Goldman Sachs übernimmt Neos Investments und erhält drei Krypto-Einkommens-ETFs mit einem Volumen von über USD 1,2 Milliarden
Wichtige Erkenntnisse
- •Goldman Sachs übernimmt Neos Investments für bis zu USD 2,25 Milliarden und tätigt damit nach dem Kauf von Innovator Capital Management für rund USD 2 Milliarden im April 2026 die zweite ETF-Anbieter-Übernahme innerhalb von vier Monaten.
- •Mit der Übernahme wechseln drei Kryptowährungs-Options-Einkommens-ETFs zu Goldman, darunter der Bitcoin High Income ETF (BTCI) mit über USD 1 Milliarde an Vermögen sowie zwei kleinere Bitcoin- und Ethereum-Fonds.
- •Neos Investments verwaltet mehr als USD 30 Milliarden in 19 optionsbasierten Einkommens-ETFs; die drei Krypto-Fonds machen davon weniger als ein Prozent aus.
- •Derivative Einkommens-ETFs haben branchenweit ein verwaltetes Vermögen von rund USD 180 Milliarden erreicht; laut Goldman lag das jährliche Wachstum seit 2021 bei über 70% auf Basis von Morningstar-Daten.
- •Die Neos-Mitgründer Troy Cates und Garrett Paolella werden nach dem erwarteten Abschluss im ersten Quartal 2027 als Partner zu Goldman Sachs Asset Management wechseln.

Goldman Sachs übernimmt den ETF-Anbieter Neos Investments für bis zu USD 2,25 Milliarden in bar und Aktien. Mit der Transaktion erhält die US-Bank drei Kryptowährungs-Options-ETFs mit einem verwalteten Vermögen von mehr als USD 1,2 Milliarden.
Neos Investments, 2022 gegründet, ist auf optionsbasierte Einkommens-ETFs spezialisiert. Diese Fonds verkaufen Optionen auf ihre Bestände und schütten statt ausschließlich auf Kurssteigerungen zu setzen, die monatlich vereinnahmten Prämien aus. Nach eigenen Angaben verwaltet das Unternehmen mehr als USD 30 Milliarden in 19 solchen Produkten. Die Übernahme ist Goldmans zweite ETF-Transaktion innerhalb von vier Monaten nach dem Kauf von Innovator Capital Management im April 2026 für rund USD 2 Milliarden.
Drei Krypto-Options-ETFs wechseln zu Goldman Sachs
Die drei Krypto-Fonds von Neos halten Bitcoin oder Ether nicht direkt. Stattdessen bilden sie ihre Positionen über exchange-traded products auf beide Kryptowährungen auf und ergänzen diese mit Optionsstrategien, um laufende Erträge mit monatlichen Ausschüttungen zu erzeugen. Damit liegen sie in einem schnell wachsenden Bereich des ETF-Marktes, in dem Anleger börsennotierte Produkte nutzen, um aus Vermögenswerten Cashflows zu erzielen, die selbst keine Erträge abwerfen.
Der Bitcoin High Income ETF (BTCI) ist mit Abstand der größte der drei Fonds. Neos brachte ihn im Oktober 2024 auf den Markt, rund neun Monate nachdem US-Aufsichtsbehörden die ersten Spot-Bitcoin-ETFs genehmigt hatten. BTCI verwaltet inzwischen über USD 1 Milliarde.
Die beiden jüngeren Produkte sind vergleichsweise klein. Der Boosted Bitcoin High Income ETF (XBCI), gestartet im Februar 2026, verwaltet rund USD 111 Millionen. Der Ethereum High Income ETF (NEHI), aufgelegt im Dezember 2025, hält über USD 77 Millionen. Zwischen der Lancierung von BTCI und der des Ethereum-Fonds lagen 14 Monate. Zusammen kommen die drei Produkte auf mehr als USD 1,2 Milliarden an Vermögen.
Diese Fonds sprechen vor allem Portfolios an, die auf laufende Erträge angewiesen sind, da Anleger regelmäßige Zahlungen aus einem Basiswert erhalten, der weder Zinsen noch Dividenden zahlt. Gleichzeitig tragen die Fonds weiterhin das Kursrisiko des zugrunde liegenden Krypto-Assets. Der Preis dafür ist eine Begrenzung der Kursgewinne: Wer auf Bestände Covered Calls verkauft, gibt einen Teil des Aufwärtspotenzials an den Käufer ab. Bei Bitcoin fällt dieser Kompromiss wegen der hohen Volatilität besonders stark ins Gewicht. Große Schwankungen bedeuten hohe Optionsprämien, aber auch größere verpasste Kursbewegungen. Folglich hinkt ein solcher Fonds in einer starken Rallye dem Basiswert hinterher, während die Prämien Rückgänge nur teilweise abfedern. Für Anleger mit vollem Kursexposure bleiben Spot-Produkte die direktere Wahl.
Goldmans zweite ETF-Übernahme in vier Monaten
Goldman zahlt für Neos bis zu USD 2,25 Milliarden, teils in bar, teils in Aktien. Die endgültige Summe hängt von Leistungs- und Dienstleistungsbedingungen ab, die einen Teil der Gegenleistung an das künftige Geschäft von Neos knüpfen. Der Preis liegt zudem über dem Betrag, den Goldman im April für Innovator gezahlt hat. Die Bank kündigte die Transaktion am 12. August 2026 an und erwartet den Abschluss vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen im ersten Quartal 2027.
Vier Monate zuvor hatte die Bank bereits Innovator Capital Management übernommen. Der Kaufpreis belief sich auf rund USD 2 Milliarden. Innovator ist auf ETFs spezialisiert, die mit Optionsstrategien Verluste begrenzen und zugleich Erträge liefern. Das Muster wiederholt sich also: Statt eigene Produkte zu entwickeln, kauft Goldman komplette Boutiquen einschließlich Fonds und Personal. Die Neos-Mitgründer Troy Cates und Garrett Paolella werden nach dem Abschluss als Partner zu Goldman Sachs Asset Management wechseln. Auch die übrigen Mitarbeiter aus den Bereichen Investment und Client Service werden übernommen. In spezialisierten ETF-Boutiquen hängen Strategie und Kundenbeziehungen letztlich an wenigen Personen.
"As investor demand for active ETFs grows, the disciplined investment approach of NEOS is an excellent complement to our capabilities in buffer, managed outcome and income strategies." - David Solomon, Chairman and CEO, Goldman Sachs
"As investor demand for active ETFs grows, the disciplined investment approach of NEOS is an excellent complement to our capabilities in buffer, managed outcome and income strategies." - David Solomon, Chairman and CEO, Goldman Sachs
Ende Juni 2026 verwalteten Goldman, Innovator und Neos zusammen mehr als USD 130 Milliarden über ihre globalen ETF-Plattformen. Das kombinierte aktive ETF-Geschäft würde sich auf rund USD 80 Milliarden belaufen, also gut 60 Prozent des Gesamtbetrags. Goldman würde damit laut Morningstar-Daten als achtgrößter Anbieter aktiver ETFs gelten. Insgesamt kosten die beiden Übernahmen bis zu USD 4,25 Milliarden.
BlackRock war mit einem Bitcoin-Einkommens-ETF zuerst am Markt
Goldman erkannte die Nachfrage früh. Im April 2026 reichte die Bank bei der SEC zunächst einen Antrag für ihren eigenen Bitcoin Premium Income ETF ein. Das Produkt wurde bislang jedoch nicht aufgelegt. Die Einreichung erfolgte im selben Monat wie der Abschluss der Innovator-Übernahme.
BlackRock war schneller. Der Vermögensverwalter brachte den iShares Bitcoin Premium Income ETF (BITA) im Juni 2026 auf den Markt. Auch BITA zielt auf laufende Erträge aus Optionsprämien statt auf reine Kursgewinne. Dennoch bleibt das Produkt mit rund USD 59 Millionen klein. BTCI ist zwar mehr als sechzehnmal so groß, kam aber rund 20 Monate früher auf den Markt. BlackRocks Vorsprung gegenüber Goldman liegt damit im Timing, nicht im Volumen.
Bloomberg-Analyst Eric Balchunas kommentierte den Deal auf X und sagte, die Übernahme erkläre, warum Goldman bislang keinen eigenen ETF aufgelegt habe. Ein Start bei null würde bedeuten, Vertrieb und Vermögen von Grund auf aufzubauen. Mit BTCI erhält die Bank jedoch ein Produkt mit fast zweijähriger Historie und einem Volumen von über USD 1 Milliarde. Hinzu kommen Kundenbeziehungen, die ein Neustart erst aufbauen müsste. Der Zugang entsteht erst mit dem Abschluss der Transaktion.
Options-Einkommens-ETFs wachsen branchenweit auf USD 180 Milliarden
Die Übernahme zielt nicht nur auf Krypto. Derivative Einkommens-ETFs sind branchenweit auf rund USD 180 Milliarden an verwaltetem Vermögen gewachsen. Seit 2021 lag die jährliche Wachstumsrate laut Goldman unter Verweis auf Morningstar bei über 70%. Der Krypto-Anteil daran ist dennoch klein. Die drei Neos-Fonds kommen zusammen auf gut USD 1,2 Milliarden, also weniger als ein Prozent des Segments.
Der Aufschwung hat einen klaren Ausgangspunkt. Im Januar 2024 genehmigte die SEC die ersten Spot-Bitcoin-ETFs. Seitdem haben große Banken und Vermögensverwalter zunehmend Zusatzprodukte auf Basis dieser börsengehandelten Vehikel entwickelt. Options-Einkommensfonds sind der sichtbarste Teil davon. Anbieter brauchen keine eigene Krypto-Infrastruktur, weil sie über bereits regulierte Vehikel investieren. Deshalb ließ sich das Segment innerhalb weniger Jahre aufbauen.
Für Goldman ist Krypto letztlich nur ein Teil einer größeren Übernahme. Neos verwaltet 19 optionsbasierte Einkommens-ETFs mit mehr als USD 30 Milliarden. Die drei Krypto-Fonds machen davon jedoch nur einen Bruchteil aus. Ebenso wichtig ist der Zugang zu einem Team, das seit 2022 solche Strategien auflegt. Gleichzeitig hat Goldmans eigene Einreichung vom April bislang noch nicht zu einem Produkt geführt.