Tornado Cash: Prozess gegen Roman Storm auf April 2027 verschoben
Wichtige Erkenntnisse
- •Der Neuverhandlungstermin für Roman Storm ist nun der 26. April 2027; die abschließende Vorverhandlung ist für den 20. April 2027 angesetzt.
- •Eine Jury verurteilte Storm wegen Verschwörung zum Betrieb eines nicht lizenzierten Geldtransfergeschäfts, konnte sich bei Geldwäsche- und Sanktionsvorwürfen aber nicht einigen.
- •Die beiden offenen Anklagepunkte sind jeweils mit bis zu 20 Jahren Haft bedroht, insgesamt also mit bis zu 40 Jahren.
- •Storms Verteidigung hat einen offenen Rule-29-Antrag eingereicht und argumentiert, die Beweise hätten die Verurteilung nicht getragen.
- •Der Fall gilt als möglicher Maßstab für die strafrechtliche Haftung von Open-Source-Entwicklern in den USA.

Richterin Katherine Polk Failla hat den Prozess gegen Roman Storm auf den 26. April 2027 verschoben. Eine Verurteilung in den beiden verbleibenden Anklagepunkten könnte den Mitgründer von Tornado Cash mit bis zu 40 Jahren Haft konfrontieren.
Tornado Cash ist ein dezentraler Mixing-Dienst auf Ethereum. Ein gemeinsamer Pool bündelt die Einlagen vieler Nutzer und schwächt dadurch die Verbindung zwischen Einzahlungsadresse und Auszahlungsadresse. Storm gehörte zum Entwicklungsteam des Protokolls. Die Verträge des Protokolls wurden bei der Einführung unveränderlich. Im August 2022 setzte OFAC, die Sanktionsbehörde des US-Finanzministeriums, den Dienst auf ihre Sanktionsliste. Ein Jahr später klagte das Justizministerium Storm an. Im August 2025 verurteilte ihn die Jury in einem Punkt, blieb bei den zwei schwereren Vorwürfen jedoch gespalten. Der neue Termin ersetzt den vom Justizministerium beantragten Start im Oktober 2026. Der Fall gilt als wegweisend für die strafrechtliche Haftung von Open-Source-Entwicklern in den USA.
Warum sich der Prozess gegen Roman Storm erneut verzögert
Die Verzögerung hat verfahrensrechtliche Gründe. Ende September 2025 reichte Storms Verteidigung einen Antrag nach Rule 29 ein. Diese Regel erlaubt es dem Gericht, ein Jury-Urteil nach dem Schuldspruch aufzuheben. Aus Sicht der Verteidigung trage die vorgelegte Beweislage die Verurteilung nicht. Failla hörte den Antrag erstmals im April 2026 mündlich an. Eine Entscheidung steht noch aus. Solange der Antrag offen ist, bleibt der Bestand der bestehenden Verurteilung unklar. Ein zweiter Prozess wäre daher verfrüht.
Ursprünglich sollte die Neuverhandlung bereits 2026 beginnen. Im März 2026 beantragte das Justizministerium als Startdatum entweder den 5. Oktober oder den 12. Oktober 2026. Failla setzte stattdessen den 26. April 2027 an. Die abschließende Vorverhandlung wurde für den 20. April 2027 terminiert. Damit liegen mehr als 20 Monate zwischen dem Teilurteil der Jury und dem neuen Verhandlungstermin.
Im April 2026 verwies die Verteidigung zudem auf ein einstimmiges Urteil des US Supreme Court aus dem März 2026. Der Fall betraf die Haftung eines Internetanbieters für Urheberrechtsverletzungen durch seine Nutzer. Bloßes Wissen reicht nicht aus, hielten die Richter fest. Ein Anbieter haftet nur, wenn er die verletzende Nutzung beabsichtigt. Eine solche Absicht kann etwa aus Anstiftung oder aus einem auf Verletzungen ausgelegten Dienst folgen. Storms Anwälte sehen in dem Urteil ein Präjudiz für ihren eigenen Fall. Ob Failla dieser Argumentation folgt, wird erst mit ihrer Entscheidung über den Freispruchsantrag klar.
Bis zu 40 Jahre Haft stehen weiter im Raum
Im August 2025 befand die Jury Storm der Verschwörung zum Betrieb eines nicht lizenzierten Geldtransfergeschäfts für schuldig. Dieser Tatbestand erfasst Dienste, die Geld für Dritte bewegen, ohne dafür registriert zu sein. Das einschlägige Gesetz, 18 U.S.C. § 1960, sieht dafür eine Höchststrafe von fünf Jahren Haft vor.
Bei den beiden verbleibenden Anklagepunkten kam die Jury jedoch zu keinem einstimmigen Ergebnis. Dabei handelt es sich um schwerwiegendere Vorwürfe: Verschwörung zur Geldwäsche und Verschwörung zur Verletzung von IEEPA-Sanktionen. IEEPA ist das US-Gesetz für wirtschaftliche Sanktionen in nationalen Notlagen. Jeder dieser Anklagepunkte ist mit einer Höchststrafe von 20 Jahren belegt. Zusammen stehen damit bis zu 40 Jahre Haft im Raum, also das Achtfache des Strafrahmens des bereits entschiedenen Vorwurfs. Laut Anklageschrift ermöglichte Tornado Cash die Geldwäsche von mehr als USD 1 Mrd. an illegalen Mitteln.
Storm selbst sieht den Fall als Versuch, ein Exempel an ihm zu statuieren. Die Staatsanwaltschaft des Southern District of New York hält dennoch an beiden offenen Anklagepunkten fest.
"Staatsanwälte sollen amerikanische Interessen schützen und gegen Menschen vorgehen, die gegen das Gesetz verstoßen haben. Die Jury konnte sich bei den beiden schwersten Anklagepunkten gegen mich nicht einigen. Und dennoch hört die SDNY nicht auf, weil es in diesem Fall nie nur um mich ging. Es geht darum, ein Exempel zu statuieren." - Roman Storm, Mitgründer von Tornado Cash
Storm wirft Chainalysis wegen seiner Rolle im Fall Fragen auf
Zusammen mit dem neuen Termin erhob Storm auf X Vorwürfe gegen Chainalysis. Das US-Unternehmen bietet Blockchain-Forensik an und verkauft Behörden Software zur Verfolgung von Krypto-Transaktionen. Solche Analysen sollen Blockchain-Adressen mit realen Personen verknüpfen. Ihre Auswertungen unterstützten den Fall gegen Storm. Nun stellt er genau diese Rolle infrage.
Laut Gerichtsunterlagen betrieb das Unternehmen 2022 selbst einen Tornado-Cash-Relayer. Relayer wickeln Auszahlungen aus dem Mixer im Auftrag von Nutzern ab und verlangen dafür eine Gebühr. Sie verdienen damit also an jeder einzelnen Auszahlung. Chainalysis profitierte somit auch von dem Dienst, den das Unternehmen später für Ermittler forensisch auswertete. Öffentliche Konsequenzen für diese Doppelrolle sind bislang nicht bekannt.
Storm sagt zudem, SDNY-Staatsanwälte hätten sich am Vorabend einer Zeugenaussage telefonisch mit Chainalysis-Anwälten ausgetauscht, und ein Chainalysis-Zeuge habe später den Fifth Amendment geltend gemacht. Diese Angaben stammen jedoch allein aus Storms eigenem Post. Eine unabhängige Quelle hat die von ihm zitierten Akteneinträge bislang nicht bestätigt. Chainalysis hat bisher keine öffentliche Stellungnahme zu den Vorwürfen abgegeben.
Die politische Wende bei Krypto-Mixern ändert nichts an Storms Strafverfahren
Die Grundlage der Sanktionen gegen Tornado Cash entfiel schon vor längerer Zeit. Im November 2024 entschied das Berufungsgericht des Fifth Circuit in Van Loon v. Department of the Treasury, dass die unveränderlichen Smart Contracts des Protokolls nach dem Gesetz kein "property" sind. Daher könne die Sanktionsbehörde sie nicht blockieren. Kurz darauf hob OFAC die Sanktionen im März 2025 auf. Anschließend wies das Justizministerium seine Staatsanwälte an, die gezielte Verfolgung von Krypto-Mixern zu beenden. Diese Entscheidung betraf jedoch nur die Sanktionsliste, nicht die Strafvorwürfe.
Dennoch hatte die politische Wende keine Auswirkungen auf das Strafverfahren. Die Jury verurteilte Storm nicht wegen Sanktionsverstößen. Außerdem läuft die zivilrechtliche Sanktionsfrage getrennt vom Strafverfahren. Der amtierende Justizminister Todd Blanche und FBI-Direktor Kash Patel äußerten sich im April 2026 per Video auf der Bitcoin-2026-Konferenz in Las Vegas. Ihre Gesprächsrunde stand unter dem Titel "Code is Free Speech: Ending the War on Bitcoin". Blanche sagte dort, das Justizministerium und das FBI zielten nicht mehr auf Entwickler, sondern auf Nutzer, die Finanzdelikte begehen. Er bezeichnete Storms Fall als einen "anhaltenden Fall", der noch geklärt werden müsse.
In Europa verläuft ein vergleichbarer Fall unter anderen Bedingungen. Im Mai 2024 verurteilte ein niederländisches Gericht den Tornado-Cash-Mitgründer Alexey Pertsev wegen Geldwäsche zu 64 Monaten Haft. Niederländische Ermittler bezifferten die gewaschene Summe auf rund USD 1,2 Mrd. Storms Anklage nennt mehr als USD 1 Mrd. Pertsev legte Berufung ein. Die niederländische Justiz stützt sich auf Geldwäsche, während die SDNY auf nicht lizenzierten Geldtransfer und Sanktionsrecht setzt. Auch die EU-Verordnung MiCA enthält keine ausdrückliche Regel zur strafrechtlichen Haftung von Entwicklern. Deshalb bleibt der Fall Pertsev der entscheidende europäische Testfall. US-Gerichte werden vor April 2027 nicht darüber entscheiden, ob Open-Source-Code seine Urheber strafrechtlich haftbar macht.