Lokales Wissen, globale Reichweite: Wie Lloyd's Register die deutsche Schifffahrtsindustrie unterstützt
Wichtige Erkenntnisse
- •Lloyd's Register hat sein Hamburger Büro ausgebaut, das als erste Anlaufstelle für deutsche Kunden dient und alle Sachverständigen sowie Neubauaktivitäten koordiniert – einschließlich in Asien gebauter Schiffe.
- •Grunenberg nennt geopolitische Spannungen, steigende Brennstoffkosten, den Drang nach Energieeffizienz und regulatorischen Druck als größte Herausforderungen für deutsche Reeder und Betreiber.
- •Die Treibhausgasstrategie der IMO von 2023 zielt bis etwa 2050 auf Netto-Null-Emissionen der internationalen Schifffahrt ab, mit indikativen Zwischenzielen 2030 und 2040, während das EU-Emissionshandelssystem zusätzliche regionale Pflichten für deutsche Eigner mit sich bringt.
- •LR kombiniert seine Portfolios für Classification, Advisory und Digital, um Eigner über eine einzige Organisation bei Risikobewertungen, Kraftstoffinvestitionen, Energieeffizienz und Flottenmanagement zu unterstützen.
- •Deutschland bleibt ein führender Schifffahrtsmarkt mit Unternehmen wie Hapag-Lloyd und Oldendorff sowie großen Häfen wie Hamburg und Bremerhaven.

Deutschland bleibt eine der einflussreichsten maritimen Nationen der Welt. Mit führenden Reedern, Betreibern, Häfen, Werften und Ausrüstern steht das Land im Zentrum vieler Entscheidungen, die die Zukunft der Schifffahrt prägen. Doch in einer Zeit, in der die Branche immer globaler und digitaler wird, bleibt ein Faktor entscheidend: lokale Expertise.
Jens Grunenberg, Germany Commercial Manager bei Lloyd's Register (LR), erläutert, warum lokale Expertise in einer zunehmend globalen Branche unverzichtbar bleibt, wie deutsche Schifffahrtsunternehmen den raschen Wandel meistern und warum enge Beziehungen bei komplexen technischen und kommerziellen Entscheidungen weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
Lloyd's Register ist eine der ältesten Klassifikationsgesellschaften der Welt, 1760 gegründet, und heute ein globaler Anbieter von Klassifikations-, Ingenieurs- und technischen Dienstleistungen für die Schifffahrtsbranche – ein Hintergrund, der die Positionierung im deutschen Markt prägt.
Warum lokale Präsenz weiterhin zählt
Deutschland beherbergt global vernetzte Schifffahrtsunternehmen mit Zugang zu Expertenwissen aus aller Welt. Warum ist lokale Präsenz also dennoch wichtig? Nach Angaben von Grunenberg hat LR sein deutsches Büro gestärkt und ausgebaut und die lokale Präsenz im Rahmen des globalen LR-Netzwerks erweitert. Deutsche Kunden erhalten so die gesamte globale Expertise von LR – vermittelt durch Menschen, die sie kennen und denen sie vertrauen.
Im Herzen Hamburgs – selbst ein Zentrum der europäischen Schifffahrtsindustrie – haben deutsche Kunden einen deutschsprachigen Ansprechpartner, und das deutsche Büro bleibt in allen Belangen die zentrale Anlaufstelle. Obwohl LR eine globale Struktur betreibt, ist das deutsche Büro eine Schlüsselfunktion und der erste Kontaktpunkt für jeden deutschen Kunden.
„Wir sind nah am Markt. Wir sind nah an Reedern und Managern. Manchmal sind wir nur eine Meile von großen Kunden entfernt. Wir sind nicht fern. Wir sind persönlich vor Ort und können Kunden von Angesicht zu Angesicht treffen“, sagte Grunenberg.
Das Hamburger Büro ist weit mehr als eine regionale Außenstelle. Alle Sachverständigen von LR sind an das deutsche Büro angebunden, egal ob sie in Nordost- oder Nordwestdeutschland tätig sind. Alles im Zusammenhang mit Neubauten läuft über das Hamburger Büro, einschließlich der Unterstützung deutscher Eigner, die Schiffe in Asien oder anderswo auf der Welt bauen lassen – was heute durchaus üblich ist. LR verfügt zudem über eigene Werft-Account-Manager und Vertreter, die für deutsche Werften wie die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft und andere große Werften zuständig sind.
„Wir haben diese Fähigkeiten ausgebaut, weil deutsche Kunden wissen wollen, dass es jemanden vor Ort gibt, der ihr Geschäft versteht und sie bei Bedarf an die breitere globale Organisation anbinden kann, wenn sie spezielle Unterstützung benötigen“, ergänzte Grunenberg.
Die größten Herausforderungen für deutsche Eigner und Betreiber
Auf die Frage nach den größten Herausforderungen, denen deutsche Reeder und Betreiber heute gegenüberstehen, verweist Grunenberg auf die Nachrichten: Es gibt derzeit viel globale Reibung. Spannungen im Nahen Osten und der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wirken sich alle auf die Schifffahrtsbranche aus.
Diese Belastungen treiben die Kosten – insbesondere die Brennstoffkosten. Natürlich möchte jeder energieeffizienter werden, den Brennstoffverbrauch und die Betriebskosten senken. „Energieeffizienz ist definitiv einer der größten Treiber, die wir derzeit am Markt beobachten“, sagte er.
Der regulatorische Druck erhöht die Komplexität zusätzlich. Zahlreiche Dekarbonisierungsmaßnahmen kommen auf die Branche zu, und die IMO verlangt eine Reduzierung der Emissionen sowie Investitionen in umweltfreundlichere Kraftstoffe. Angesichts einzuhaltender Fristen müssen Eigner jetzt wichtige Entscheidungen treffen. Dies steht im Einklang mit der Treibhausgasstrategie der IMO von 2023, die bis etwa 2050 Netto-Null-Emissionen für die internationale Schifffahrt vorsieht, mit indikativen Zwischenzielen für Emissionsreduktionen in 2030 und 2040. Für deutsche Eigner bringen EU-Maßnahmen wie die Einbindung maritimer Emissionen in das EU-Emissionshandelssystem eine zusätzliche regionale Compliance-Ebene mit sich.
Jeder neue Kraftstoff bedeutet neue Sicherheitsvorschriften, neue Ansätze, zusätzlichen Aufwand und mehr Risikobewertungen. Die Arbeitsweise der Branche, wie sie über viele Jahre bestand, verändert sich dramatisch – und das sehr schnell.
Es gibt noch viele Fragezeichen hinsichtlich der richtigen Lösungen. Eigner fragen: „Wie kann ich das erreichen? Wie kann ich diesen Übergang managen?“ Für Betreiber großer Flotten sind dies bedeutende Investitionsentscheidungen, die nicht leichtfertig getroffen werden dürfen. LRs Stärke liegt laut Grunenberg in seinen drei Produktportfolios – Classification, Advisory und Digital –, die gemeinsam eine äußerst starke Unterstützung für die Kunden bieten.
Lokale Expertise bei Dekarbonisierung, Digitalisierung und Energieeffizienz
Es passiert so viel Wandel gleichzeitig: Neue Vorschriften, neue Kraftstoffe, neue Technologien und neue Anforderungen kommen schneller denn je. Angesichts eines solchen Wandlungsgrads suchen Kunden einen lokalen Ansprechpartner, mit dem sie von Angesicht zu Angesicht sprechen können.
Im Herzen Hamburgs sitzend, kann LR diese persönlichen Gespräche problemlos mit Kunden führen – sei es mit Hapag-Lloyd, Peter Döhle oder vielen anderen in der deutschen Schifffahrtsgemeinschaft.
Während digitale Kommunikation zum Alltagsgeschäft gehört, ist Grunenberg überzeugt, dass das persönliche Engagement entscheidend bleibt. „Es ist großartig, dass wir Teams-Gespräche und digitale Meetings führen können, aber in ein Büro zu gehen und mit jemandem von Angesicht zu Angesicht zu sprechen, ist immer noch etwas anderes. Deutsche Eigner und Manager wissen das sehr zu schätzen.“
Deutschsprachige Kollegen, die die lokale Kultur verstehen und sich in der Sprache des Kunden verständigen können, sind ein bedeutender Vorteil. In einer so internationalen Branche schätzen Kunden diese lokale Verbundenheit und das kulturelle Verständnis nach wie vor sehr.
„Nah an den Unternehmen und nah an den Kunden zu sein, ist ein echter Vermögenswert. Es schafft Vertrauen und erleichtert es, Kunden bei schwierigen Entscheidungen zu unterstützen“, sagte er.
Unsicherheit meistern und fundierte Entscheidungen treffen
„Diese Reise kann nur als Team gelingen. Kunden brauchen Kollegen, Partner und gemeinsame Ansätze. Niemand kann diesen Übergang allein bewältigen“, sagte Grunenberg.
LRs drei Produktportfolios – Classification, Advisory und Digital – arbeiten zusammen und bieten starke Unterstützung. Auf der Beratungsseite führt LR Risikobewertungen und Untersuchungen durch und unterstützt Geschäftsentscheidungen – etwa dabei einzuschätzen, ob sich eine künftige Investition in einen anderen Kraftstoff lohnt und welche Auswirkungen sie haben könnte.
Daneben verbessern LRs digitale Lösungen die Energieeffizienz, die Flottenleistung, das Crew-Management und das technische Management – Kunden erhalten also über eine einzige Organisation Unterstützung in mehreren Bereichen.
Diese integrierte Herangehensweise wird zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal. Als Reeder oder Manager ist es schwierig, diese Reise völlig allein zu bewältigen. Neue Technologien, neue Vorschriften und neue Informationen entstehen ständig, und Organisationen stoßen in ihren eigenen Teams naturgemäß an Grenzen.
„Aber wir haben die Erfahrung, die Daten und die Expertise in den Bereichen Classification, Advisory und Digital. Die Verbindung dieser drei Elemente ermöglicht es uns, Kunden während des gesamten Prozesses zu unterstützen“, erläuterte Grunenberg. LR kann über digitale Lösungen mit einem Schiff verbunden sein, den Eigner durch Beratungsdienstleistungen unterstützen und zugleich Klassifikationsexpertise bereitstellen. „Diese Kombination ist einzigartig.“
Warum Deutschland ein so wichtiger Schifffahrtsmarkt bleibt
Deutschland war schon immer ein sehr bedeutender Akteur in der globalen Schifffahrt – mit großen Reedereien, Häfen, Zulieferern, Technologieanbietern und Werften, darunter Unternehmen wie Hapag-Lloyd und Oldendorff. Hamburg ist einer der größten Häfen Europas, und Bremerhaven ist einer der größten Autohäfen Europas.
Für Grunenberg reicht Deutschlands Bedeutung weit über den Schiffsbesitz hinaus. Wenn man Deutschland als maritimen Hub betrachtet, spricht man nicht nur über Reeder, sondern über Zulieferer, Ausrüster, Werften, Logistikanbieter und Häfen. Unzählige Zulieferer sind mit der Schifffahrtsbranche verbunden, und mehrere Häfen sind für die globale Logistik entscheidend. „In Deutschland passiert rund um die Schifffahrt sehr viel, und das macht diesen Markt so wichtig“, sagte er.
Der lokale Zugang wird ein entscheidender Teil der Bearbeitung dieses Marktes bleiben. LR ist seinen Kunden extrem nah: Sie wissen, wo sie LR finden, können gemeinsam am Tisch sitzen und Herausforderungen direkt besprechen, und Kunden können durch die Tür gehen und mit den Mitarbeitenden sprechen.
„In der heutigen Welt zählen persönliche Beziehungen weiterhin. Sich von Angesicht zu Angesicht zu treffen, dieselbe Sprache zu sprechen und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen, bleibt ein sehr starker Vorteil“, schloss Grunenberg.
Diese Breite schafft Chancen, bedeutet aber auch, dass Unternehmen den Wandel in einer zunehmend vielfältigen und vernetzten Lieferkette managen – eine Dynamik, die die Nachfrage nach globaler Expertise und zugleich nach lokalen, vertrauensvollen Beziehungen hochhalten wird.
Quelle: Lloyd's Register