Georgetown-Professor wirft Pete Hegseth vor, die Bibel aus dem Kontext zu reißen
Wichtige Erkenntnisse
- •Der Georgetown-Professor Paul D. Miller hat Verteidigungsminister Pete Hegseth öffentlich vorgeworfen, in seinen Reden Bibelpassagen aus ihrem ursprünglichen Kontext zu reißen und damit die Schrift zu missbrauchen.
- •Miller hob hervor, dass Hegseth eine Pentagon-Rekrutierungstour um die „send me“-Sprache von Jesaja 6,8 aufbaute und amerikanische Soldaten mit dem Propheten Jesaja verglich, der Gottes Auftrag empfängt.
- •Nach Miller zufolge setzen Hegseths Zitate von Psalm 33,12, Psalm 118 und Epheser 6 die Vereinigten Staaten zu Unrecht mit Gottes auserwähltem Bundesvolk gleich – eine Lesart, die Miller, wörtlich genommen, als Blasphemie bezeichnete.
- •Der Artikel weist darauf hin, dass Hegseth zuvor die fiktive Passage Ezekiel 25, aus „Pulp Fiction“ rezitierte, gesprochen von Samuel L. Jacksons Figur, als stammte sie aus der Bibel – ein Ausrutscher, den Millers Beitrag nicht behandelte.
- •Als historischer Kontrapunkt prägte Thomas Jefferson den Begriff der Trennung zwischen Kirche und Staat in einem Brief von 1802, gestützt auf die 1791 ratifizierten Religionsklauseln des Ersten Verfassungszusatzes.

Paul D. Miller, Professor für internationale Angelegenheiten an der Georgetown University, hat dem US-Verteidigungsminister Pete Hegseth vorgeworfen, in seinen öffentlichen Reden wiederholt die Bibel zu missbrauchen, und argumentiert, dass die von Hegseth und Präsident Donald Trump bevorzugte christlich-nationalistische Rhetorik häufig auf aus ihrem Kontext gerissenen Bibelpassagen beruht.
In einem am Montag in The Dispatch veröffentlichten Beitrag argumentierte Miller – der auch geschäftsführender Redakteur des Providence Magazine ist und den Hugh-Shelton-Gastlehrstuhl für Ethik an der U.S. Army's Command and General Staff College Foundation innehat –, dass Trump und Hegseth den christlichen Nationalismus, einen Begriff, mit dem Wissenschaftler allgemein die Auffassung beschreiben, die Vereinigten Staaten seien eine von Natur aus christliche Nation, deren Regierung und Gesetze christliche Werte widerspiegeln sollten, als ideologischen Treibstoff ihrer rechtspolitischen Bewegung behandeln, dabei jedoch häufig die Bibel, auf die sie sich berufen, missverstehen.
Laut Miller hatte Hegseth einst in seiner Armee versprochen, es werde „keine Dicken geben. Keine Trannys. Keine Bärte. Keine Komischen. Keine Memmen. Keine Radikalen.“ Miller zufolge tut sich der Verteidigungsminister jedoch schwer, diese Philosophie mit den von ihm zitierten Schriftstellen in Einklang zu bringen.
Miller verwies auf eine Rede, in der Hegseth amerikanische Soldaten mit dem Propheten Jesaja verglich, der Gottes Auftrag empfängt – eine Anspielung auf Jesaja 6,8, in dem der Prophet anbietet, Gottes Botschaft an das Volk Israel zu tragen. „'Lord, here I am, send me', Hegseth said, quoting Isaiah 6:8. 'Send me to fight the Red Coats. Send me to fight the Communists. Send me to fight the Islamists. Send me.'“ Miller wies darauf hin, dass diese Passage zu Hegseths Lieblingsmotiven gehört und dass der Pentagon-Chef eine Rekrutierungstour gestartet hatte, deren Mittelpunkt der Slogan „Send Me“ war.
In derselben Rede, so Miller, zitierte Hegseth auch Psalm 33,12 („Blessed is the nation whose God is the Lord“), Psalm 118 („The Lord is on my side; I will not fear: What can man do unto me?“) und Epheser 6,11 („Our department is, you might say, putting on the full Armor of God“) bis 6,12 („while we wage physical war, we all know the real battle is spiritual“).
Nach Millers Urteil entstellen diese Zitate ihre Quellen. „Hegseth reißt die Schrift eindeutig aus dem Zusammenhang – König David dachte beim Lob der Nation, deren Gott der Herr ist, nicht an“, schrieb er. Hegseth irre, so Miller, darin, dass er „den amerikanischen Soldaten mit einem göttlich inspirierten Propheten (Jesaja) vermischt und die Vereinigten Staaten mit Gottes auserwähltem Bundesvolk (der 'Nation, deren Gott der Herr ist'). Wenn er dies wörtlich meint, ist es buchstäblich Blasphemie.“
Selbst wenn er nichts davon wörtlich meine, zeige Hegseth dennoch eine bemerkenswert oberflächliche Theologie, so Miller. „Er reißt Schriftzitate aus dem Kontext und wirft sie in den Reden-Mixer, und heraus kommen nichts als Aphorismen und Floskeln“, argumentierte Miller. „Sie säumen seine Rede, um den Pathos zu steigern, das Schale mit dem Heiligen zu verbinden. Für Lincoln dient die Schrift dazu, die Nation zu erhellen, zu richten und zu demütigen. Für Hegseth erhöht, verklärt und heiligt die Schrift die Nation.“
Miller fügte hinzu, dass Hegseths Umgang mit der Schrift „besonders bitter“ sei, weil er dies tue „im Namen der Wiederherstellung des Christentums an seinem früheren zentralen Ort im amerikanischen öffentlichen Leben, während er einen Krieg beaufsichtigt, der angesichts der christlichen Tradition des gerechten Krieges mindestens beunruhigend ist.“
Millers Beitrag ging nicht auf das ein, was Alternet als Hegseths berüchtigtsten religiösen Ausrutscher beschrieb: das Vortragen von Zeilen, die Samuel L. Jacksons Figur in Quentin Tarantinos Film „Pulp Fiction“ spricht, als stammten sie aus der Bibel, unter Verweis auf eine fiktive Passage (Ezekiel 25,17), die im Film vor einem Auftragsmord rezitiert wird. Im Originaltext gehört der Vers zu einem Kapitel, in dem Gott Gericht über die Philister verkündet, und hat mit der erfundenen Filmrede kaum Ähnlichkeit.
„The path of the downed aviator is beset on all sides by the inequities of the selfish and the tyranny of evil men“, sagte Hegseth in einer Rede. „Blessed is he who in the name of camaraderie and duty shepherds the lost through the valley of darkness, for he is truly his brother's keeper and the finder of lost children. And I will strike down upon thee with great vengeance and furious anger those who attempt to capture and destroy my brother, and you will know my call sign is Sandy One when I lay my vengeance upon thee. Amen.“
Ungeachtet des Ausgangs der theologischen Debatte bietet die amerikanische Geschichte einen lange bestehenden Kontrapunkt. Thomas Jefferson, Mitautor der Unabhängigkeitserklärung und dritter Präsident der Vereinigten Staaten, prägte den Ausdruck „Trennung zwischen Kirche und Staat“ in einem Brief von 1802 an die Danbury Baptist Association in Connecticut, um die Bedeutung der getrennten Sphären zu betonen.
„Believing with you that religion is a matter which lies solely between Man & his God, that he owes account to none other for his faith or his worship, that the legitimate powers of government reach actions only, & not opinions, I contemplate with sovereign reverence that act of the whole American people which declared that their legislature should 'make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof,' thus building a wall of separation between Church & State“, schrieb Jefferson während seiner Präsidentschaft. Die von Jefferson zitierten Worte stammen wörtlich aus dem 1791 ratifizierten Ersten Verfassungszusatz, dessen Religionsklauseln bis heute der rechtliche Maßstab in amerikanischen Auseinandersetzungen zwischen Glaube und Staat sind.