Poolin, einst ein großer Bitcoin-Mining-Pool, meldet Insolvenz nach Chapter 11 an
Wichtige Erkenntnisse
- •Poolin Technology hat am 22. Juli Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet und dabei Verbindlichkeiten von mehr als $100 million sowie Vermögenswerte von weniger als $10 million ausgewiesen.
- •Rund 11,700 Wallet-Inhaber haben zusammen Forderungen von $163.7 million aus nicht eingelösten IOU-Token, die Poolin nach dem Einfrieren von Auszahlungen im September 2022 ausgegeben hatte.
- •Poolin versteigert zwei Mining-Standorte in West Texas mit einem Stalking-Horse-Gebot über $52 million von Thor CALAP LLC, doch die Rückgewinnung für Gläubiger bleibt angesichts der großen Lücke zwischen Gebot und geschuldeten Guthaben ungewiss.
- •Die Mining-Aktivitäten des Unternehmens in Texas, die insgesamt etwa $54.7 million an Verlusten angehäuft hatten, wurden am 10. Juli dauerhaft eingestellt.
- •Auf seinem Höhepunkt kontrollierte Poolin nahezu ein Fünftel der globalen Bitcoin-Hashrate, doch die Mining-Aktivität des Unternehmens war bereits vor dem Insolvenzantrag stark zurückgegangen.

Poolin Technology Pte. Ltd., das in Singapur ansässige Unternehmen, das einst einen der größten Bitcoin-Mining-Pools betrieb, hat am 22. Juli Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet, während es unter gerichtlicher Aufsicht den Verkauf verbleibender Vermögenswerte und die Abwicklung des Betriebs vorantreibt.
Der Antrag beim U.S. Bankruptcy Court for the District of New Jersey umfasst Poolin sowie zwei US-Tochtergesellschaften, Lonestar Dream Inc. und Lonestar Taproot LLC. Gerichtsunterlagen führen vorinsolvenzliche Verbindlichkeiten von mehr als $100 million und Vermögenswerte von weniger als $10 million auf.
Die größte Einzelverbindlichkeit in dem Verfahren hängt mit nicht ausgezahlten Nutzerguthaben zusammen. Etwa 11,700 Wallet-Inhaber haben laut einer gerichtlichen Erklärung von Chief Restructuring Officer Michael DuFrayne Forderungen in Höhe von $163.7 million. Diese Schulden stammen aus IOU-Token, die Poolin ausgegeben hatte, nachdem das Unternehmen im September 2022 Auszahlungen für Nutzer von Poolin Wallet und Pool Account eingefroren hatte.
Poolin wurde 2017 in Peking von Zhibiao “Kevin” Pan, Fa Zhu und Tianzhao Li gegründet, die alle zuvor beim Mining-Hardware-Hersteller Bitmain tätig waren. Das Unternehmen wuchs zu einem der weltweit größten Bitcoin-Mining-Pools heran und kontrollierte auf seinem Höhepunkt nahezu ein Fünftel der globalen Hashrate des Netzwerks. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags war Poolins Anteil an der Bitcoin-Mining-Aktivität jedoch bereits stark geschrumpft, und das Unternehmen war weitgehend aus der Spitzengruppe der Pools verschwunden — ein Niedergang, den das Chapter-11-Verfahren nun formalisiert.
Ein Mining-Pool ermöglicht es einzelnen Bitcoin-Minern, ihre Hashrate zu bündeln — also die Rechenleistung, mit der kryptografische Rätsel gelöst und neue Blöcke zur Blockchain hinzugefügt werden —, sodass Teilnehmer regelmäßiger Belohnungen erzielen können, als es beim alleinigen Mining möglich wäre.
Später weitete Poolin sein Geschäft über Mining-Pool-Dienste hinaus auf Krypto-Kredite und verzinsliche Konten über ein Produkt namens Poolin Wallet aus. Die finanziellen Probleme wurden im September 2022 öffentlich, als das Unternehmen Auszahlungen für Nutzer von Poolin Wallet und Pool Account stoppte. Damals erklärte Poolin, es sei mit “facing some liquidity issues,” konfrontiert, und verwies auf einen Anstieg der Auszahlungsnachfrage während des breiteren Kryptomarkt-Crashs in jenem Jahr. Dieser Crash löste auch Ausfälle bei anderen Krypto-Kredit- und Handelsplattformen aus, darunter Celsius Network, BlockFi und Voyager Digital, von denen mehrere ebenfalls Kundenauszahlungen einfroren, bevor sie Insolvenzverfahren einleiteten.
Statt Kunden vollständig zurückzuzahlen, gab Poolin IOU-Token als Platzhalter für Bitcoin-Guthaben aus. Diese Verpflichtungen wurden nicht beglichen und stellen nun die größte Forderung im Insolvenzverfahren dar.
Poolins Mining- und Hosting-Geschäft in Texas, das über Lonestar Dream betrieben wurde, wurde am 10. Juli vollständig eingestellt, und das Unternehmen erklärt, es plane keine Wiederaufnahme dieser Aktivitäten.
Zur Rückgewinnung von Mitteln will Poolin zwei Mining-Standorte in West Texas versteigern. Thor CALAP LLC hat ein Stalking-Horse-Gebot über $52 million abgegeben, das den Mindestpreis festlegt, den konkurrierende Bieter in einem gerichtlich überwachten Verkauf übertreffen müssen. Das Gebot bezieht sich auf die physische Mining-Infrastruktur und deckt die eingefrorenen Wallet-Guthaben nicht ab. Die Lücke zwischen dem Stalking-Horse-Gebot und den $163.7 million, die Wallet-Inhabern geschuldet werden, bedeutet, dass unbesicherte Gläubiger voraussichtlich erhebliche Ausfälle hinnehmen müssen, sofern bei der Auktion keine höheren Gebote eingehen.
Die Einheiten in Texas hatten seit ihrer Eröffnung bereits Verluste von etwa $45.9 million verbucht, zusätzlich zu weiteren Verlusten von $8.8 million aus dem Verkauf von Ausrüstung zu reduzierten Preisen zwischen den Geschäftsjahren 2023 und 2025.
Eine etwaige Rückgewinnung für die rund 11,700 IOU-Inhaber hängt nun weitgehend von den Erlösen aus der Versteigerung der Vermögenswerte in Texas ab — mehr als drei Jahre, nachdem Poolin erstmals Auszahlungen eingefroren hatte.