Lummis verweist auf Wyomings Krypto-Rahmenwerk, bevor der Senat am 15. September über den Cloture-Antrag zum CLARITY Act abstimmt
Wichtige Erkenntnisse
- •Senatsmehrheitsführer John Thune hat den Cloture-Antrag zur Aufnahme der Debatte über den CLARITY Act eingebracht; die Abstimmung, die 60 Stimmen erfordert, ist für den 15. September um 14:15 Uhr ET angesetzt.
- •Das Repräsentantenhaus verabschiedete das Gesetz im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen, darunter 78 demokratische Stimmen; der Bankenausschuss des Senats brachte es im Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen weiter.
- •Das Gesetz weist digitale Rohstoffe der CFTC-Spotmarktregulierung und digitale Wertpapiere der SEC-Aufsicht zu, mit einem bundesweiten Registrierungssystem für Börsen, Makler und Händler.
- •Das Gesetz würde digitalen Vermögenswerte im Besitz von Nutzern in Chapter-7-Insolvenzen als Kundeneigentum behandeln und so aus der allgemeinen Insolvenzmasse eines gescheiterten Unternehmens heraushalten – eine Reaktion auf den FTX-Zusammenbruch.
- •Seit 2018 hat Wyoming mehr als zwei Dutzend Blockchain-Gesetze erlassen, darunter SPDI-Lizenzen, unter denen Custodia Bank operiert – was Lummis als Beweis anführt, dass klare Regeln funktionieren.

Senatorin Cynthia Lummis setzt sich bei den Abgeordneten dafür ein, den CLARITY Act vor einer Verfahrensabstimmung am 15. September im Senat voranzutreiben. Die Republikanerin aus Wyoming argumentiert, dass die frühen Regeln ihres Bundesstaates für digitale Vermögenswerte zeigen, dass eine klarere Regulierung Kryptounternehmen unterstützen kann, ohne sie aus den Vereinigten Staaten zu drängen.
Lummis machte diese Argumentation in einem Beitrag auf X geltend und erklärte, ihr Bundesstaat habe bereits Jahre vor den Bundesgesetzgebern einen Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte geschaffen, bevor diese begannen, eine nationale Marktstruktur aufzubauen.
„Wyoming hat Jahre bevor Washington überhaupt begann, digitale Vermögenswerte ernst zu nehmen, einen Rechtsrahmen für Unternehmen mit digitalen Vermögenswerten geschaffen – und wir haben bewiesen, dass er funktioniert. Der CLARITY Act greift genau diesen Instinkt auf – klare Regeln, die Entwickler hier halten – und wendet ihn landesweit an.“ — Senatorin Cynthia Lummis (@SenLummis), 3. September 2026 https://x.com/SenLummis/status/2095542095171690761
Ihre Botschaft kreiste um ein einziges Thema: regulatorische Gewissheit. Unternehmen, so sagte sie, sollten die Regeln kennen, bevor sie Produkte einführen, Kapital aufnehmen oder Kunden bedienen. Dieses Argument spiegelt eine längere Branchendebatte wider: In Abwesenheit eines Bundesgesetzes zur Marktstruktur haben US-Kryptofirmen jahrelang unter SEC-Durchsetzungsmaßnahmen und CFTC-Aufsicht gearbeitet, die nie als umfassendes Spotmarkt-Regime konzipiert waren. Einige Unternehmen haben sich im Ausland registriert oder ihre Tätigkeit dorthin ausgeweitet, wo Rechtsräume wie die EU mit ihrer MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets) bereits einheitliche Rahmen geschaffen haben.
Warum die Abstimmung am 15. September wichtig ist
Die nächste echte Bewährungsprobe für das Gesetz steht am 15. September im Senat an. Mehrheitsführer John Thune hat den Cloture-Antrag zur Aufnahme der Debatte über den CLARITY Act eingebracht; die Abstimmung wird für 14:15 Uhr ET erwartet. Sechzig Stimmen sind erforderlich, um das Gesetz in die Debatte und zur Änderung zu überführen.
Die Abstimmung würde nicht das Gesetz selbst verabschieden, sondern den Gesetzgebungsprozess voranbringen. Das Repräsentantenhaus verabschiedete das Gesetz im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen, darunter 78 demokratische Stimmen neben der republikanischen Unterstützung. Der Bankenausschuss des Senats gab seinen Teil der Gesetzgebung im Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen frei. Die parteiübergreifende Mehrheit im Repräsentantenhaus und das gemischte Ausschlussergebnis veranschaulichen die noch erforderliche Koalitionsbildung im Senat, wo 60 Stimmen auf einige demokratische Unterstützung neben der republikanischen Mehrheit angewiesen sind.
Das Timing nach der Cloture-Abstimmung könnte eine Rolle spielen. Den Senatoren bleibt zwischen der Rückkehr aus der Augustpause und dem Beginn der Midterm-Wahlkampfsaison nur begrenzte Zeit für Gesetzgebungsarbeit. Darüber hinaus müssten alle Änderungen des Senats vom Repräsentantenhaus genehmigt werden, bevor das Gesetz an den Präsidenten gehen kann.
Was Wyomings Krypto-Modell in die Debatte einbringt
Lummis hat wiederholt auf Wyoming als Beispiel dafür verwiesen, wie Gesetzgeber die Einzelheiten digitaler Vermögenswerte gesetzlich definieren können. Seit 2018 hat Wyoming mehr als zwei Dutzend Gesetze zu Blockchain und Kryptowährungen verabschiedet. Diese Maßnahmen etablierten eine rechtliche Definition digitalen Eigentums im Bundesstaat und schufen neue Unternehmensstrukturen für Firmen der Branche.
Wyoming führte außerdem Sonderzweck-Einlageninstitute ein, sogenannte SPDIs, die Finanzdienstleistungen für Unternehmen mit digitalen Vermögenswerten unter staatlicher Aufsicht anbieten sollen. Custodia Bank, die unter diesem SPDI-Rahmen eine Lizenz erhielt, gehört zu den Firmen, die nach diesem Modell tätig sind.
Das vorgeschlagene Bundesgesetz würde Wyomings Ansatz jedoch nicht Wort für Wort kopieren. Wyomings Rahmenwerk befasst sich in erster Linie mit Staatsbanken und den Rechten an digitalem Eigentum, während der CLARITY Act nationale Handelsregulierungen, Offenlegungen, Kapitalaufnahme und die Aufteilung der Regulierungsverantwortung behandelt.
Wer Krypto unter dem neuen Rahmenwerk regulieren würde
Das Gesetz führt Klassifizierungen digitaler Vermögenswerte für die Verwendung durch die Bundesregierung ein. Diese Klassifizierungen helfen bei der Bestimmung, welche Behörde – die CFTC oder die SEC – eine bestimmte Kategorie reguliert.
Digitale Vermögenswerte, die als Rohstoffe eingestuft werden, fielen unter die Spotmarkt-Regulierungen der CFTC, während digitale Vermögenswerte, die die Definition von Wertpapieren erfüllen, von der SEC reguliert würden. Kryptobörsen, Makler und Händler digitaler Rohstoffe würden sich in einem bundesweiten Registrierungssystem registrieren.
Bestimmte Emittenten digitaler Vermögenswerte würden Offenlegungspflichten erfüllen müssen, möglicherweise zu ihrer Geschäftstätigkeit, ihrem Token-Besitz und der Governance von Blockchain-Netzwerken. Das Gesetz enthält zudem einen Kontrolltest zur Bewertung des Reifegrads eines Blockchain-Netzwerks, wobei ein Kriterium darin besteht, ob eine Einzelperson oder Gruppe 20 % des Netzwerks oder seiner Vermögenswerte kontrolliert.
Wie Kunden und Entwickler betroffen wären
Das Gesetz sieht Schutzmaßnahmen für Kunden und bestimmte nicht-verwahrende Entwickler vor. Entwickler, die Software veröffentlichen und pflegen, ohne Kundengelder zu kontrollieren, würden nicht denselben automatischen Registrierungspflichten unterliegen wie zentralisierte Börsen und Makler.
Die Gesetzgeber diskutieren noch, wo dieser Schutz endet – konkret, wie Open-Source-Entwickler geschützt werden können, ohne eine pauschale Registrierungsbefreiung für Unternehmen zu schaffen, die Transaktionen oder Kundeneigentum kontrollieren.
Der CLARITY Act bietet zudem Schutz für Kundeneigentum in Insolvenzfällen. Digitalen Vermögenswerten im Besitz von Nutzern könnten in Chapter-7-Verfahren als Kundeneigentum behandelt werden, sodass sie nicht in die allgemeine Insolvenzmasse eines gescheiterten Unternehmens fallen. Diese Bestimmung greift eine Lehre aus dem Zusammenbruch von FTX im Jahr 2022 auf, bei dem Kunden der gescheiterten Börse langwierige Insolvenzverfahren durchlaufen mussten, um ihre Vermögenswerte zurückzuerhalten.
Nach der Verabschiedung würde das Gesetz die SEC und die CFTC verpflichten, anschließend detaillierte Verordnungen zu erarbeiten. Die Rolle der CFTC würde erheblich wachsen, da sie derzeit keinerlei gesetzliche Befugnisse über den Spotmarkt für digitale Rohstoffe besitzt.
Wie TronWeekly zuvor berichtete, unterstützt SEC-Vorsitzender Paul Atkins ein Tätigwerden des Kongresses und hat den Wunsch geäußert, das Gesetz verabschiedet zu sehen. Coinbase-CEO Brian Armstrong hat den Senat ebenfalls aufgefordert, den CLARITY Act am 15. September zu verabschieden. Worauf es als Nächstes ankommt: das Cloture-Ergebnis am 15. September, welche Änderungen – falls überhaupt – der Senat annimmt und ob Repräsentantenhaus und Senat ihre Versionen angleichen können, bevor der Midterm-Wahlkampf den Gesetzgebungskalender verengt.
Quelle: Tron Weekly