Einwanderung und makroökonomische Ergebnisse in OECD-Ländern
Wichtige Erkenntnisse
- •Die NBER-Studie analysierte Einwanderung und makroökonomische Ergebnisse in OECD-Ländern über einen Zeitraum von 34 Jahren von 1990 bis 2024 anhand eines neuartigen Datensatzes zu Nettomigrationsraten aus allen globalen Herkunftsregionen.
- •Die OECD-Länder verzeichneten ein sinkendes einheimisches Bevölkerungswachstum bei gleichzeitig steigender Nettomigration, wobei der Großteil der Ankommenden aus Nicht-OECD-Ländern stammte und überwiegend hochqualifiziert war.
- •Traditionelle Push-Faktoren, Netzwerkeffekte und Politikindizes erklärten nur sehr wenig der länderübergreifenden Variation in den Migrationsströmen, wobei unerwartete Schocks und Migrationswellen häufigere Treiber waren.
- •Hochqualifizierte Einwanderung aus Nicht-OECD-Ländern war ein signifikanter Prädiktor für das Wachstum des BIP pro Erwerbstätigem, getrieben primär durch höhere Kapitalinvestitionen, schnelleren Humankapitalaufbau und beschleunigtes Wachstum der totalen Faktorproduktivität.
- •Das einheimische Bevölkerungswachstum zeigte entweder keine oder eine schwach negative Auswirkung auf das BIP pro Kopf und die Gesamtproduktivität, was verdeutlicht, dass die Qualifikationsstruktur der Einwanderung wichtiger ist als die bloße Größe des Zuzugs.

Ein neues Arbeitspapier des National Bureau of Economic Research (NBER) untersucht den Zusammenhang zwischen Einwanderung und makroökonomischen Ergebnissen in den Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Zeitraum von 1990 bis 2024.
Verfasst von Gaetano Basso, Mitali R. Mathur und Giovanni Peri, erstellt die Forschungsarbeit einen neuartigen Datensatz zu Nettomigrationsraten in OECD-Länder aus allen globalen Herkunftsregionen. Die Daten zeigen, dass die OECD-Länder über den Zeitraum von 34 Jahren ein sinkendes einheimisches Bevölkerungswachstum bei gleichzeitig steigender Nettomigration verzeichneten. Der Großteil dieses Zuzugs stammte aus Nicht-OECD-Ländern und bestand überwiegend aus hochqualifizierten Personen.
Die Autoren stellen fest, dass traditionelle Push-Faktoren, Netzwerkeffekte und Politikindizes nur sehr wenig der beobachteten länderübergreifenden Heterogenität in den Migrationsdynamiken erklären. Stattdessen erwiesen sich unerwartete Schocks und Migrationswellen als häufige Treiber, was verdeutlicht, wie schwer es für Standardmodelle ist, reale Migrationsströme zwischen Ländern und über die Zeit hinweg abzubilden.
Um die Auswirkungen der Einwanderung auf das Wirtschaftswachstum zu schätzen, nutzten die Forscher lokale Projektionen und mehrere Quellen zur Identifikationsvariation. Sie analysierten wichtige Wirtschaftsindikatoren, darunter das Wachstum des BIP pro Kopf, die Arbeitsproduktivität, die Kapitalinvestitionen und die totale Faktorproduktivität (TFP).
Die Studie zeigt, dass Migration aus Nicht-OECD-Ländern ein signifikanter Prädiktor für das Wachstum des BIP pro Erwerbstätigem war – ein Effekt, der primär durch höhere Kapitalinvestitionen getrieben wurde. Insbesondere hochqualifizierte Einwanderung war stark mit einem schnelleren Humankapitalaufbau, beschleunigtem TFP-Wachstum und einer stärkeren Kapitalvertiefung verbunden. Für politische Entscheidungsträger und Ökonomen ist die Zusammensetzung der Zuwanderungsströme somit ebenso wichtig wie deren Größe bei der Bewertung langfristiger makroökonomischer Effekte.
Im Gegensatz dazu zeigte das einheimische Bevölkerungswachstum entweder keine oder eine schwach negative Auswirkung auf das BIP pro Kopf und die Gesamtproduktivität. Diese Ergebnisse decken sich mit einer breiten wirtschaftswissenschaftlichen Literatur, die die positiven Effekte der Einwanderung auf Wirtschaftswachstum und Produktivität belegt, insbesondere wenn es sich um hochqualifizierte Zuwanderung handelt.
Die vollständige Forschungsarbeit ist als NBER-Arbeitspapier verfügbar.