NachrichtenMakroDaten von 246.000 Datensätzen durch Angriff auf Japans Digitalagentur offengelegt

Daten von 246.000 Datensätzen durch Angriff auf Japans Digitalagentur offengelegt

Autor: Cryptopolitan·

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Angriff betraf Regierungsmitarbeiter und Auftragnehmer aus mehreren Ministerien, die den gemeinsamen Government Solution Service nutzten.
  • Zu den offengelegten Daten gehörten Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Privatadressen aus insgesamt etwa 246.000 Datensätzen.
  • Die Ermittler identifizierten eine Schwachstelle in einem VPN-Gerät als wahrscheinlichsten Zugangspunkt und datierten den Beginn des Angriffs auf Ende Mai.
  • Japans Digitalagentur erklärte, bislang keine bestätigten Fälle von Missbrauch im Zusammenhang mit den offengelegten Informationen festgestellt zu haben.
  • Analysten werden beobachten, ob die Daten für Phishing, gewaltsame Angriffe oder Straftaten im Zusammenhang mit Kryptowährungen genutzt werden.
Daten von 246.000 Datensätzen durch Angriff auf Japans Digitalagentur offengelegt

Japan war am Freitag, dem 11. September, erneut Ziel eines schweren Cyberangriffs. Angreifer verschafften sich Zugriff auf die Digitalagentur des Landes und legten dabei etwa 246.000 personenbezogene Datensätze offen.

Betroffen waren Namen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern japanischer Beamter und Auftragnehmer. Nach Angaben der Behörde drang der Angreifer in ein gemeinsam genutztes Regierungsnetzwerk ein. Die Digitalagentur erklärte, die offengelegten Informationen seien bislang mit keinem bestätigten Missbrauch in Verbindung gebracht worden. Dieser kann von Phishing-Kampagnen bis hin zu gewaltsamen Angriffen reichen.

Welche Daten wurden offengelegt?

Die Angreifer griffen über den Government Solution Service (GSS), eine von Ministerien und Behörden in ganz Japan genutzte gemeinsame Arbeitsplattform, auf staatliche E-Mail-Adressen und persönliche Telefonnummern zu, die mit echten Namen verknüpft waren. Da die Plattform von verschiedenen Regierungsorganisationen gemeinsam genutzt wird, betrafen die offengelegten Datensätze Nutzer aus mehreren Bereichen des öffentlichen Sektors und nicht nur eine einzelne Behörde.

Der Umfang des Angriffs war geringer als bei dem Vorfall im Zusammenhang mit My Number, von dem gewöhnliche Bürger betroffen waren. Nach Datenkategorien umfassten die offengelegten Informationen 236.000 Namen, 231.000 E-Mail-Adressen, 94.000 Telefonnummern und 1.000 Privatadressen.

Wie gelangten die Angreifer in das Netzwerk?

Die Digitalagentur erklärte, sie habe am 25. Juni ungewöhnliche Aktivitäten festgestellt, nachdem ein Konto eines Auftragnehmers für Wartung und Betrieb auf eine große Zahl von Dateien zugegriffen hatte. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass der Angriff Ende Mai begonnen hatte.

Mehrere Wochen später identifizierten die Ermittler eine Schwachstelle in einem VPN-Gerät als wahrscheinlichsten Zugangspunkt. Nach Angaben der Behörde wurde das Konto gesperrt und das kompromittierte Gerät am selben Tag, an dem sie ihr Update vom 9. Juli veröffentlichte, vom externen Netzwerk getrennt.

Auch die französische Steuerbehörde DGFiP wurde durch einen ähnlichen Angriff kompromittiert, bei dem ein internes VPN betroffen war, wie Cryptopolitan zuvor berichtete.

Japan bleibt ein häufiges Angriffsziel

Laut dem Cybercrime-Bericht von CloudSEK für 2026 zählt Japan zu den zehn Ländern, die weltweit am häufigsten Ziel von Angriffen werden. Der Vorfall ist besonders bemerkenswert, weil Japan die Digitalagentur 2021 gegründet hatte, um die staatliche Informationstechnologie zu modernisieren und abzusichern.

Im Juli wurden bei einem bestätigten Angriff auf KDDI etwa 12,23 Millionen E-Mail-Adressen und 7,61 Millionen Passwörter offengelegt.

Chinesische Hacker drangen außerdem bei einem Angriff im Jahr 2023 in Japans National Center of Incident Readiness and Strategy for Cybersecurity ein. Es wurde vermutet, dass der Angriff monatelang unbemerkt geblieben war.

Mögliche Risiken für Besitzer von Kryptowährungen

Offengelegte personenbezogene Informationen können auch für Angriffe auf Besitzer von Kryptowährungen genutzt werden. Der Telegram-Gründer Pavel Durov wies auf ein Datenleck bei einer französischen staatlichen Einrichtung hin, nachdem in Frankreich in den ersten dreieinhalb Monaten des Jahres 41 Entführungen mit Krypto-Bezug gemeldet worden waren.

Chainalysis verzeichnete in der ersten Hälfte des Jahres 2026 Diebstähle von mehr als 30 Millionen US-Dollar bei gewaltsamen Angriffen. Damit war die Summe auf dem Weg, die 2025 bei solchen Angriffen gestohlenen 58 Millionen US-Dollar zu übersteigen.

Analysten werden beobachten, ob die 236.000 Namen und 231.000 E-Mail-Adressen aus dem Angriff auf Japans Digitalagentur bei künftigen Angriffen oder anderem Missbrauch auftauchen.