Peter Grays neues Buch „Restoring Childhood“ stellt die Erzählung infrage, wonach soziale Medien den Rückgang der psychischen Gesundheit von Teenagern verursachen
Wichtige Erkenntnisse
- •Peter Grays neues Buch argumentiert, dass umfangreiche Forschung die These nicht stützt, Smartphones und soziale Medien seien wesentliche Treiber des Rückgangs der psychischen Gesundheit von Teenagern nach 2010.
- •Gray verweist auf einen nahezu Konsens führender Forscher, wonach digitale Technologie bei Jugendlichen sowohl positive als auch negative Effekte hat, die sich auf Bevölkerungsebene weitgehend aufheben.
- •Historische Daten im Buch zeigen, dass die Belastung von Jugendlichen um 1990 ihren Höhepunkt erreichte, also Jahrzehnte vor dem Aufkommen von Smartphones, was die Social-Media-These erschwert.
- •Gray führt den Rückgang des Wohlbefindens junger Menschen vor allem auf den langfristigen Rückgang des freien Spiels und den Ausbau von leistungsdruckbetonten, von Erwachsenen gesteuerten Schulen zurück.
- •Das Buch positioniert sich in direktem Gegensatz zu Jonathan Haidts einflussreichem Werk „The Anxious Generation“ aus dem Jahr 2024, das soziale Medien als Hauptursache der Krise der psychischen Gesundheit junger Menschen beschreibt.

Peter Gray, Professor für Psychologie-Forschung am Boston College, bekannt für seine Arbeiten zur Rolle des Spiels in der kindlichen Entwicklung und sein Eintreten für selbstbestimmte Bildung, hat ein neues Buch mit dem Titel Restoring Childhood: How to Set Kids Free in the Age of Anxiety veröffentlicht. Das Buch präsentiert eine umfassende Philosophie der Kindererziehung und dient nach Darstellung des Autors als Gegengift zur aktuellen Panik um soziale Medien. Diese Panik hat sich bereits in konkrete politische Maßnahmen weltweit übersetzt, darunter die Debatten um den U.S. Kids Online Safety Act, Gesetze zur Altersverifizierung auf Bundesstaatsebene und Australiens Gesetzgebung von 2024, die den Zugang zu sozialen Medien für Nutzer unter 16 Jahren einschränkt.
In dem Buch stützt sich Gray auf umfangreiche Forschung zu Smartphones, sozialen Medien und der psychischen Gesundheit von Jugendlichen. Er benennt das, was er als nahezu Konsens unter den in diesem Feld am stärksten engagierten Wissenschaftlern betrachtet, zusammengefasst in drei Schlussfolgerungen:
- Umfangreiche Forschung widerlegt die These, dass Smartphones und soziale Medien einen wesentlichen Teil des Rückgangs der psychischen Gesundheit von Teenagern nach 2010 ausmachen.
- Smartphones und soziale Medien können sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Teenagern haben, die sich bei Durchschnittsbetrachtung über Populationen hinweg weitgehend ausgleichen.
- Zukünftige Forschung sollte sich darauf konzentrieren, besser zu verstehen, wie Jugendliche diese Werkzeuge nutzen und wie man ihnen helfen kann, den Nutzen zu maximieren und den Schaden zu minimieren.
Diese Perspektive bringt Gray in die Nähe von Forschern wie Amy Orben und Andrew Przybylski vom Oxford Internet Institute, deren groß angelegte Analysen nur sehr geringe Zusammenhänge zwischen der Nutzung digitaler Technologie und dem Wohlbefinden von Jugendlichen gefunden haben. Zugleich steht sie in direktem Gegensatz zu Autoren wie Jonathan Haidt, dessen 2024 erschienenes Buch The Anxious Generation argumentiert, dass soziale Medien und eine kindliche Entwicklung mit dem Smartphone zu den Hauptursachen der Krise der psychischen Gesundheit junger Menschen gehören, und das die öffentliche Debatte wie auch politische Agenden stark beeinflusst hat.
Gray verweist außerdem auf breitere historische und geografische Evidenz, die die These der sozialen Medien verkompliziert. Das Leid von Teenagern, gemessen an mehreren Indikatoren, erreichte um 1990 seinen Höhepunkt — also lange vor dem Aufkommen von Smartphones oder sozialen Medien. Zudem sanken die Suizidraten europäischer Teenager in derselben Zeit, in der die Raten in den Vereinigten Staaten stiegen, obwohl beide Bevölkerungen einen ähnlichen Zugang zu digitalen Technologien hatten. Für Gray deuten diese Muster auf andere Erklärungsfaktoren hin, darunter den jahrzehntelangen Rückgang des freien Spiels und das Wachstum von von Erwachsenen gesteuerten, leistungsdruckbetonten Schulumgebungen.
Das Buch wird Lesern empfohlen, die eine zugängliche und zugleich substanzielle Auseinandersetzung mit diesen Fragen suchen. Es ist über Amazon erhältlich.
Quelle: Marginal Revolution