Nvidias Quartalszahlen könnten Risse im KI-Boom offenlegen
Wichtige Erkenntnisse
- •Nvidia wird nach Handelsende am Mittwoch, dem 26. August, seine Ergebnisse für das zweite Quartal veröffentlichen; die Telefonkonferenz ist für 14:00 Uhr pazifischer Zeit angesetzt.
- •Datencenter-Hardware bleibt Nvidias Kerngeschäft: In dem zuletzt gemeldeten Quartal trug das Segment 75,2 Mrd. US-Dollar zum Gesamtumsatz von 81,6 Mrd. US-Dollar bei.
- •Nvidia wird die Datencenter-Umsätze künftig in Hyperscale-Kunden sowie KI-Clouds und industrielle beziehungsweise kommerzielle Märkte aufteilen.
- •Der Ausblick des Unternehmens geht von keinen Datencenter-Compute-Verkäufen nach China aus – ein Zeichen für den deutlichen Rückgang des Marktanteils dort.
- •Analysten und Anleger beobachten, ob Cloud-Anbieter die steigenden Investitionen aufrechterhalten und KI-Infrastruktur-Investitionen weiterhin in Nvidia-Bestellungen umsetzen können.

Nach Handelsende am Mittwoch, dem 26. August, wird Nvidia seine Ergebnisse für das zweite Quartal veröffentlichen – eine Veröffentlichung, die weit über den eigenen Aktienkurs des Unternehmens hinaus Bedeutung haben wird. Chiphersteller, Cloud-Anbieter und Ausrüster entlang der gesamten KI-Lieferkette beobachten aufmerksam, ob sich der Anstieg der Infrastruktur-Ausgaben in echte Bestellungen für Nvidias Hardware verwandelt.
Laut der Investor-Relations-Ankündigung von Nvidia aus dem Juli werden die Ergebnisse gegen 13:20 Uhr pazifischer Zeit veröffentlicht, gefolgt von einer Telefonkonferenz um 14:00 Uhr pazifischer Zeit.
Warum der KI-Markt auf einen Bericht blickt
Wenige Ergebnisveröffentlichungen haben eine derart große Bedeutung für einen ganzen Sektor. Nvidia-Chips stecken in den Rechenzentren, die Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Oracle errichten, weshalb die Umsatzzahlen des Unternehmens als Echtzeit-Indikator dafür dienen, wie schnell der KI-Ausbau voranschreitet. Dieselben Zahlen geben zugleich Aufschluss über die Komponentenkette hinter diesem Ausbau – von Speicher- und Netzwerklieferanten bis zu den Ausrüstern, die ebendiese Anlagen ausstatten.
Im August hob TrendForce seine Prognose für die Auslieferungen von KI-Servern im Jahr 2026 auf ein Wachstum von nahezu 31 % gegenüber dem Vorjahr an und verwies auf gestiegene Bestellungen großer Cloud-Anbieter für Nvidias Strategie der Rack-Scale-Infrastruktur. Das Marktforschungsunternehmen teilte außerdem mit, dass die Ausgaben der acht größten Cloud-Unternehmen in diesem Jahr voraussichtlich um rund 90 % auf mehr als 886,7 Mrd. US-Dollar steigen werden. IDC meldete ein ähnliches Muster: Den Angaben zufolge kletterten die globalen Server-Ausgaben im ersten Quartal 2026 um 30,7 %, angetrieben von der Einführung von GPU-Technologie.
Woraus sich Nvidias Ergebnisse zusammensetzen
Für Nvidia bleibt die Datencenter-Hardware der Kern des Geschäfts.
Als das Unternehmen zuletzt am 20. Mai Zahlen vorlegte, erreichten die Datencenter-Umsätze mit 75,2 Mrd. US-Dollar einen Rekordwert – bei einem Gesamtumsatz von 81,6 Mrd. US-Dollar. Die restlichen 6,4 Mrd. US-Dollar entfielen auf Edge Computing, Nvidias Kategorie für PC-, Konsolen-, Robotik- und Automotive-Chips.
Zudem hat Nvidia beschlossen, seine Datencenter-Berichterstattung in zwei Kategorien aufzuteilen. Eine umfasst Hyperscale-Kunden, darunter öffentliche Clouds und die größten Internetunternehmen. Die andere richtet sich an KI-Clouds sowie Industriemärkte und kommerzielle Märkte. Die Aufteilung ermöglicht es, diese Gruppen getrennt zu verfolgen – zu einem Zeitpunkt, an dem die Anleger genau darauf achten, welche Kunden die Nachfrage treiben und wer die Erträge einfährt.
Im ersten Quartal legte der Datencenter-Umsatz um 85 % gegenüber dem Vorjahr zu, und das Unternehmen projizierte für das nun auslaufende Quartal einen Gesamtumsatz von rund 91 Mrd. US-Dollar. Der Bericht vom Mittwoch wird zeigen, ob die Ergebnisse diese Marke erreicht haben. Der Ausblick, den Nvidia für das kommende Quartal gibt, wird genauso aufmerksam beobachtet, ist der Unternehmensausblick für die Erwartungen am gesamten KI-Hardware-Markt inzwischen doch von zentraler Bedeutung.
Die Ausgabenfrage hinter den Zahlen
Die zentrale Frage vor dem Bericht am Mittwoch lautet, ob die Budgets für Cloud Computing im aktuellen Tempo weiter steigen können.
Einem Reuters-Bericht aus dem Juli zufolge werden große Hyperscaler bis 2027 voraussichtlich mehr für Investitionen (Capex) ausgeben, als sie an freiem Cashflow erwirtschaften, wobei die Investitionsausgaben um rund 534 Mrd. US-Dollar zunehmen und das Wachstum des operativen Cashflows damit deutlich übertreffen.
„Die Anleger unterschätzen, wie grundlegend KI das Geschäftsmodell von Big Tech verändert“, sagte Shay Boloor, Stratege bei Futurum Equities, gegenüber Reuters. KI verwandle traditionell asset-leichte Softwareunternehmen seiner Argumentation nach in Unternehmen mit schwerer Infrastruktur.
Diese Unternehmen sind zugleich Nvidias größte Kunden. Wenn sie ihre Ausgaben drosseln, würde Nvidias Bestellwachstum die Auswirkungen schnell zu spüren bekommen.
Nvidias China-Exposition ist bereits reduziert
Nvidias Ausblick klammert zudem einen wichtigen Markt aus.
Die rund 91 Mrd. US-Dollar umfassende Prognose des Unternehmens geht von keinen Datencenter-Compute-Verkäufen nach China aus – ein Spiegelbild dessen, wie viel Terrain Nvidia dort verloren hat. Cryptopolitan hatte zuvor berichtet, dass Nvidias Anteil am chinesischen KI-Chipmarkt im Jahr 2026 laut einer Schätzung von Bernstein von knapp 40 % ein Jahr zuvor auf rund 8 % sinken könnte, während Huawei und andere heimische Anbieter mehr als die Hälfte des Marktes übernehmen.
Chef Jensen Huang hat gesagt, Nvidia habe diesen Markt nach Jahren verschärfter US-Exportbeschränkungen „weitgehend aufgegeben“. Kleine Lieferungen von H200-Beschleunigern kehren unter Einzelfalllizenzen zurück, chinesische Unternehmen lenken ihre Budgets jedoch zunehmend in Richtung heimischer Chips.
Die Frage, wer die Erträge einfährt
Eine weitere aktuelle Entwicklung: Nvidia hat Großkunden Berichten zufolge gewarnt, dass die Preise für KI-Server ab Anfang 2027 um mehr als 15 % steigen könnten – vor allem wegen steigender Speicherkosten. Das könnte sich auf die Bruttomargen und die Ökonomie des gesamten KI-Infrastruktur-Ausbaus auswirken. Für Nvidias Kunden würde ein Anstieg dieses Ausmaßes auf ebendiesen Kapitalbudgets landen, die laut Reuters-Prognose bis 2027 den freien Cashflow übersteigen werden.
Reuters berichtete vergangene Woche, dass Anleger ihre Frage zunehmend davon verlagern, wie viel Big Tech ausgibt, dahin, wer die wirtschaftlichen Erträge tatsächlich einstreicht. Die starke Cloud-Nachfrage und anhaltende Kapazitätsengpässe haben bislang geholfen, Bedenken gegenüber KI-Ausgaben abzumildern, doch Nvidias Herausforderung ist inzwischen konkreter: ob sich mehr als 700 Mrd. US-Dollar an Hyperscaler-Ausgaben weiterhin in beschleunigendes Chip-Umsatzwachstum übersetzen lassen. Die Ergebnisse vom Mittwoch, die neue Kundenaufschlüsselung und der Ausblick für das kommende Quartal liefern die ersten konkreten Belege zu dieser Frage, seit sich die Debatte verschoben hat.