Italienische Polizei fasst 30 Verdächtige in Ermittlung zu Mafia-gestützter Krypto-Geldwäsche im Wert von 68 Millionen Euro
Wichtige Erkenntnisse
- •Italienische Behörden nahmen 30 Verdächtige ins Visier, von denen 16 in Untersuchungshaft kamen und 14 unter Hausarrest gestellt wurden – im Mittelpunkt stand ein Autovermietungsunternehmen bei Mailand, das angeblich als Untergrundbank für die organisierte Kriminalität diente.
- •Scheinfirmen stellten angeblich Scheinrechnungen über mehr als 110 Millionen Euro aus, Kunden – darunter Steuerhinterzieher und Drogenhändler – Bargeld außerhalb regulierter Finanzkanäle zurückerhielten.
- •Rund 68 Millionen Euro wurden angeblich teilweise über Krypto-Börsen und digitale Wallets ins Ausland verbracht; die Behörden haben mit der Beschlagnahmung von Vermögenswerten im Wert von über 21 Millionen Euro begonnen, darunter auch Krypto-Bestände.
- •Die Ermittler brachten das Netzwerk mit der 'Ndrangheta, der Camorra und der sogenannten Vierten Mafia in Verbindung, mit angeblicher Unterstützung durch chinesische und albanische Kriminelle sowie einem Gerichtsfahrer, der in die Handhabung beschlagnahmter Vermögenswerte verwickelt sein soll.
- •Die Operation signalisiert potenziell strengere Anti-Geldwäsche-Regeln für Krypto, im Einklang mit dem AML-Paket der EU aus dem Jahr 2024 und der in Frankfurt ansässigen AMLA, die Krypto-Dienstleister beaufsichtigen wird.

Die italienische Finanzpolizei hat 30 Verdächtige im Rahmen einer Operation ins Visier genommen, die mit einemmafiaverbundenen Geldwäsche-Netzwerk in Verbindung gebracht wird, das beschuldigt wird, rund 68 Millionen Euro ins Ausland verbracht zu haben – teilweise über Krypto-Börsen und digitale Wallets.
Im Zentrum der Ermittlung steht ein Autovermietungsunternehmen in Pero am Stadtrand von Mailand. Nach Angaben italienischer Ermittler wird verdächtigt, dass das Unternehmen als Untergrundbank für die organisierte Kriminalität fungierte und kein legitimer Vermietungsbetrieb war.
Die koordinierte Operation wurde am 21. Oktober 2026 durchgeführt.
In der angeblichen Schattenbank
Die Operation wurde von Einheiten der Guardia di Finanza in Mailand und Monza Brianza, der italienischen Finanzpolizei, geleitet, die gemeinsam mit der Antimafia-Direktion Mailand, der sogenannten DDA, ermittelten. Mehr als 350 Beamte waren beteiligt.
Von den 30 Verdächtigen wurden 16 in Untersuchungshaft genommen und 14 unter Hausarrest gestellt. Zu den Vorwürfen zählen internationale Geldwäsche, Steuerbetrug, Drogenhandel und kriminelle Vereinigung in mafiaverstärkter Form.
Laut den Ermittlern drehte sich der angebliche Mechanismus der Machenschaft um Papierkram. Scheinfirmen stellten Scheinrechnungen über mehr als 110 Millionen Euro aus. Kunden zahlten gegen diese Rechnungen und erhielten dafür Bargeld zurück. Laut den Ermittlungen gehörten zu den Kunden auch Steuerhinterzieher und Drogenhändler.
Diese Struktur ist typisch für Untergrundbanken: Werte werden außerhalb lizenzierter Finanzkanäle über gefälschte Handelsdokumente und Bargeldübergaben abgewickelt, wodurch die Kontrollen umgangen werden, die regulierte Institute anwenden müssen.
Von dort floss das Geld angeblich aus Italien heraus. Die rund 68 Millionen Euro, die ins Ausland verbracht wurden, reisten teilweise über Krypto-Börsen und digitale Wallets, so die Ermittlungsergebnisse.
Beschlagnahmungen, Grenzen und ein Mann im Inneren
Die Behörden haben begonnen, Vermögenswerte im Wert von mehr als 21 Millionen Euro zu beschlagnahmen. Die Beute umfasst Bargeld, Bankkonten, Fahrzeuge, Schmuck und Krypto-Assets.
Die Aktivitäten des Netzwerks endeten nicht an Italiens Grenzen. Europäische Haftbefehle wurden in Spanien vollstreckt, und in der Schweiz wurden weitere Maßnahmen ergriffen.
Die Ermittler haben den Fall mit der 'Ndrangheta, der Camorra und der sogenannten Vierten Mafia in Verbindung gebracht. Die in Kalabrien verwurzelte 'Ndrangheta und die in Neapel ansässige Camorra gehören zu Italiens am tiefsten verwurzelten organisierten Kriminalitätsgruppen. Zudem deckten die Ermittler angebliche Unterstützung durch chinesische und albanische Kriminelle auf.
Ein Gerichtsfahrer soll in die Handhabung beschlagnahmter Vermögenswerte verwickelt sein – ein Hinweis auf ein Netzwerk mit Einfluss genau in jenem System, das es zu zerschlagen gilt.
Was das für Krypto und Regulierungsbehörden bedeutet
Die Ergebnisse deuten auf ein Risiko eines erhöhten Regulierungsdrucks hin. Strengere Regeln zur Bekämpfung der Geldwäsche könnten folgen, was sich potenziell auf die Marktliquidität und die Bereitschaft traditioneller Finanzinstitute auswirken könnte, sich mit Krypto-Assets zu befassen.
Dieser Druck ist Teil einer umfassenderen europäischen Entwicklung: Das Anti-Geldwäsche-Paket der EU aus dem Jahr 2024 führt schrittweise Obliegenheiten und Transferanforderungen der Travel Rule für Krypto-Dienstleister ein, wobei die neu gegründete Anti-Geldwäsche-Behörde (AMLA) mit Sitz in Frankfurt die Aufsicht über die Mitgliedstaaten koordinieren soll.
In diesem Fall war Krypto nur einer von mehreren Kanälen. Der angebliche Kern der Machenschaft bestand aus Papier: über 110 Millionen Euro in gefälschten Rechnungen, Scheinfirmen und Bargeld, das an Kunden zurückgegeben wurde.
Die Einbeziehung von Krypto-Assets unter den mehr als 21 Millionen Euro an Beschlagnahmungen zeigt, dass die Behörden in der Lage sind, neben Bargeld, Autos und Schmuck auch digitale Bestände ins Visier zu nehmen.
Die weitere Entwicklung des Falls vor Gericht bleibt abzuwarten. Die Rolle des Gerichtsfahrers, das Ausmaß der chinesischen und albanischen Beteiligung und wie viel von den 68 Millionen Euro tatsächlich wiederbeschafft werden kann, werden alle darüber bestimmen, wie dieser Fall in Erinnerung bleiben wird.