69 % der Russen sehen trotz sich ausweitendem regulatorischem Rahmen keinen praktischen Nutzen für Kryptowährungen
Wichtige Erkenntnisse
- •Eine Umfrage von Rambler&Co unter mehr als 2.000 russischen Internetnutzern ergab, dass 69 % keine sinnvollen Anwendungsfälle für Kryptowährungen nennen konnten.
- •Nur 6 % der Befragten gaben an, praktische Erfahrung mit digitalen Assets zu haben, während 54 % einräumten, wenig oder nichts darüber zu wissen, wie Kryptowährungen funktionieren.
- •Die russische Staatsduma hat das Gesetz „Über digitale Währung und digitale Rechte" verabschiedet, wobei die meisten Bestimmungen am 1. September 2026 in Kraft treten sollen und zusätzliche Lizenzierungsregeln 2027 folgen.
- •Die neue Gesetzgebung wird den Kryptohandel über lizenzierte Plattformen regulieren, jedoch weiterhin direkte Kryptowährungszahlungen innerhalb Russlands verbieten.
- •Russische Behörden prüfen zunehmend Kryptowährungen als Instrument für grenzüberschreitende internationale Zahlungen angesichts westlicher Sanktionen, die den Zugang zum globalen Bankensystem einschränken.

Knapp sieben von zehn Russen sehen keinen praktischen Nutzen für Kryptowährungen, selbst während das Land die Einführung neuer Gesetzgebung für digitale Assets vorbereitet, laut TASS.
Eine von Rambler&Co durchgeführte Umfrage ergab, dass 69 % der Befragten keine sinnvollen Anwendungsfälle für digitale Assets nennen konnten. Die zwischen dem 23. und 30. Juli durchgeführte Befragung unter mehr als 2.000 aktiven Internetnutzern fand kurz nach der Verabschiedung neuer Kryptowährungsgesetzgebung durch russische Abgeordnete statt. Die Ergebnisse verdeutlichen eine anhaltende Lücke zwischen Russlands regulatorischen Ambitionen und der Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit, trotz wachsenden offiziellen Interesses an digitalen Assets als potenziellem Instrument für den grenzüberschreitenden Handel unter westlichen Sanktionen.
Geringes öffentliches Engagement
Laut TASS gaben 52 % der Befragten an, keine Kryptowährungen zu verwenden und daher nicht beurteilen zu können, wie sich eine Legalisierung auf sie auswirken würde. Nur 6 % berichteten über praktische Erfahrung mit digitalen Assets.
Die Ergebnisse zeigten zudem eine erhebliche Wissenslücke auf. Eine Mehrheit — 54 % — räumte ein, wenig oder nichts darüber zu wissen, wie Kryptowährungen funktionieren. Weitere 23 % sagten, ihnen fehle noch ausreichend an Informationen, während 17 % angaben, nur die Grundlagen zu verstehen.
Einige Befragte identifizierten jedoch potenzielle künftige Anwendungsbereiche. Etwa 8 % würden Kryptowährungen für Einkäufe im Ausland in Betracht ziehen, 6 % befürworten langfristige Investitionen und Portfolio-Diversifizierung und 4 % planten eine geschäftliche Nutzung. Das Interesse an grenzüberschreitenden Anwendungen deckt sich mit der zunehmenden Aufmerksamkeit russischer Behörden für Kryptowährungen als Mittel zur Abwicklung internationaler Zahlungen bei eingeschränktem Zugang zum globalen Bankensystem.
Neue Gesetzgebung steht vor der Umsetzung
Die Umfrage erscheint, während Russland der Umsetzung seiner neuesten Kryptowährungsgesetzgebung näher rückt. Die Staatsduma hat das Gesetz „Über digitale Währung und digitale Rechte" verabschiedet, das jedoch noch der Zustimmung des Föderationsrats und von Präsident Wladimir Putin bedarf.
Die meisten Bestimmungen sollen am 1. September 2026 in Kraft treten. Zusätzliche Lizenzierungsregeln für Kryptowährungsintermediäre werden 2027 folgen. Der Rahmen wird den Handel mit und die Investition in Kryptowährungen über lizenzierte Plattformen regulieren, direkte Kryptowährungszahlungen innerhalb Russlands jedoch weiterhin verbieten. Die Gesetzgebung ist das Ergebnis langwieriger Debatten zwischen der Bank von Russland, die historisch für strenge Beschränkungen eintrat, und dem Finanzministerium, das einen lockereren regulatorischen Ansatz befürwortete.
Vertrauen der Öffentlichkeit bleibt gespalten
Obwohl die Legalisierung näher rückt, ist die Stimmung in der Bevölkerung gemischt. Laut TASS glauben 22 % der Befragten, dass die Regulierung von Kryptowährungen der bessere Ansatz ist, während 20 % sagten, sie hätten auf klarere Marktregeln gewartet, bevor sie sich eine Meinung bilden.
Das Interesse an Kryptowährungen scheint zudem an stärkere Verbraucherschutzmaßnahmen geknüpft zu sein. Etwa 38 % der Befragten wünschen sich sachliche Informationen ohne Versprechen von schnellen Gewinnen, 36 % fordern klarere Vorschriften und 16 % gaben an, dass zuverlässige Plattformen mit einfachen Benutzeroberflächen sie zur Teilnahme ermutigen würden. Die Ergebnisse legen nahe, dass selbst bei einem sich abzeichnenden Rechtsrahmen eine breitere Akzeptanz weniger von der Existenz von Regulierung abhängen dürfte als vielmehr davon, ob gewöhnliche Russen konkreten, alltäglichen Nutzen in digitalen Assets erkennen.