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Indien bleibt trotz Energiediversifizierung zu 90% von Rohölimporten abhängig

Autor: OilPrice.com·

Wichtige Erkenntnisse

  • Indiens Importabhängigkeit bei der Primärenergie sank im Geschäftsjahr 2025 auf 42% von 47% im Geschäftsjahr 2017, während Rohölimporte weiterhin 90% der Gesamtnachfrage decken.
  • Der Rückgang der allgemeinen Importabhängigkeit im Energiesektor ist auf höhere heimische Kohleförderung und den raschen Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Solarenergie, zurückzuführen.
  • Indiens bestehende strategische Erdölreserven decken nur acht Tage der nationalen Ölnachfrage und liegen damit deutlich unter der von der International Energy Agency empfohlenen 90-Tage-Schwelle.
  • Das staatliche Unternehmen ONGC plant den Bau einer neuen Lagerstätte in Mangaluru mit einer Kapazität von etwa 13 Millionen Barrel Öl.
  • Geopolitische Spannungen im Nahen Osten und Störungen in der Straße von Hormus veranlassen indische Raffinerien, ihre Rohöllieferungen auf Russland und Westafrika zu diversifizieren.
Indien bleibt trotz Energiediversifizierung zu 90% von Rohölimporten abhängig

Trotz eines leichten Rückgangs seiner Abhängigkeit von Importen bei der Primärenergie ist Indien weiterhin in einem Umfang von 90% seines Verbrauchs auf ausländisches Rohöl angewiesen, wie ein neu veröffentlichter Branchenbericht zeigt.

Eine gemeinsame Studie des Confederation of Indian Industry (CII) und von EY zeigt, dass Indiens Abhängigkeit von Importen bei der Primärenergie im Geschäftsjahr 2025 auf 42% gesunken ist, nach 47% im Geschäftsjahr 2017. Die Abhängigkeit des Landes von Rohölimporten bleibt jedoch kritisch hoch: 90% der Gesamtnachfrage werden durch Einkäufe aus dem Ausland gedeckt. Die Differenz zwischen beiden Werten macht deutlich, dass die heimische Kohleförderung und der rasche Ausbau erneuerbarer Energien — insbesondere der Solarenergie — die allgemeine Importabhängigkeit im Energiesektor verringert haben, während die Ölabhängigkeit strukturell bestehen bleibt.

„Insgesamt hat sich die Importabhängigkeit bei der Primärenergie zwischen FY17 und FY25 moderat von 47% auf rund 42% verringert, was auf eine schrittweise Diversifizierung des Energiesystems trotz der anhaltenden Abhängigkeit von importiertem Öl hinweist“, zitierte die Presse den Bericht.

Als weltweit drittgrößter Importeur von Rohöl hat Indien in den vergangenen Jahren seine Abhängigkeit von ausländischem Öl stetig erhöht, getrieben von stark wachsender Inlandsnachfrage — begünstigt durch Wirtschaftswachstum und mehr Fahrzeugbesitz — sowie sinkender heimischer Förderung aus reifen Feldern.

Die geopolitische Instabilität im Nahen Osten hat indische Raffinerien dazu gezwungen, nach alternativen Lieferquellen zu suchen, während die Regierung ihre strategischen Erdölreserven ausweiten will, um künftige Versorgungsstörungen abzufedern. Indiens bestehende strategische Reserven in Visakhapatnam, Mangaluru und Padur wurden vor Jahren in einer ersten Ausbaustufe errichtet; die aktuelle Erweiterung zeigt, dass die frühere Kapazität deutlich unter dem von der International Energy Agency für Nettoölimporteure empfohlenen 90-Tage-Niveau liegt. Daher soll die staatliche Oil and Natural Gas Corporation (ONGC), Indiens führendes Explorationsunternehmen, in Mangaluru eine neue Lagerstätte errichten, die rund 13 Millionen Barrel Öl aufnehmen kann.

Der Konflikt mit dem Iran und die anschließenden Unterbrechungen der Rohöllieferungen durch die Straße von Hormus — durch die ein erheblicher Teil des Nahostöls fließt — zwangen Indien, Ersatz für verlorene Liefermengen aus dem Nahen Osten zu suchen. Rekordimporte von russischem Rohöl, das infolge westlicher Sanktionen mit Abschlägen verkauft wird, halfen zwar, die Engpässe abzufedern, doch Indien erkannte den dringenden Bedarf an zusätzlicher kommerzieller und strategischer Lagerinfrastruktur.

Derzeit kann Indiens maximale Reservekapazität nur acht Tage der nationalen Ölnachfrage abdecken, wodurch der große Rohölimporteur globalen Versorgungsrisiken besonders stark ausgesetzt bleibt. Zum Vergleich halten Länder wie die Vereinigten Staaten und China strategische Reserven in Höhe von Hunderten Millionen Barrel. Um die anhaltenden Unsicherheiten im Nahen Osten und unzuverlässige Lieferungen zu bewältigen, haben die staatlichen Raffinerien Indiens ihre Rohölkäufe aus Westafrika beschleunigt.

Von Tsvetana Paraskova für Oilprice.com

Quelle: OilPrice.com