ETMarkets Smart Talk: Anleihen sind alles andere als langweilig – Devang Shah über die besten Chancen bei festverzinslichen Anlagen in Indien
Wichtige Erkenntnisse
- •Der Repo-Satz der RBI liegt bei 5,25 %, wobei die Notenbank die Risiken aus Geopolitik, Rohölpreisen und der Entwicklung der globalen Geldpolitik weiterhin aufmerksam beobachtet.
- •Indiens Aufnahme in den Government Bond Index-Emerging Markets von JPMorgan, die im Juni 2024 begann, hat Staatsanleihen in Landeswährung für indexnachbildende ausländische Investoren geöffnet.
- •Das 2021 gestartete Retail-Direct-Programm der RBI ermöglicht Privatpersonen den Kauf von Staatspapieren, während SEBI-regulierte Online-Anleiheplattformen Unternehmensanleihen inzwischen in kleineren Stückzahlen anbieten.
- •Eine bis zur Fälligkeit gehaltene Anleihe fixiert die Rendite zum Kaufzeitpunkt; da die Kurse umgekehrt zu den Renditen laufen, bestimmt der Einstiegszeitpunkt den Ertrag eines Buy-and-Hold-Anlegers.
- •Indische Haushalte haben traditionell den größten Teil ihrer finanziellen Ersparnisse in Bankeinlagen gehalten, während der direkte Anleihebesitz deutlich weniger verbreitet ist.

Die Interviewreihe „Smart Talk“ von Economic Times Markets widmet sich diesmal dem indischen Anleihenmarkt. Devang Shah erörtert, wo die besten Chancen bei festverzinslichen Anlagen liegen, und stellt die verbreitete Auffassung in Frage, Anleihen in Indien seien langweilige Investments mit geringen Erträgen. Dieser Ansatz trifft in einem Markt auf Resonanz, in dem die Haushalte traditionell den größten Teil ihrer finanziellen Ersparnisse in Bankeinlagen halten, während der direkte Besitz von Anleihen deutlich weniger verbreitet ist.
Das Gespräch findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Reserve Bank of India (RBI) die Risiken aus Geopolitik, Rohölpreisen und der Entwicklung der globalen Geldpolitik weiterhin aufmerksam im Blick behält und ihr Repo-Satz bei 5,25 % liegt. Der Repo-Satz ist der Satz, zu dem die RBI den Banken Liquidität bereitstellt; Änderungen wirken sich auf Einlagen- und Kreditzinsen sowie auf Anleiherenditäten in der gesamten Volkswirtschaft aus – weshalb geldpolitische Entscheidungen unmittelbar in die Erträge festverzinslicher Anlagen einfließen. Das Monetary Policy Committee tagt etwa alle zwei Monate, sodass dessen Zinsentscheidungen für Anleiheanleger ein regelmäßig wiederkehrender Kontrollpunkt bleiben. Auch die strukturelle Nachfrage hat sich vertieft: Indiens Aufnahme in den Government Bond Index-Emerging Markets von JPMorgan, die im Juni 2024 begann, hat Staatsanleihen in Landeswährung für indexnachbildende ausländische Investoren geöffnet.
Das Interview beginnt mit der Frage an Shah nach seiner Einschätzung des Ergebnisses der Sitzung des Monetary Policy Committee (MPC) und ob er kurzfristig steigende oder fallende Zinsen erwartet. Anschließend wird beleuchtet, ob Anleger beim aktuellen Repo-Satz von 5,25 % noch in einem Umfeld agieren, in dem sich attraktive Renditen sichern lassen – oder ob der beste Teil des Zinszyklus bereits vorüber ist. Die Frage des Zeitpunkts ist keineswegs rein akademisch: Eine bis zur Fälligkeit gehaltene Anleihe fixiert die Rendite zum Zeitpunkt des Kaufs, und da die Kurse umgekehrt zu den Renditen laufen, bestimmt der Einstiegszeitpunkt, was ein Buy-and-Hold-Anleger verdient. Eine damit verbundene Frage lautet, ob es besser ist, heute eine Rendite von 7 % auf einer Anleihe hoher Qualität zu sichern oder auf möglicherweise höhere Renditen zu warten, falls Inflation oder Ölpreise die Zinsen nach oben treiben.
Zum Portfolioufbau beleuchtet das Gespräch, wie ₹1 crore mit einem Anlagehorizont von drei Jahren in Festzinsanlagen investiert werden könnte und wie Anleger ihre Festzinsallokation zwischen Staatsanleihen, AAA-Unternehmensanleihen, Kreditchancen und Geldmarktinstrumenten aufteilen sollten. Jede Ebene bringt eine eigene Abwägung mit sich: Staatspapiere sind staatlich abgesichert; AAA ist die höchste Bonitätsstufe, und Unternehmensanleihen bieten typischerweise eine Renditeprämie gegenüber vergleichbaren Staatspapieren, die mit fallender Bonität steigt; kreditorientierte Strategien akzeptieren Emittenten mit niedrigeren Ratings für zusätzliche Rendite; und Geldmarktinstrumente – etwa Treasury Bills, Commercial Paper und Einlagenzertifikate – haben eine Laufzeit von höchstens einem Jahr. Das Interview geht zudem der Frage nach, ob ein Anleihefonds eher sinnvoll ist als der Kauf einzelner Anleihen – und wann der direkte Anleihebesitz im Vorteil ist. Der direkte Zugang hat sich in den vergangenen Jahren verbreitert: Das 2021 gestartete Retail-Direct-Programm der RBI ermöglicht es Privatpersonen, Staatspapiere zu kaufen, während SEBI-regulierte Online-Anleiheplattformen Unternehmensanleihen inzwischen in kleineren Stückzahlen anbieten. Den Abschluss bildet die Frage nach dem größten Missverständnis über Anleihen in Indien heute: dass es sich um langweilige Investments mit geringen Erträgen handelt.
Quelle: Economic Times Markets