NachrichtenKryptoNetanjahu: Israel bereitet „Umgehungswirtschaft“ vor und nennt Blockchain als Option

Netanjahu: Israel bereitet „Umgehungswirtschaft“ vor und nennt Blockchain als Option

Autor: Coindoo·

Wichtige Erkenntnisse

  • •Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte in einem Interview mit Channel 10 am 23. Oktober, er habe die Ausarbeitung eines Plans für eine „Umgehungswirtschaft“ angeordnet, um Handel und Zahlungen bei einer Einschränkung des Bankenzugangs durch Sanktionen aufrechtzuerhalten, und nannte Blockchain als eine Option.
  • •Der Bericht von Channel 10 nannte keinen konkreten Token, kein Netzwerk, keinen Betreiber und keinen Zeitplan für die geplante Initiative.
  • •Der britische Außenminister Ed Miliband kündigte am 19. Oktober neue Befugnisse an, um Personen und Unternehmen zu sanktionieren, die am Bau von Siedlungen wie E1 beteiligt sind; die geplanten Maßnahmen zielen auf Siedlungsaktivitäten und nicht auf das israelische Bankensystem.
  • •Digitale Währungszahlungen bleiben anfällig für Unterbrechungen durch Aufsichtsbehörden und Emittenten. Das zeigen die Schließung der russischen Börse Garantex im März 2025, das Einfrieren von rund 28 Millionen Dollar in USDT durch Tether sowie die OFAC-Sanktionen vom August 2025 gegen den Emittenten des rubelgedeckten Stablecoins A7A5 und die Börse Grinex.
  • •Netanjahu sagte außerdem, Israel solle nicht mit US-Verteidigungshilfe im bisherigen Umfang rechnen. Diese beläuft sich nach einer zehnjährigen Vereinbarung aus dem Jahr 2016 derzeit auf 3,8 Milliarden Dollar pro Jahr. Zudem verteidigte er zusätzliche Verteidigungsausgaben von 400 Milliarden NIS.
Netanjahu: Israel bereitet „Umgehungswirtschaft“ vor und nennt Blockchain als Option

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärt, er habe die Ausarbeitung eines Plans für die Organisation einer „Umgehungswirtschaft“ angeordnet, die Israel helfen könnte, potenzielle Wirtschaftssanktionen zu umgehen, und nennt Blockchain als eine mögliche Option für diese Aufgabe. Er äußerte sich dazu in einem Interview mit Roi Katz von Channel 10 am 23. Oktober.

Eine „Umgehungswirtschaft“ in Vorbereitung

Auf die Frage, wie besorgt er über Wirtschaftssanktionen gegen Israel sei, sagte Netanjahu, dass er besorgt sei und Sanktionen gegen Banken möglich seien. Anschließend verwies er auf „die Währungen, die dies umgehen“ könnten, und sagte, dass er auch daran arbeite.

„Man muss eine Umgehungswirtschaft organisieren.“

— Benjamin Netanjahu, Äußerung gegenüber Channel 10, aus dem Hebräischen übersetzt

Als Katz fragte, ob Blockchain die von ihm gemeinte Alternative sei, antwortete Netanjahu: „eine davon, zweifellos“, und sagte, er habe bereits die Ausarbeitung eines Plans angeordnet. Der Bericht von Channel 10 nennt keinen Token, kein Netzwerk, keinen Betreiber und keinen Zeitplan.

Die Idee ist als Notfalllösung gedacht, um Handel und Zahlungen aufrechtzuerhalten, falls der Zugang zum Bankensystem eingeschränkt wird: Sanktionen gegen Banken funktionieren typischerweise, indem Institute von den Korrespondenzbeziehungen und grenzüberschreitenden Abwicklungskanälen abgeschnitten werden, auf die internationale Zahlungen angewiesen sind.

Netanjahu sagte Katz außerdem, Israel solle nicht damit rechnen, weiterhin US-Verteidigungshilfe in dem Umfang zu erhalten, wie sie das Land zuvor bekommen habe – im Wert von mehreren Dutzend Milliarden Dollar –, weil sich Amerika verändert habe. Nach einer zehnjährigen Vereinbarung aus dem Jahr 2016 beläuft sich die US-Verteidigungshilfe für Israel derzeit auf 3,8 Milliarden Dollar pro Jahr.

Was Großbritannien angekündigt hat

Die jüngste Maßnahme Großbritanniens ist eng gefasst, und das Interview stellte keinen Zusammenhang zwischen Netanjahus Äußerungen und ihr her. Am 19. Oktober erklärte der britische Außenminister Ed Miliband, Großbritannien habe neue Befugnisse geschaffen, um Personen und Unternehmen zu sanktionieren, die am Bau von Siedlungen wie E1 beteiligt sind – einer geplanten Entwicklung östlich von Jerusalem –, die die britische Regierung als illegal bezeichnet. Zudem forderte er Unternehmen auf, kein Angebot für die Ausschreibung abzugeben.

Miliband bekräftigte außerdem Pläne für ein Gesetz zum Verbot von Waren aus Siedlungen sowie für „Maßnahmen gegen Dienstleistungen, die diese finanzieren oder ermöglichen“. Dieser Teil des britischen Ansatzes bezieht sich auf die Finanzierung und zielt auf Siedlungsaktivitäten, nicht auf das israelische Bankensystem.

Wer eine Krypto-Zahlung stoppen kann

Eine Blockchain kann Token ohne eine Bank übertragen, doch die Punkte, an denen Geld in das System gelangt und es wieder verlässt, unterliegen weiterhin den Aufsichtsbehörden. Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums erklärt, dass die Sanktionspflichten für Personen in seinem Zuständigkeitsbereich unabhängig davon gelten, ob eine Zahlung in digitaler Währung oder in herkömmlichem Geld erfolgt.

Die USDC-Bedingungen von Circle erlauben es dem Unternehmen, Adressen zu sperren und gültigen Anordnungen staatlicher Behörden nachzukommen. Auch die Umwandlung in Bankgeld erfordert selbst in regulierten Märkten Identitätsprüfungen, etwa wenn Inhaber im Europäischen Wirtschaftsraum USDC über die französische Gesellschaft von Circle einlösen.

Russland liefert ein aktuelles Beispiel für Krypto-Zahlungswege unter dem Druck von Sanktionen. Nachdem Strafverfolgungsbehörden die russische Börse Garantex im März 2025 geschlossen hatten – sie stand seit 2022 unter US-Sanktionen –, fror Tether nach Angaben des Blockchain-Analyseunternehmens Elliptic rund 28 Millionen Dollar in USDT ein, die seinen Kunden gehörten. Im August 2025 verhängte OFAC Sanktionen gegen den Emittenten von A7A5, einem durch den Rubel gedeckten Stablecoin für grenzüberschreitende Zahlungen, sowie gegen Grinex, die von den Betreibern von Garantex gegründete Börse. Elliptic warnt, dass Unternehmen mit selbst indirektem Kontakt zu dem Token einem Sanktionsrisiko ausgesetzt sein können. Israel unterliegt nicht dem umfassenden Sanktionsregime, dem Russland ausgesetzt ist, doch der Fall zeigt, an welchen Stellen Krypto-Zahlungen unterbrochen werden können.

Die Rolle der Bank of Israel

Netanjahu sagte nicht, wer den Plan ausarbeiten soll. Die Bank of Israel betreibt bereits ein Projekt für einen digitalen Schekel – eine digitale Zentralbankwährung, die die Bank als mögliche Zahlungsmethode für den Einzelhandel neben Bargeld und Geschäftsbankgeld untersucht –, doch der Bericht von Channel 10 stellt keinen Zusammenhang mit seiner Forderung her. An anderer Stelle des Interviews sagte Netanjahu, er widerspreche den Warnungen von Gouverneur Amir Yaron vor dem wachsenden Verteidigungsbudget „unmissverständlich“, und verteidigte zusätzliche Verteidigungsausgaben von 400 Milliarden NIS in den kommenden Jahren.

Worauf zu achten ist

  • Wer für den Plan verantwortlich ist: ob das Finanzministerium, die Bank of Israel oder eine andere Stelle mit seiner Ausarbeitung beauftragt wird.
  • Wofür er gedacht ist: als allgemeine Ausweichlösung für den Fall einer Unterbrechung von Zahlungskanälen oder als Reaktion auf gezielte Maßnahmen wie die britischen.
  • Der nächste Schritt Großbritanniens: wie weit die geplanten Maßnahmen gegen Dienstleistungen zur Finanzierung von Siedlungen in den Bankensektor hineinreichen.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Rechts-, Finanz- oder Anlageberatung dar.