James Talaricos religiöse Herausforderung an die Republikanische Partei
Wichtige Erkenntnisse
- •Der texanische demokratische Senatskandidat James Talarico, ein Theologiestudent, der der erste Demokrat seit Jahrzehnten für Texas im US-Senat werden könnte, nutzt christliche Bibelzitate, um die Positionen der Republikaner zu Einwanderung und Armut infrage zu stellen.
- •Eine neue Times-Umfrage zeigt Talarico im Senatswahlkampf in Texas vier Punkte vor seinem evangelikalen Gegner Ken Paxton.
- •In Jimmy Kimmels Sendung nannte Talarico einen Glauben, der den Glauben betont und Misshandlung anderer erlaubt, eine „Greueltat“ und berief sich auf Matthäus 25 mit dem Aufruf, Hungrige zu speisen, Kranke zu heilen und Fremde willkommen zu heißen.
- •Der texanische Vizegouverneur Dan Patrick, ein evangelikaler Christ, reagierte auf Twitter und nannte Talarico nach der Verbreitung eines Videos seiner Äußerungen „zu radikal für Texas“.
- •Der Kommentar argumentiert, dass Talaricos bibelbasierter Wahlkampf als liberales theologisches Argument an Zuspruch gewinnt und Raum für eine „neues Social Gospel“-Bewegung eröffnen könnte, die die Vorherrschaft der religiösen Rechten in der Republikanischen Partei infrage stellt.

Ein kürzlicher Auftritt von James Talarico in der Late-Night-Sendung von Jimmy Kimmel hat das Bemühen des Texaner Demokraten hervorgehoben, die Republikanische Partei nicht nur in der Politik, sondern auch auf religiösem Gebiet herauszufordern.
Talarico hat die Chance, der erste Demokrat zu werden, der seit Jahrzehnten für Texas in den US-Senat gewählt wird. Sein Wahlkampf könnte dazu beitragen, Politiken wiederherzustellen, die Einwanderern und anderen Gruppen zugutekommen, denen Donald Trump und seine Verbündeten ablehnend gegenüberstehen. Die größere Bedrohung für die Republikaner sei laut dem Kommentar jedoch ein Demokrat, der mit Autorität aus der Bibel zitieren kann und dabei für einwandererfreundliche Reformen eintritt und kritisiert, was er als das autoritäre Projekt der GOP bezeichnet.
Statt sich nur auf die Ergebnisse der Politik der Republikaner zu konzentrieren, hinterfragt Talarico ihre Absichten, indem er sie an den Grundsätzen des christlichen Glaubens misst.
„Die Art von Religion, die sagt, dass man Menschen behandeln kann, wie man will, solange man eine persönliche Beziehung zu Jesus hat, ist eine Greueltat“, sagte Talarico letzten Monat bei Jimmy Kimmel. „Sie ist ein Krebs am Leib Christi.“
Er fuhr fort: „Die Schrift sagt uns, dass man Gott nicht lieben und andere Menschen hassen kann. Man kann nicht Gott lieben und den Einwanderer misshandeln. Man kann nicht Gott lieben und die Armen unterdrücken. Man kann nicht Gott lieben und den Ausgestoßenen schikanieren. Wir verbringen so viel Zeit damit, Gott da draußen zu suchen, dass wir Gott in dem Menschen übersehen, der direkt neben uns sitzt, in jenem Nächsten, der das göttliche Ebenbild trägt. Ich wurde so erzogen, dass wir im Angesicht eines Nächsten einen Blick auf das Antlitz Gottes erhaschen.“
Das Argument lautet, wie im Kommentar dargelegt, dass niemand legitimo Anspruch darauf erheben kann, ein Christ zu sein, während die Lehren Jesu in den Evangelien ignoriert, abtut oder entweiht. Versuche, ein solches Verhalten mit dem Bekenntnis des „Glaubens an Christus“ zu rechtfertigen, werden als eine Obszönität in den Augen Gottes bezeichnet.
Der Kommentar stellt fest, dass es schwerfällt, einen anderen Demokraten zu benennen, der die Religion der mächtigsten Fraktion der Republikanischen Partei eine „Greueltat“ genannt hat. Zudem führt er an, dass Talarico laut einer neuen Times-Umfrage vier Punkte vor seinem evangelikalen Gegenspieler Ken Paxton liegt.
Weiße Evangelikale begannen vor etwa einem halben Jahrhundert, die Kontrolle über die Republikanische Partei zu übernehmen. Seitdem begründet die GOP nahezu jede Position – insbesondere in der Abtreibungsfrage – zunehmend in religiösen Begriffen, die den Glauben betonen und die Werke minimieren. Christen streiten seit der Zeit Christi darüber, welches von beiden wichtiger ist. Die Evangelikalen entschieden sich schließlich für den Glauben und behandelten die Werke als Beweis der durch den Glauben erlangten Erlösung, nicht als Voraussetzung für das Heil.
Der Kommentar beschreibt die „Rechtfertigung allein durch den Glauben“ als eine konservative Auslegung der Evangelien, die den Interessen der herrschenden Klasse dient. In dieser Sichtweise wird niemand aufgefordert, den Status quo herauszufordern, um das Reich Gottes auf Erden zu bringen; vielmehr soll man geduldig auf die Belohnung im Jenseits warten. Die Liebe zum Nächsten erscheint dadurch eher als Option denn als Gebot.
Talarico, der sowohl Theologiestudent als auch Senatskandidat ist, hat seine Antwort in praktischen Begriffen formuliert. „Sagt mir nicht, was ihr glaubt“, sagt er häufig. „Zeigt mir, was ihr tut, und ich sage euch, was ihr glaubt.“
Sein Wahlkampf wird daher sowohl als politisches als auch als theologisches Argument dargestellt – genauer gesagt als ein liberales theologisches Argument, das an Zuspruch gewinnt. Die religiösen Konservativen, die Texas beherrschen, werden nicht nur als korrupte Politiker, sondern auch als korrupte Christen dargestellt. Talarico sagt nicht, dass die Republikaner selbst „ein Krebs am Leib Christi“ seien; ihre Religion sei es. Sein übergeordnetes Argument ist, dass sie politisch falsch liegen, weil sie religiös falsch liegen.
Der Kommentar argumentiert, dass Talaricos Aufrichtigkeit und seine Beherrschung der Schrift ihn besonders bedrohlich machen. Über Jahrzehnte hinweg etablierten weiße Evangelikale ihre Auslegung der Evangelien als „die Wahrheit“. Diese Strategie funktionierte, bis sie sich vollständig mit einem kriminellen Präsidenten verbündeten, so der Kommentar. Seitdem habe Trumps Grausamkeit die politischen Grenzen des Glaubens offenbart, man könne Menschen behandeln, wie man wolle, solange man eine persönliche Beziehung zu Jesus unterhalte.
Talaricos Botschaft ist, dass Christen zu den Grundprinzipien zurückkehren müssen: mit Gott ins Reine zu kommen, indem man mit seinem Nächsten ins Reine kommt.
Die möglichen Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der Republikaner zeigen sich in der Reaktion von Dan Patrick, dem Vizegouverneur von Texas und einem „bekennenden evangelikalen Christen“. Auf Twitter kommentierte Patrick letzten Monat ein Video von Talarico und schrieb: „James Talarico sagte: ‚Man kann sich nicht Christ nennen und den Fremden abweisen, der an unserer Südgrenze Asyl sucht.‘ James Talarico ist zu radikal für Texas.“
Diese Äußerung wirft die auf, ob Patrick – der jedem, der zuhören will, sagt, er sei „zuerst Christ, dann Konservativer und erst dann Republikaner“ – die Bibel tatsächlich gelesen hat. Der Kommentar weist darauf hin, dass Jesus selbst Einwanderer war und klar über die Konsequenzen sprach, die die Abweisung von Einwanderern habe.
„Wahrlich, ich sage euch“, sagte Jesus, „was ihr nicht für einen von diesen Geringsten getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan“ (Matthäus 25,45). Wer dies unterlässt, werde „verflucht in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist“ (Matthäus 25,41). Diese Verse stammen aus der Passage in Matthäus, in der Jesus beschreibt, wie Menschen danach gerichtet werden, wie sie „die Geringsten“ behandeln.
Wenn Talarico, der buchstäblich Jesus zitiert, zu radikal für Texas ist, so das Argument, dann ist es auch Jesus. Das würde den „Anfang vom Ende der ‚religiösen Rechten‘“ markieren.
Greg Sargent von The New Republic schürz kürzlich, dass Trumps Barbarei „Raum für neue moralische Argumente, einen neuen Konsens“ eröffnet habe. Talarico habe diese Gelegenheit genutzt, um zu argumentieren, dass Einwanderung ein positiv gutes Gut sei und die Einwanderungspolitik menschlich und gerecht sein sollte.
Der Kommentar stimmt Sargent zu, hält dessen Blickwinkel jedoch für zu eng. Trumps Barbarei habe mehr bewirkt, als Raum für einzelne politische Neuerungen zu schaffen. Sie habe Raum eröffnet für das Entstehen einer neuen sozialen Bewegung auf Basis einer Wiederbelebung des christlichen Glaubens – ein „neues Social Gospel“ gewissermaßen –, bei der sich Talarico als eine ihrer führenden Stimmen positioniert.
Talarico sagte bei Kimmel: „Matthäus 25 sagt uns Christen genau, wie wir gerichtet und wie wir gerettet werden – indem wir die Hungrigen speisen, die Kranken heilen und den Fremden willkommen heißen. Ich frage mich oft, was Jesus tun würde, wenn er den US-Senat besuchen würde. Ich glaube, er würde den Senatoren dort sagen: ‚Weicht von mir. Ich war hungrig, und ihr habt meine Lebensmittelhilfe gestrichen. Ich war krank, und ihr habt mich von Medicaid ausgeschlossen. Ich war ein Fremder, und ihr habt mich und meine Familie abgeschoben.‘
„‚Und dann, glaube ich, würde er die schicken Schreibtische im Plenarsaal des US-Senats umwerfen und darauf bestehen, dass wir uns um alle unsere Nächsten kümmern – besonders um die Geringsten unter ihnen.‘“
Während der Wahlkampf gegen Paxton läuft, ist der Senatswahlkampf in Texas nun das unmittelbarste Feld, auf dem sich diese bibelbasierte Herausforderung der religiösen Rechten bewähren muss.
Quelle: https://www.alternet.org/alternet-exclusives/of-religious/