Rekord-Short-Squeeze bei Bitcoin liquidiert Shorts im Wert von USD 3,3 Milliarden und treibt den Kurs über USD 70.000
Wichtige Erkenntnisse
- •Krypto-Short-Liquidationen erreichten innerhalb von 24 Stunden etwa USD 3,3 Milliarden; Shorts machten rund 92% aller Liquidationen aus.
- •Bitcoin stieg am Mittwoch um 8% und kletterte innerhalb weniger Stunden von rund USD 64.681 auf über USD 70.000.
- •Ether legte um rund 18% zu und notierte erstmals seit Wochen wieder über USD 2.000.
- •US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten Nettozuflüsse von USD 517.19 Millionen, den höchsten Tageswert seit dem 4. Mai 2026.
- •Das US-Finanzministerium erhöhte die Rückkaufobergrenzen für länger laufende Anleihen, wodurch die Renditen auf US-Staatsanleihen nach einem jüngsten Mehrjahreshoch zurückgingen.

Ein Rekord-Short-Squeeze bei Bitcoin liquidierte innerhalb von 24 Stunden Krypto-Short-Positionen im Wert von USD 3,3 Milliarden, der höchste Wert seit Beginn der Coinglass-Aufzeichnungen im Jahr 2021. Bitcoin sprang um 8% und durchbrach die Marke von USD 70.000.
Eine Short-Position ist eine Wette auf fallende Kurse: Ein Trader verkauft geliehene Coins in der Erwartung, sie später günstiger zurückzukaufen. Steigt der Preis stattdessen, muss die Position mit Verlust eingedeckt werden, und diese Käufe treiben den Preis weiter nach oben — ein Mechanismus, den Händler als Short Covering bezeichnen.
Der Squeeze traf auf einen Markt, der über Monate hinweg überwiegend von bärischen Positionierungen geprägt gewesen war. Im Mai und Juni floss Kapital ab, und die Nachfrage blieb bis Mitte August uneinheitlich, während Bitcoin kurzzeitig in die niedrigen 60.000er fiel. Insgesamt traf die Liquidierungswelle 172.108 Trader.
Einseitiger als der Crash von 2025
Laut Coinglass ist der Wert von USD 3,3 Milliarden der höchste Tageswert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2021. Long-Positionen erreichten im selben Zeitraum dagegen nur USD 270 Millionen. Shorts machten damit rund 92% aller Liquidationen aus — ein Verhältnis von mehr als 10:1.
Besonders auffällig ist das Tempo. Börsen schlossen innerhalb von etwa einer Stunde mehr als USD 1 Milliarde an Short-Positionen. Solche Kaskaden entstehen, wenn Liquidationen weitere Liquidationen auslösen: Jede erzwungene Schließung ist zugleich ein Kauf und treibt den Kurs in die nächste Gruppe gehebelter Positionen.
Der Krypto-Crash vom 10. Oktober 2025 verdeutlicht den Vergleich. Damals summierten sich die gesamten Liquidationen auf rund USD 19 Milliarden, also mehr als das Fünffache des jüngsten Ereignisses, doch Short-Liquidationen beliefen sich nur auf USD 2,47 Milliarden. Der aktuelle Squeeze war daher deutlich einseitiger, obwohl das Gesamtvolumen kleiner war.
Solche Rekorde sind allerdings mit Einschränkungen zu lesen. Binance hat seine Liquidationsberichte seit April 2021 stark begrenzt, und Coinglass erfasst nach eigenen Angaben pro Börse nur einen Bericht pro Sekunde. Historische und aktuelle Summen dürften das tatsächliche Volumen daher unterschätzen, was beim Vergleich verschiedener Marktphasen wichtig ist.
Bitcoin steigt um 8% über USD 70.000
Am Mittwochmorgen eröffnete Bitcoin noch bei rund USD 64.681 und fiel bis auf ein Tagestief nahe USD 64.100. Innerhalb weniger Stunden drehte der Preis jedoch und durchbrach USD 70.000.
Ether legte noch kräftiger zu und gewann rund 18%. Die zweitgrößte Kryptowährung überschritt damit erstmals seit Wochen wieder die Marke von USD 2.000. Sie hatte bei etwa USD 1.916 eröffnet; die Spanne reicht nun bis USD 2.275.
Die Bewegung blieb nicht auf den Derivatemarkt beschränkt. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am selben Tag Nettozuflüsse von USD 517.19 Millionen — der höchste Tageswert seit dem 4. Mai 2026 und der stärkste Stand seit dreieinhalb Monaten. Solche Fonds bilden Bitcoin direkt ab und dienen regulierten Investoren als Zugang, die Coins nicht selbst halten möchten. Der Spotmarkt bestätigte damit die Bewegung im Derivatemarkt.
Insgesamt meldeten acht der zwölf Fonds Zuflüsse. BlackRock's IBIT führte mit USD 284.7 Millionen, gefolgt von ARKB von Ark & 21Shares mit USD 77.7 Millionen und Fidelity's FBTC mit USD 62.4 Millionen.
Treasury-Rückkäufe drücken die Renditen
Am selben Morgen kam ein makroökonomischer Auslöser hinzu. Das US-Finanzministerium verdoppelte die Obergrenze je Rückkaufoperation für länger laufende nominale Kuponanleihen und hob den Deckel von USD 2 Milliarden auf mindestens USD 4 Milliarden an. Die Regel gilt konkret für die Laufzeitsegmente 10 bis 20 Jahre und 20 bis 30 Jahre; das Zeitfenster läuft vom 9. September bis 4. November 2026. Zudem steigt die Zahl der Operationen am langen Ende von zwei auf vier pro Quartal — bei diesem Tempo könnte das Finanzministerium in den betroffenen Laufzeiten jährlich rund USD 128 Milliarden zurückkaufen.
Das Timing war bemerkenswert. Nur einen Tag zuvor hatte die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen mit 5.33% ein 19-Jahres-Hoch erreicht. Nach der Ankündigung ging sie um etwa 9 Basispunkte auf 5.196% zurück. Auch die Rendite zehnjähriger Anleihen fiel, um rund 6 Basispunkte auf 4.647%. Sorgen um die US-Fiskallage treiben diese Renditen ebenso wie geopolitische Risiken wie der Iran-Konflikt.
Die Maßnahme zielt jedoch nicht auf Krypto, sondern auf die Funktionsweise des Anleihemarkts. Niedrigere Renditen und ein schwächerer Dollar stützen grundsätzlich die Risikobereitschaft, was für Bitcoin und andere spekulative Vermögenswerte relevant sein kann, wenn die Positionierung bereits angespannt ist.
SEC schlägt Ausnahmen von der Wertpapierregistrierung vor
Die SEC hatte ihren Vorschlag „Regulation Crypto Assets“ einen Tag vor dem Squeeze veröffentlicht. Das Papier sieht zwei neue Ausnahmen von der Registrierungspflicht für Wertpapiere vor. Eine erste Variante gilt für Emissionen von bis zu USD 5 Millionen über einen Zeitraum von vier Jahren; die zweite erlaubt bis zu USD 75 Millionen pro Zwölfmonatszeitraum. Für die größere Ausnahme wären zudem Finanzberichte und laufende Berichtspflichten erforderlich. Als Ziel nennt die Behörde eine erleichterte Kapitalbeschaffung für Unternehmen in der Start-up- und Finanzierungsphase. Die öffentliche Kommentierungsfrist läuft 60 Tage ab Veröffentlichung im Federal Register.
Einen Tag später empfing US-Präsident Donald Trump Branchenvertreter im Eisenhower Executive Office Building. Unter den Teilnehmern waren Coinbase-CEO Brian Armstrong, Kraken-Co-CEO Arjun Sethi sowie Vertreter von Gemini und Robinhood. Auch SEC-Vorsitzender Paul Atkins und CFTC-Vorsitzender Michael Selig saßen am Tisch. Trump drängte den Kongress, das Marktstrukturgesetz namens Clarity Act zu verabschieden. Der Präsident fügte hinzu, dass Selig daran arbeite, Hyperliquid in die USA zu bringen. Die Perpetual-Futures-Börse würde dann legal und vollständig konform in den US-Markt eintreten. Hyperliquid's HYPE-Token stieg anschließend um 23.23%.
Der SEC-Vorschlag fügt sich in eine Reihe regulatorischer Schritte im Jahr 2026 ein. Im Kongress ist der Clarity Act festgefahren. Exekutive und Aufsichtsbehörden versuchen daher, durch Regelsetzung für Klarheit zu sorgen. Der Vorschlag ist noch nicht in Kraft; der Markt wertete ihn dennoch als Richtungssignal. Für Anleger war an diesem Mittwoch jedoch die Richtung wichtiger als das juristische Detail. Fiskalische und regulatorische Signale trafen somit auf eine einseitige Positionierung.