Robinhood-Crypto-Ingenieure nach Hyperliquid-Handelsschema über 100.000 $ angeklagt
Wichtige Erkenntnisse
- •Hefu Chai, 36, und Huaisong Xiang, 30, beide Ingenieure bei Robinhood, sehen sich jeweils einer Anklage wegen Warenbetrugs mit einer Höchststrafe von 10 Jahren und einer Anklage wegen Drahtbetrugs mit einer Höchststrafe von 20 Jahren gegenüber.
- •Nach Angaben der Staatsanwaltschaft nutzten die beiden Männer vertrauliche Details über geplante Token-Listings bei Robinhood Crypto, um vor der öffentlichen Ankündigung gehebelte Perpetual-Futures-Positionen auf Hyperliquid einzugehen.
- •Das angebliche Schema brachte jedem Angeklagten mehr als 50.000 $ ein – zusammen über 100.000 $ –, ohne dass einer der beiden die zugrunde liegenden Kryptowährungen kaufte.
- •Die am 15. September veröffentlichten Anklageschriften geben nicht an, welche Kryptowährungen beteiligt waren; dieses Detail könnte in späteren Gerichtsdokumenten auftauchen.
- •Der Fall zeigt, dass Handel über dezentrale Plattformen in den Geltungsbereich der US-Wertpapier- und Warenbetrugsgesetze fällt, so die verantwortliche US-Staatsanwältin.

Zwei Ingenieure bei Robinhood wurden wegen Bundesverbrechen angeklagt, weil sie angeblich vertrauliche Informationen über bevorstehende Krypto-Listings nutzten, um auf Hyperliquid, einer dezentralen Derivatebörse, Perpetual Futures zu handeln. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft brachte das angebliche Schema den beiden zusammen mehr als 100.000 $ ein. Der Fall rückt On-Chain-Derivate ins Zentrum der US-Betrugsbekämpfung.
Ingenieure sollen vor den Robinhood-Listings gehandelt haben
Die US-Staatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von New York veröffentlichte am 15. September Anklageschriften gegen Hefu Chai, 36, und Huaisong Xiang, 30, wie aus einer Pressemitteilung der Behörde hervorgeht. Beide Männer arbeiteten als Ingenieure bei Robinhood und hätten demnach Zugriff auf nichtöffentliche Informationen darüber gehabt, welche Kryptowährungen das Unternehmen zu Robinhood Crypto hinzufügen wollte.
Listing-Entscheidungen gehören zu den am stärksten geschützten internen Daten eines Retail-Brokers, da eine öffentliche Ankündigung über die Unterstützung eines Tokens die Handelsaktivität am gesamten Markt beeinflussen kann. Laut den Anklageschriften nutzten die beiden Männer diese Informationen während des Zeitraums 2025–2026 mehrfach, um laufende Futures-Geschäfte auf Hyperliquid abzuschließen – lange bevor Robinhood selbst die entsprechenden Token-Listings öffentlich ankündigte.
Der angebliche Plan sah nicht vor, dass die beiden die zugrunde liegenden Kryptowährungen kauften. Stattdessen gingen sie gehebelte Positionen in Perpetuals ein, in der Hoffnung, von den Preisbewegungen nach den Ankündigungen von Robinhood zu profitieren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft brachten die Geschäfte jedem Angeklagten mehr als 50.000 $ ein. Die öffentlichen Anklageschriften geben nicht an, welche Kryptowährungen beteiligt waren.
Hyperliquid diente als Handelsplattform
Hyperliquid ist eine dezentrale Derivatebör, die Perpetual Futures auf Kryptowährungen und andere Assets anbietet. Diese Kontrakte haben kein herkömmliches Ablaufdatum, sodass Händler Positionen beliebig lange halten können, während Funding-Zahlungen dazu neigen, den Preis der Kontrakte grob am zugrunde liegenden Markt auszurichten.
Hebel ermöglicht es Händlern, Positionen zu kontrollieren, die größer sind als das von ihnen hinterlegte Kapital, wodurch die Wirkung jeder Preisbewegung verstärkt wird. Dieses Setup gab den angeblichen Händlern eine Möglichkeit, auf die Listing-Ankündigungen von Robinhood zu spekulieren, ohne die physischen Token selbst zu besitzen. Der Fall des US-Justizministeriums ist bedeutend, weil das angebliche Verhalten über eine dezentrale Handelsplattform statt über eine traditionelle Börse erfolgte und On-Chain-Derivate damit ins Zentrum der US-Betrugsbekämpfung rückt.
„Unternehmensinsider können den Wertpapier- und Warenrechtsgesetzen nicht entgehen, indem sie Perpetual Futures oder andere damit verwandte Finanzinstrumente handeln“, sagte die US-Staatsanwältin Jamie McDonald.
Betrugsanklage könnte bis zu 30 Jahre bedeuten
Chai und Xiang sehen sich jeweils einer Anklage wegen Warenbetrugs und einer Anklage wegen Drahtbetrugs gegenüber. Nach Angaben des Justizministeriums beträgt die Höchststrafe für den Vorwurf nach dem Commodity Exchange Act 10 Jahre, während Drahtbetrug mit bis zu 20 Jahren bedroht ist. Diese Zahlen sind gesetzliche Höchststrafen und stellen keine Erwartungen dar, welche Strafen die Gerichte letztendlich verhängen könnten.
Das FBI erklärte, es habe Vorwürfe untersucht, wonach die Ingenieure vertrauliche Geschäftsdaten verwendeten, die sie im Rahmen ihrer Tätigkeit gesammelt hatten. Bundesstaatsanwälte zufolge unterstützte Robinhood die Untersuchung aktiv. Der Fall wird von der Securities and Commodities Fraud Task Force im südlichen Bezirk von New York untersucht.
Da die öffentlichen Anklageschriften die Token, mit denen die angeblichen Geschäfte in Verbindung stehen, nicht identifizieren, könnten spätere Gerichtsdokumente im Verlauf des Verfahrens Aufschluss über dieses Detail geben. Die Anklagen werfen zudem eine zentrale Frage für die Regulierung von Krypto-Börsen auf: Kann die dezentrale Natur dieser Plattformen genutzt werden, um den US-Waren- und Betrugsgesetzen zu entgehen? In diesem Fall ist nicht Hyperliquid selbst das Ziel, sondern die angebliche Nutzung vertraulicher Informationen. Die Börse wurde nicht angeklagt, und nach US-Recht gelten Chai und Xiang bis zum Beweis des Gegenteils als unschuld.