvergabe.
- •Das Gesetz verbietet Krypto-Zahlungen für inländische Waren und Dienstleistungen, erlaubt aber die Krypto-Abwicklung grenzüberschreitender Außenhandelsverträge; US- und EU-Sanktionen gegen russische Krypto-Dienstleister bleiben unverändert.
- •VTB, T-Bank und die Moskauer Börse, die bereits Futures auf einen Bitcoin-Index handelt, bereiten konkurrierende Krypto-Angebote unter demselben Rahmen aus Registrierungspflicht und Anlegergrenzen vor.

Sberbank erwartet im ersten Jahr von Russlands neuem Krypto-Gesetz einen regulierten Krypto-Handel von bis zu 46,4 Milliarden US-Dollar. Rund ein Fünftel der bestehenden Krypto-Aktivität im Land dürfte auf lizenzierte Börsen verlagert werden.
Die Prognose stammt von SberCIB Investment Research, der Analyse-Einheit von Sberbank, Russlands größter Bank, die weiterhin mehrheitlich staatlich kontrolliert ist. Die Schätzung liegt im Bereich von 3,5 bis 4 Billionen RUB.
Der rechtliche Rahmen
Präsident Vladimir Putin unterzeichnete das Rahmengesetz Federal Law 282-FZ Anfang August 2026, nachdem Staatsduma und Föderationsrat es im Juli gebilligt hatten. Es ist Russlands erstes umfassendes Regelwerk für Krypto-Börsen, Verwahrer, Broker, Clearingstellen und Mining-Betreiber. Das Gesetz tritt am 1. September 2026 in Kraft, einzelne Bestimmungen gelten jedoch erst ein Jahr später. Vor der Reform bezifferte das russische Finanzministerium das tägliche Krypto-Transaktionsvolumen des Landes auf rund 650 Millionen US-Dollar.
Das Gesetz baut auf früheren, enger gefassten Schritten auf: Russlands Gesetz zu digitalen Finanzanlagen aus dem Jahr 2020 hatte Krypto bereits als Zahlungsmittel verboten, seine Haltung aber erlaubt, und industrielles Krypto-Mining wurde 2024 unter staatliche Regulierung gestellt. Der neue Rahmen erweitert die Regulierung von Emission und Mining auf sekundäre Handelsplätze und deren Teilnehmer.
Anatoly Popov, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Sberbank, blickte auch weiter voraus und nannte für 2029 einen Wert von 7,5 Billionen RUB (87,1 Milliarden US-Dollar). Beide Zahlen beziehen sich auf den Handel an russischen Börsen, und der Wert für 2029 liegt nahe am Doppelten der Schätzung für das erste Jahr.
Wer in Russland künftig legal mit Krypto-Assets handeln darf
Das Gesetz knüpft den Marktzugang an formale Anforderungen. Krypto-Börsen müssen ein Mindest-Eigenkapital von 15 Millionen RUB (rund 185.200 US-Dollar) nachweisen, sich in ein Sonderregister eintragen und einer Selbstregulierungsorganisation für den Finanzmarkt beitreten. Nur registrierte Plattformen dürfen legal handeln. Absolut betrachtet ist die Kapitalhürde vergleichsweise niedrig; entscheidend ist daher die Registrierungspflicht, weil sie lizenzierte Plattformen vom zuvor unregulierten Handel trennt.
Für Privatanleger gilt eine harte Obergrenze: Sie dürfen pro Jahr und pro Vermittler höchstens 300.000 RUB (rund 3.700 US-Dollar) in Kryptowährungen investieren. Da das Limit je Anbieter gilt, erweitert die Nutzung mehrerer Konten in der Praxis den Spielraum. Qualifizierte Anleger unterliegen keiner Beschränkung. Beide Gruppen müssen zudem einen Eignungstest bestehen, und nicht qualifizierte Anleger dürfen zunächst nur die liquidesten Vermögenswerte handeln, nämlich Bitcoin, Ether und den Stablecoin USDT.
Der Abstand zwischen Regelwerk und Marktgröße fällt auf. Hochgerechnet entspricht das tägliche Volumen von 650 Millionen US-Dollar einem Jahresvolumen von rund 18 Billionen RUB. Die SberCIB-Analysten erwarten deshalb, dass etwa ein Fünftel der heutigen Aktivität in lizenzierte Segmente übergeht. Der größere Teil des Handels würde damit außerhalb des lizenzierten Bereichs bleiben.
Bei den Fristen bleibt eine gewisse Unklarheit. Bestehende Krypto-Börsen erhalten eine Übergangsfrist bis zum 1. März 2027 und dürfen bis dahin weiter operieren. Professionelle Marktteilnehmer wie Broker benötigen ihre Lizenz bis zum 1. Juli 2027. Aus den verfügbaren Informationen geht jedoch nicht eindeutig hervor, welches Datum für welche Kategorie maßgeblich ist. Die Regeln zur Emission und zum Umlauf von Krypto-Assets greifen erst ab dem 1. September 2027. Der Rahmen erfasst daher vorerst vor allem den Sekundärhandel. Lizenzierte und unregulierte Angebote werden somit weiterhin nebeneinander bestehen.
Sberbanks eigene Krypto-Produkte nehmen Gestalt an
Die Bank bleibt nicht bei Prognosen stehen. Bis zum 1. Dezember 2026 will sie in den Apps Sber und SberInvestments eine Krypto-Wallet einführen. Gleichzeitig entsteht ein digitales Verwahrkonto für Krypto-Assets. Kirill Tsarev, erster stellvertretender Vorstandsvorsitzender, bestätigte die Integration in Sberbank Online und SberInvestments. Android-Nutzer werden voraussichtlich früher Zugang erhalten als iOS-Nutzer. Der Start liegt damit drei Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes. Die Verwahrung von Krypto-Assets wandert so in die App der größten Bank des Landes. Kunden sollen ihre Positionen später ohne Umweg über ausländische Plattformen halten können.
Die Ambition geht mit Krediten gegen Krypto-Sicherheiten noch weiter. Sobald die russische Zentralbank zustimmt, will das Institut Kredite gegen Bitcoin, Ether und USDT vergeben. Einen solchen Pilotkredit hat die Gruppe bereits abgeschlossen. Konkret hinterlegte das Mining-Unternehmen Intelion Data selbst geschürfte Kryptowährung als Sicherheit. Mining-Erträge fallen ohnehin in Kryptowährung an. Ein Miner gewinnt damit Liquidität, ohne Bestände verkaufen zu müssen. Außerdem verkauft die Bank seit 2025 strukturierte Anleihen und digitale Finanzanlagen an qualifizierte Anleger. Beide Produktarten beziehen sich auf Bitcoin und Ether. Insgesamt entsteht so eine Produktkette von Verwahrung über Handel bis zur Kreditvergabe.
"Wir haben uns im Voraus darauf vorbereitet und verfügen bereits über praktische Erfahrung im Umgang mit Kryptowährungen. Sobald das Gesetz vollständig in Kraft tritt, werden wir die bestehenden Produkte von Sberbank an die neuen Anforderungen anpassen und unser Angebot konsequent ausbauen. [...]" - Anatoly Popov, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, Sberbank
Ohne Zustimmung der Zentralbank bleibt das Kreditgeschäft jedoch eine Absichtserklärung.
VTB und T-Bank folgen Sberbank in den Krypto-Handel
Sberbank handelt nicht allein. Auch Krypto-Dienste von VTB und T-Bank sind in Vorbereitung und zielen auf dieselben Kunden wie der Marktführer. Gleichzeitig betreibt die Moskauer Börse als zentrale Handelsplattform für russische Wertpapiere bereits Futures auf einen Bitcoin-Index. Der Wettbewerb um neue Konten beginnt somit, bevor der regulierte Handel startet.
Sberbank liegt vorerst vorn, da das Institut seit 2025 operative Erfahrung mit Krypto-Investmentprodukten für qualifizierte Anleger gesammelt hat. Für die Konkurrenz wird der Dezember-Termin für den Wallet-Start damit zum Maßstab. Alle Anbieter arbeiten jedoch unter demselben Rahmen aus Registrierungspflicht und Anlegergrenzen. Die Lizenzfristen werden schließlich entscheiden, wie schnell die Wettbewerber aufholen.
Krypto-Zahlungen im Außenhandel trotz US-Sanktionen
Der Gesetzgeber trennt Binnen- und Außenhandel strikt. Innerhalb Russlands verbietet das Gesetz weiterhin Zahlungen mit Kryptowährungen für Waren und Dienstleistungen. Der Rubel bleibt damit im Inland das einzige zulässige Zahlungsmittel. Im Gegensatz dazu erlaubt das Gesetz die grenzüberschreitende Abwicklung von Außenhandelsverträgen zwischen Gebietsansässigen und Nichtansässigen. Der Kanal steht Exporteuren und Importeuren offen, nicht aber dem Binnenhandel. Moskau hatte den Einsatz von Kryptowährungen im internationalen Handel bereits 2024 erlaubt, um westliche Sanktionen zu umgehen. Mit dem neuen Gesetz erhält diese Praxis erstmals einen festen rechtlichen Rahmen.
Die neue Rechtslage ändert nichts am US-Sanktionsregime. Transaktionen mit sanktionierten russischen Parteien fallen weiterhin unter die Regeln Washingtons. Ein EU-Sanktionspaket vom April 2026 untersagt Personen in der EU zudem, mit russischen Krypto-Dienstleistern Geschäfte zu machen. Für ausländische Gegenparteien bleibt der Zugang zum russischen Markt damit ein rechtliches Risiko. Im Inland entsteht ein rechtlicher Rahmen, aber keine Ausnahme von ausländischen Regeln. Letztlich setzt die Bank also vor allem auf die inländische Nachfrage.