Maersk testet Rotorsegel auf Containerschiff im Rahmen eines Pilotprojekts zur windunterstützten Propulsion
Wichtige Erkenntnisse
- •Anemoi Marine Technologies baut einen einzelnen feststehenden Rotorsegel mit 5 m Durchmesser und 35 m Höhe zur Installation auf einem Containerschiff der Maersk-Lima-Klasse Mitte 2027.
- •Die Installation ist der erste Einsatz von Rotorsegeln auf einem Containerschiff – ein Schiffstyp, bei dem Platzmangel auf dem Deck windunterstützte Propulsion bislang erschwerte.
- •Die Tests finden im regulären kommerziellen Betrieb statt, hauptsächlich auf Nord- und Südatlantikrouten, wo gleichmäßige Windverhältnisse die Bewertung der Treibstoffeinsparungen unterstützen.
- •Ein unabhängiger Test mit Norsepower-Rotorsegeln auf einem LR2 der Maersk Tankers erzielte 2019 bestätigte jährliche Treibstoffeinsparungen von 8,2 %, was rund 1.400 Tonnen CO2 entspricht.
- •Die IMO hat ein Netto-Null-Rahmenwerk für die internationale Schifffahrt vereinbart, einschließlich Kraftstoffstandards und Preisbildungsmechanismen, die später in diesem Jahrzehnt in Kraft treten – das erhöht den kommerziellen Druck zur Einführung von Treibstoffeinsparungstechnologien.

Die dänische Reederei Maersk bringt windunterstützte Propulsion in ihre Linienschiffflotte: Geplant ist, im nächsten Jahr ein 35 m hohes Rotorsegel auf einem ihrer 8.700 TEU-Schiffe zu installieren.
Der britische Anbieter Anemoi Marine Technologies wird einen einzelnen feststehenden Rotor mit einem Durchmesser von 5 m und einer Höhe von 35 m für ein Schiff der Maersk-Lima-Klasse konstruieren und fertigen. Die Installation ist für Mitte 2027 geplant.
Das System soll im regulären kommerziellen Betrieb getestet werden, vor allem auf Nord- und Südatlantikrouten. So kann Maersk Betriebsdaten sammeln, bevor das Unternehmen entscheidet, ob die Technologie für die gesamte Flotte von breiterer Bedeutung ist. Die Routenwahl spielt für die Wirtschaftlichkeit von Windpropulsion eine wichtige Rolle: Da die Einsparungen von den Windverhältnissen abhängen, sind Atlantikdienste – deren Verkehrsmuster eine gleichmäßige Windaussetzung bieten – ein übliches Testfeld für die Technologie.
Nach Angaben von Anemoi wird die Installation den erstmaligen Einsatz von Rotorsegeln auf einem Containerschiff darstellen. Das Unternehmen stattet große Schiffe in der Regel mit drei bis fünf Rotoren aus, was das Einzelsegel-Projekt von Maersk zu einem eher überschaubaren Pilotversuch statt einer flächendeckenden Einführung macht. Containerschiffe stellen für windunterstützte Propulsion eine besondere Herausforderung dar, da die Decksfläche von gestapelten Containern und Umschlagausrüstung belegt ist – ein Grund, warum sich die Technologie bislang hauptsächlich auf Massengutfrachtern, Tankern und anderen Schiffstypen mit offeneren Decks bewährt hat.
Rotorsegel nutzen den Magnus-Effekt, um aus dem Wind zusätzlichen Vorschub zu erzeugen und so bei geeigneten Bedingungen die Belastung des Hauptmotors zu reduzieren. Anemoi hat die Technologie bereits auf Massengutfrachtern eingesetzt und arbeitet an Designs für Tanker und LNG-Carrier.
Wie SplashTech im Juni berichtete, haben Anemoi, Hafnia und Guangzhou Shipyard International eine prinzipielle Zulassung (Approval in Principle) von DNV für die Integration von 5 m mal 35 m großen klappbaren Rotoren in MR-Tankerdesigns erhalten. Anemoi hat zudem Installationskonzepte für Ultramax-Schiffe mit NACKS entwickelt.
Der Name AP Møller Holding ist mit der Technologie nicht unvertraut. Wie Splash 2019 berichtete, erzielte ein unabhängiger Test mit zwei Norsepower-Rotorsegeln an Bord eines LR2 der Maersk Tankers bestätigte Treibstoffeinsparungen von 8,2 % über ein Jahr, was rund 1.400 Tonnen CO2 entspricht. Maersk Tankers ist von der Containerschifffahrt getrennt, sodass das neue Projekt der erste derartige Schritt in die Linienflotte ist. Das Pilotprojekt fällt zudem in eine Zeit, in der Reedereien mit verschärften internationalen Regeln zu Treibhausgasemissionen konfrontiert sind: Die IMO hat ein Netto-Null-Rahmenwerk für die internationale Schifffahrt vereinbart, das Kraftstoffstandards und Preisbildungsmechanismen umfasst, die später in diesem Jahrzehnt in Kraft treten sollen – ein Druck, der Treibstoffeinsparungstechnologien wie Rotorsegel über ihren technischen Reiz hinaus kommerziell relevant macht.