Mit Vietnam verbundenes Fun Coffee bricht in Hongkong nach Lockangebot mit 222% Rendite zusammen
Wichtige Erkenntnisse
- •Fun Coffee lockte Anleger in Hongkong mit dem Versprechen von bis zu 222% Jahresrendite über eine mobile App, in der Aufgaben erledigt und Gelder per virtuellen Vermögenswerten transferiert werden mussten.
- •Die gemeldeten Gesamtverluste des Schemas liegen bei mehr als HK$1 Milliarde (rund 127 Millionen US-Dollar); etwa 4.000 Betroffene wurden in mehreren Chatgruppen gezählt.
- •Sowohl Vietnams Ministerium für öffentliche Sicherheit als auch Hongkongs SFC warnten vor dem Zusammenbruch von Fun Coffee; das Unternehmen war im Hongkonger Rahmen für virtuelle Vermögenswerte nicht lizenziert.
- •Die Polizei in Hongkong hat 115 Meldungen zu dem Fall erhalten und ihn an das Täuschungsermittlungsteam des Commercial Crime Bureau weitergeleitet.
- •Die grenzüberschreitende Struktur des Falls – Gründung in Hongkong, behaupteter Hauptsitz in Vietnam und Mittelbeschaffung über virtuelle Vermögenswerte – erschwert Ermittlungen und mögliche Rückgewinnungen erheblich.

Hongkongs Wertpapieraufsicht hat gewarnt, dass Fun Coffee, ein mit Vietnam verbundenes Unternehmen, das sich als Kaffee-Investmentmarke ausgab, offenbar einen Kryptowährungsbetrug betrieben hat. Anleger in der Stadt melden inzwischen Gesamtverluste von mehr als HK$1 Milliarde (rund 127 Millionen US-Dollar).
Fun Coffee versprach 222% Rendite, bevor das Unternehmen verschwand
Fun Coffee trat Ende 2025 mit aggressiver Werbung und dem aufmerksamkeitsstarken Versprechen jährlicher Renditen von bis zu 222% in den Hongkonger Markt ein. Teilnehmer mussten eine mobile App herunterladen, festgelegte „Aufgaben“ erledigen und Gelder über virtuelle Vermögenswerte übertragen, wobei die Zinsen angeblich zu einem späteren Zeitpunkt ausgezahlt werden sollten. Viele der Angeworbenen gaben an, von Personen rekrutiert worden zu sein, die sie bereits persönlich kannten.
Das Unternehmen behauptete, seinen Hauptsitz auf Vietnams Insel Phu Quoc zu haben, über Vermögenswerte von mehr als US$1 Milliarde und eine Belegschaft von über 5.000 Beschäftigten zu verfügen. Es zog Vergleiche mit großen Kaffee-Ketten und stellte einen möglichen Börsengang in Aussicht. Im Dezember 2025 organisierte Fun Coffee eine lokale Laufveranstaltung und verteilte Flugblätter – einige davon ironischerweise als Aufklärungsmaterial gegen Betrug gestaltet.
Bis Ende Juli berichteten Nutzer, dass Auszahlungen blockiert worden seien und einige sich überhaupt nicht mehr in ihre Konten einloggen konnten. Eine einzelne Chatgruppe zählte mehr als 370 betroffene Personen, mehrere Gruppen zusammen rund 4.000 Mitglieder. Diese Angaben führen die Gesamtverluste auf mehr als HK$1 Milliarde (127 Millionen US-Dollar) zurück.
Der angegebene Hauptsitz in Kowloon Bay sowie ein Geschäft in Mong Kok waren beide leer, an den Türen hingen Vermieterhinweise wegen seit Monatsbeginn ausstehender Mieten. Öffentliche Registerunterlagen zeigten drei verschiedene Hongkonger Unternehmen unter dem Namen Fun Coffee, die alle zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 gegründet wurden.
Eine Hongkonger Frau in ihren Fünfzigern sagte, sie sei angeworben worden, die App in ihrem Wohnviertel zu bewerben, und habe mehr als hundert „Downline“-Konten unter sich aufgebaut. Sie erklärte, erst nach Presseanfragen erfahren zu haben, dass ihre Identität genutzt worden sei, um sie als Anteilseignerin und Direktorin eines lokalen Unternehmens namens Fun Coffee zu registrieren. Sie hat bei der Polizei Beschwerde wegen des mutmaßlichen Missbrauchs ihrer persönlichen Daten eingereicht.
Hongkong und Vietnam warnten beide vor dem Zusammenbruch
Das vietnamesische Staatsfernsehen berichtete im Mai 2026, dass das Ministerium für öffentliche Sicherheit des Landes Anzeichen eines Ponzi-Schemas gesehen habe. Am 13. Juli veröffentlichte die Securities and Futures Commission (SFC) in Hongkong eine öffentliche Warnung, wonach das „Fun Coffee GCM project“ wie eine verdächtige Anlage erscheine, und warnte die Öffentlichkeit, dass sie ihren gesamten Einsatz verlieren könnte. Die SFC betreibt unter der Anti-Money Laundering Ordinance ein Lizenzierungssystem für Handelsplattformen für virtuelle Vermögenswerte, das Betreiber verpflichtet, vor dem Angebot an die Öffentlichkeit in Hongkong Kapital-, Governance- und Anlegerschutzanforderungen zu erfüllen. Fun Coffee war nach diesem Rahmenwerk nicht lizenziert.
Bis Ende Juli hatte die Polizei in Hongkong 115 Meldungen zu dem Fall erhalten, der an das Täuschungsermittlungsteam des Commercial Crime Bureau übergeben wurde. Der grenzüberschreitende Charakter des Schemas – in Hongkong gegründet, mit Hauptsitzangabe in Vietnam und Einwerbung von Geldern über virtuelle Vermögenswerte – erhöht die rechtlichen Herausforderungen sowohl für die strafrechtlichen Ermittlungen als auch für einen möglichen Weg zur Rückgewinnung von Anlegergeldern.
Zum Vergleich: Hongkonger Behörden haben den Fall der Plattform JPEX als den größten Finanzbetrug der Stadt in den vergangenen Jahren bezeichnet. Mehr als 2.700 Anleger sollen dabei um über HK$1.6 Milliarde (204 Millionen US-Dollar) betrogen worden sein. Der Fall verlief ähnlich – beginnend mit einer SFC-Warnung und anschließend blockierten Auszahlungen. Seit Beginn der JPEX-Ermittlungen im September 2023 hat die Polizei 80 Personen festgenommen, Vermögenswerte von rund HK$228 Millionen (29 Millionen US-Dollar) eingefroren und 26 Personen angeklagt. Interpol hat zudem Red Notices gegen drei Flüchtige herausgegeben, die als zentrale Figuren des Schemas gelten.