Grayscale-CEO Peter Mintzberg: Der Krypto-Winter hat sich gelockert – doch Marktbeobachter verfehlen weiterhin den Punkt
Wichtige Erkenntnisse
- •Bitcoin macht etwa 60 % der gesamten Marktkapitalisierung des digitalen Vermögensmarktes aus, doch Mintzberg sagt, dass es nur einen Teil einer breiteren Anlageklasse darstellt.
- •Die täglichen Zuflüsse in Bitcoin-basierte ETPs überstiegen 2025 regelmäßig 500 Millionen Dollar und damit deutlich die etwa 12 täglich neu geminten Coins.
- •In in den USA gelisteten Spot-Bitcoin-ETPs gab es bis Ende Juli nach acht Wochen mit Abflüssen drei Wochen in Folge Zuflüsse, obwohl das Jahr insgesamt negativ blieb.
- •In einer EY-Umfrage 2026 unter mehr als 350 institutionellen Anlegern sagten 73 %, dass sie ihre Allokationen in digitale Vermögenswerte erhöhen wollen.
- •Rund 60 % der Fortune-500-Führungskräfte sagten 2025, dass ihre Unternehmen an Blockchain-Initiativen arbeiten, und Stablecoins erhielten im Juli 2025 durch den GENIUS Act ein bundesweites US-Regelwerk.

Die Kälte, die digitale Vermögenswerte während des größten Teils der heißen Sommermonate belastet hat, beginnt sich endlich zu legen. Bitcoin sprang vergangene Woche um etwa 20 % nach oben — die stärkste Dreitagesrally seit 2023 — und die in den vergangenen Monaten geschriebenen Nachrufe verwandeln sich plötzlich in Geschichten über eine Erholung. Doch aus Sicht von Grayscale-CEO Peter Mintzberg verdecken beide Erzählungen, was tatsächlich geschieht: Marktbeobachter sehen den Wald — den langfristigen Aufstieg digitaler Vermögenswerte — nicht, weil sie sich auf die Bäume konzentrieren, dargestellt durch kurzfristige Preisschwankungen.
Mintzberg, der vor seinem Wechsel zu Grayscale vor zwei Jahren 20 Jahre bei traditionellen Vermögens- und Wealth-Management-Firmen wie BlackRock, Apollo und Goldman Sachs tätig war, schreibt, dass er im Verlauf seiner Karriere ein wiederkehrendes Muster beobachtet habe: Neue Anlageklassen und damit verbundene Technologien würden oft abgetan, bevor sie verstanden werden, diskutiert, bevor sie akzeptiert werden, und schließlich in das Finanzsystem integriert. Bei digitalen Vermögenswerten sei dieser Prozess bereits weit fortgeschritten.
Bitcoin ist nicht das gesamte Universum
Für viele bedeuten digitale Vermögenswerte weiterhin Krypto — oder genauer gesagt Bitcoin. Das ist nachvollziehbar, schreibt Mintzberg: Bitcoin bleibt mit Abstand der populärste digitale Vermögenswert und macht rund 60 % der gesamten Marktkapitalisierung digitaler Vermögenswerte aus. Er wird daher sicherlich auch weiterhin eine zentrale Rolle in vielen Anlegerportfolios spielen, trotz der Volatilität, die Marktzyklen, geopolitischen Risiken und geldpolitischen Veränderungen innewohnt.
Doch man dürfe Bitcoin, ein Krypto-Asset, nicht mit dem gesamten Universum digitaler Vermögenswerte gleichsetzen. Die wichtigsten Kräfte, die die heutige Adoption und Expansion der Anlageklasse vorantreiben, seien das Ergebnis zweier starker Strömungen: erstens höherer institutioneller Nachfrage und zweitens breiterer Unternehmensadoption der Blockchain-basierten Technologie, die allem zugrunde liegt.
Institutionelle Nachfrage
Auf institutioneller Seite verweist Mintzberg auf das Jahr 2025, als die täglichen Zuflüsse in Bitcoin-basierte ETPs (exchange-traded products) — also die netto neu zugeführten oder abgezogenen Mittel — regelmäßig 500 Millionen Dollar überstiegen, ein Betrag, der ungefähr dem Zwölffachen der neuen Token entspricht, die Bitcoin-Miner täglich dem Markt hinzufügen. Das habe die alten Angebotsdynamiken verändert.
Die Nachfrage habe sich selbst während des diesjährigen Ausverkaufs erneut gezeigt: Nach acht Wochen in Folge mit Abflüssen verzeichneten in den USA gelistete Spot-Bitcoin-ETPs — eine Kategorie, die erst seit Januar 2024 existiert, als die SEC die ersten derartigen Fonds genehmigte, darunter Grayscales eigenen Bitcoin Trust nach dessen Umwandlung aus einem geschlossenen Vehikel — bis Ende Juli drei Wochen in Folge Zuflüsse, obwohl das Jahr insgesamt weiterhin negativ blieb. Auch die jüngsten Rückgänge seien deutlich flacher gewesen als die 70 %- bis 80 %-Einbrüche, die frühere „Krypto-Winter“ prägten. Zudem gaben in einer EY-Umfrage 2026 unter mehr als 350 institutionellen Anlegern 73 % an, ihre Allokationen in digitale Vermögenswerte erhöhen zu wollen. All dies deute darauf hin, dass institutionelles Kapital bei der Bestimmung des Grenzpreises digitaler Vermögenswerte eine größere Rolle spiele.
Unternehmensadoption
Parallel dazu beschreibt Mintzberg eine langsame, aber stetig zunehmende Einführung neuer Technologien in Unternehmensumgebungen. Rund 60 % der Fortune-500-Führungskräfte berichteten 2025, dass ihre Unternehmen an Blockchain-Initiativen arbeiten, während Firmen wie Fidelity, Visa und Stripe Stablecoin-Initiativen vorantreiben. Stablecoins — digitale Token, die an staatliche Währungen, vor allem den US-Dollar, gekoppelt sind — erhielten im Juli 2025 ihr erstes bundesweites Regelwerk, als der GENIUS Act in den Vereinigten Staaten einen regulatorischen Rahmen für Payment-Stablecoins schuf. Die meisten Finanzdienstleister experimentieren in ihren eigenen Back-Office-Bereichen mit Technologie für digitale Vermögenswerte.
Das seien Infrastrukturentscheidungen von Unternehmen, die Investitionskapital vorsichtig und über lange Zeiträume einsetzen, merkt er an. Solches Kapital bewegt sich nicht aufgrund von Stimmungen. Es bewegt sich aus Überzeugung in den zugrunde liegenden Nutzen.
KI und Blockchains ergänzen sich
Mintzberg geht auch auf die Verunsicherung ein, ob der „AI Trade“ in irgendeinem Widerspruch zu digitalen Vermögenswerten stehe. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, schreibt er: Künstliche Intelligenz und öffentliche Blockchains seien komplementäre Technologien. KI-Agenten würden neue Anforderungen an das Finanzsystem stellen — etwa maschinennative Mikropayments und sofortige grenzüberschreitende Abwicklung — die Blockchains in einzigartiger Weise bereitstellen könnten. Die zentralisierte KI-Entwicklung bringe zudem Risiken im Zusammenhang mit Verzerrung und Kontrolle mit sich, die teilweise durch dezentrale Alternativen und blockchainbasierte Identitätswerkzeuge gemindert werden könnten.
Hin zu etablierten regulatorischen Rahmenwerken
Die breitere Richtung sei zunehmend klar, schreibt Mintzberg: Digitale Vermögenswerte bewegten sich in etablierte regulatorische Rahmenwerke hinein, statt außerhalb von ihnen zu verbleiben. Er erwarte, dass sich dieser Trend weiter beschleunigen werde, wenn vorsichtige Investment-Committees lernen, digitale Vermögenswerte in ihre Governance-Rahmenwerke zu integrieren — ein Prozess, der Zeit brauche. In den vergangenen Jahren habe sich die regulatorische Klarheit verbessert, Anlagevehikel seien ausgereifter geworden, und Governance-Strukturen hätten sich stärker etabliert. Dadurch seien nun mehr Institutionen in der Lage, digitale Vermögenswerte neben anderen langfristigen Portfolio-Engagements zu bewerten.
Signal versus Rauschen
Trotz all dessen werden viele in der Finanzpresse zweifellos weiterhin nach Marktbewegungen suchen, die als Vorwand dienen können, digitale Vermögenswerte abzuschreiben, schreibt Mintzberg. Doch die Konzentration auf kurzfristige Preisvolatilität verfehle den Punkt. Entscheidend sei, was unter der Marktoberfläche geschieht — in institutionellen Kreisen und in den IT-Abteilungen von Unternehmen an der Wall Street und darüber hinaus. Das ist das Signal. Der Rest ist Rauschen.
Peter Mintzberg ist CEO von Grayscale Investments, einer führenden auf digitale Vermögenswerte ausgerichteten Investmentplattform.
Diese Geschichte erschien ursprünglich auf Fortune.com.