Feds Barr: Inflation weiterhin zu hoch, weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich nötig, da KI-Ausbau die Preise treibt
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Inflation liegt seit fünfeinhalb Jahren über dem 2-Prozent-Ziel des FOMC, und Barr zählt in den vergangenen 20 Monaten nur zwei Monate mit Daten im Einklang mit einer Kern-PCE-Inflation von 2 Prozent – ein klarer Trend zu einer zeitnahen Rückkehr zum Ziel sei nicht erkennbar.
- •Der FOMC erhöhte Anfang September 2026 einstimmig die kurzfristigen Zinsen; laut Barr haben die Risiken für das Inflationsziel zugenommen, während die Risiken am Arbeitsmarkt nachgelassen haben, was eine Neukalibrierung der Politik erfordert.
- •Barr erklärte, der KI-Investitionsschub wirke sich bereits messbar auf die Preise aus, wobei Chip-Preisanstiege auf andere Produkte übergreifen und Angebotsengpässe entstehen – verschärft durch hohe Energiepreise im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt.
- •Die US-Wirtschaft wuchs im ersten Halbjahr 2026 mit rund 2 Prozent, die Arbeitslosenquote liegt bei 4,1 Prozent und die monatliche Beschäftigung stieg im Schnitt um etwa 80.000, nahe der Break-Even-Schwelle.
- •Für die nächsten zwei bis fünf Jahren sieht Barr die größte politische Unsicherheit darin, wie und wann sich KI-Produktivitätsgewinne materialisieren, ob Investorenerträge aus dem KI-Ausbau den Erwartungen entsprechen und ob die KI Arbeitskräfte ersetzt oder ergänzt.

Der Federal-Reserve-Gouverneur Michael S. Barr, stimmberechtigtes Mitglied des geldpolitisch zuständigen Federal Open Market Committee (FOMC), erklärte am 29. September 2026, dass die US-Inflation weiterhin deutlich über dem 2-Prozent-Ziel des FOMC liegt und dass es in seinem Basisszenario „weiterer Politikanpassungen bedarf, um sicherzustellen, dass die Inflation zeitnah zum Ziel zurückkehrt“.
In einer Rede mit dem Titel „Economic Conditions and Monetary Policy“ vor dem Detroit Economic Club in Detroit, Michigan, sagte Barr, der Investitionsschub hinter dem Ausbau der künstlichen Intelligenz (KI) wirke sich bereits „messbar auf die Preise aus“ und verschärfe damit den Druck auf Verbraucher und Unternehmen durch anhaltend hohe Energiepreise im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt. Er wies darauf hin, dass der FOMC früher im Monat einstimmig einer Erhöhung der kurzfristigen Leitzinsen zugestimmt hatte, und argumentierte, dass bei steigenden Risiken für das Inflationsziel und nachlassenden Risiken am Arbeitsmarkt die Politik neu kalibriert werden müsse, um beide Seiten des Dualmandats der Fed ausgewogener zu gewichten.
Der vollständige Text der Rede ist auf der Website des Federal Reserve Board verfügbar unter https://www.federalreserve.gov/newsevents/speech/barr20260929a.htm.
Heimatperspektive: Detroits Wiedergeburt und ihre Herausforderungen
Barr eröffnete auf vertrautem Terrain. „Es ist wunderbar, wieder in Michigan und in dieser großartigen Stadt zu sein“, sagte er und verwies darauf, dass Detroit seit mehr als einem Jahrhundert im Zentrum der US-Wirtschaft stehe, Amerikas Wachstum und Wohlstand antreibe und zugleich die tiefgreifenden Kräfte widerspiegele, die die Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten verändert haben.
Als langjähriger Michigander, der sich für Unternehmertum und Gemeindeentwicklung in Detroit eingesetzt hat, verwies Barr auf das Wirtschaftswachstum in der Live6-Gemeinschaft, die er später am Tag besuchen wollte, auf neue Unternehmer bei Newlab und dem Mezz at Michigan Central, auf die wirtschaftliche Revitalisierung des umliegenden Stadtteils Corktown sowie auf die Hunderte von Unternehmern, die im Detroit Neighborhood Entrepreneurs Project mit Studierenden und Hochschullehrern zusammengearbeitet haben.
Die Stadt steht weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Die Arbeitslosenquote in der Region Detroit wird auf rund 11 Prozent geschätzt, deutlich höher als die Rate Michigans von 5 Prozent und die US-Quote von 4,1 Prozent. Unternehmertum sei jedoch ein Motor der Beschäftigung: So stieg die Zahl der Neugründungen in Detroit nach der Pandemie auf durchschnittlich etwa 6.000 Unternehmen pro Jahr und schuf jährlich 30.000 Arbeitsplätze in der Wirtschaft der Stadt. Der Anteil neuer Unternehmen an allen Unternehmen in Detroit übersteigt den Anteil in Michigan insgesamtn
Die Automobilindustrie bleibt für Detroit und Michigan von zentraler Bedeutung. Zwölf Prozent der US-Arbeitsplätze in der Automontage und in Autoteilefertigung entfallen auf die Metropolregion Detroit. Die landesweiten Verkäufe sind zuletzt stark gewachsen und erreichten im August eine annualisierte Rate von 16,8 Millionen – ein Tempo, das Barr als solide bezeichnete. Die Automobilhersteller investieren in Batterietechnologie sowie in Design und Produktion von Elektrofahrzeugen, was in der Region Ingenieurs- und andere High-Tech-Arbeitsplätze schafft.
Volkswirtschaft: solides Wachstum trotz einer Reihe von Schocks
Barr sagte, die wirtschaftliche Aktivität in den USA sei 2026 solide gewachsen und habe zuletzt an Schwung gewonnen. Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Halbjahr mit rund 2 Prozent, und er erwartet im zweiten Halbjahr eine leichte Beschleunigung.
Dieses Wachstum sei bemerkenswert widerstandsfähig angesichts der Reihe erheblicher Schocks: der COVID-19-Pandemie, die massive Störungen verursachte und mit fiskalischer und geldpolitischer Unterstützung beantwortet wurde; Russlands Krieg gegen die Ukraine, der Energie- und Rohstoffmärkte störte; Preiserhöhungen und Handelsstörungen durch deutlich höhere Importzölle sowie anhaltende Unsicherheit über das Zollniveau; und zuletzt der Nahostkonflikt mit seinen Auswirkungen auf die Energiepreise. Hinzu kam ein Investitionsschub zur Unterstützung des KI-Ausbaus, der insbesondere die Nachfrage nach bestimmten High-Tech-Gütern angekurbelt hat.
All diese Faktoren hätten zur Folge, dass die Preise für Verbraucher und Unternehmen steigen – ein zentrales Anliegen für ihn als Geldpolitiker, so Barr. Die technologische Revolution im Bereich der KI stuft er als große wirtschaftliche Frage sowohl für Michigan als auch für die USA ein, die die Federal Reserve – und das Land – noch mühsam für US-Unternehmen und Arbeitnehmer einordnen.
Inflation: fünfeinhalb Jahre über dem Ziel
Die Inflation liegt seit fünfeinhalb Jahren über dem 2-Prozent-Ziel des FOMC, sagte Barr. Gemessen am Preisindex für die persönliche Konsumausgaben (PCE) – dem Maßstab, an dem der FOMC sein 2-Prozent-Ziel ausrichtet – war die Inflation nach der Pandemie und mit der Eskalation des Ukraine-Krieges gestiegen und erreichte 2022 einen Höchststand von 7 Prozent auf Jahresbasis. Eine deutliche geldpolitische Straffung durch den FOMC und eine Entspannung der Angebotsengpässe trugen zur Senkung der Inflation bei, und bis Anfang 2025 lag sie nahe am Ziel.
Zollerhöhungen im April 2025 trieben die Güterpreise, doch es sei damals vernünftig gewesen vorherzusagen, dass Zölle eine einmalige Preiserhöhung darstellen würden. Dann trieb der Nahostkonflikt die Energiepreise und die Inflation weiter nach oben. Während die Zolleffekte nachlassen könnten, blieben hohe Energiepreise bestehen, sagte Barr, und es bestehe erhebliche Unsicherheit, wann der sie treibende Konflikt gelöst werden könne. Zugleich sei offensichtlich, dass der Investitionsschub und die damit verbundene Nachfrage aus dem KI-Ausbau eine messbare Wirkung auf die Preise haben.
„In der Gesamtwirkung sind wir auf unserem Weg zum 2-Prozent-Ziel der Bahn geworfen worden“, sagte Barr.
Zwar seien die monatlichen Inflationswerte in diesem Inflationszeitraum äußerst volatil, doch über längere Zeiträume lassen sich Trends erkennen, so Barr: In den vergangenen 20 Monaten zählt er nur zwei Monate mit Daten im Einklang mit einer Kern-PCE-Inflation von 2 Prozent – einem Maß, das die schwankungsanfälligen Lebensmittel- und Energiepreise ausklammert – und sehe noch keinen klaren Trend zu einer zeitnahen Rückkehr auf 2 Prozent.
Arbeitsmarkt: solide, mit ungefähr ausgeglichener Angebots- und Nachfrage
Während die Inflation deutlich über dem FOMC-Ziel liegt, stützen starke Unternehmensinvestitionen und robuste Konsumausgaben einen soliden Arbeitsmarkt. Vor einem Jahr, als das Beschäftigungswachstum langsamer wurde und die Arbeitslosenquote stieg, gab es Fragen, ob der Arbeitsmarkt den Schocks standhalten würde. Seitdem hat sich die Arbeitslosenquote verbessert, und Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt erscheinen nun weitgehend im Gleichgewicht.
Auf der Angebotsseite habe die geringere Nettomigration die Zahl der benötigten neuen Arbeitsplätze verringert, um mit dem Wachstum der Erwerbsbevölkerung Schritt zu halten. Die Beschäftigung stieg in diesem Jahr im Schnitt um rund 80.000 pro Monat, nahe vernünftigen Schätzungen der Break-Even-Schwelle, und die Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent liegt nahe vieler Schätzungen eines maximal tragfähigen Beschäftigungsniveaus.
Auswirkungen der KI auf die Produktivität: drei Zeithorizonte
Eine Schlüsselfrage für die Geldpolitik, sowohl kurzfristig als auch für kommende Jahre, werde die Wirkung der KI auf die Produktionskapazität der Wirtschaft und die Struktur des Arbeitsmarktes sein, so Barr. Während es einige Hinweise darauf gibt, dass KI bereits ein limitierender Faktor für neue Beschäftigungsmöglichkeiten von Berufseinsteigern in stark KI-exponierten Sektoren sein könnte, gibt es in der Gesamtwirtschaft bisher kaum Anzeichen einer erheblichen Verdrängung, und es gebe bemerkenswerte Beispiele dafür, wie KI die Produktivität vieler Arbeitnehmer steigert.
Frühere technologische Revolutionen hätten tendenziell mehr, meist höher qualifizierte, Arbeitsplätze geschaffen, als sie verdrängt hätten, doch die KI könnte revolutionärer sein und ihre Auswirkungen könnten anders ausfallen. Barr halte es für hilfreich, verschiedene Szenarien zu betrachten, um die Implikationen der KI über unterschiedliche Zeithorizonte zu untersuchen.
Kurzfristig: Investitionsschub und Anstieg der Chip-Preise
In den nächsten etwa zwölf Monaten seien die wichtigsten Effekte des KI-Ausbaus auf die US-Wirtschaft wahrscheinlich ein starker Impuls für die wirtschaftliche Aktivität durch Unternehmensinvestitionen und eine Preisspitze bei Computerchips und verwandter Ausrüstung. Diese Preisanstiege greifen auf andere Produkte über, die Chips und verwandte Güter und Dienstleistungen benötigen, und es entstehen Angebotsengpässe – insbesondere bei Chips. Wahrscheinlich stützt auch der erhebliche Auftrieb, den die Bewertungen von Technologieunternehmen den wichtigsten Aktienindizes verleihen, die Ausgaben jener, die durch diese Gewinne reicher geworden sind.
Längerfristig: Optimismus hinsichtlich Produktivität und Lebensstandard
Längerfristig sei er – wie er in mehreren früheren Reden dargelegt hat – optimistisch hinsichtlich des Potenzials der KI, das menschliche Potenzial zu steigern, einschließlich einer erheblichen Produktivitätsverbesserung und eines höheren Lebensstandards. Dies würde bedeuten, dass die Wirtschaft schneller wachsen und das Realeinkommen stärker steigen kann, ohne die Inflation zu befeuern.
Mittelfristig: die größte Unsicherheit in den nächsten zwei bis fünf Jahren
Die größte geldpolitisch relevante Unsicherheit sieht Barr – „nicht heute, sondern künftig“ – darin, wie die KI die Wirtschaft mittelfristig, also in den nächsten zwei bis fünf Jahren, beeinflussen wird. Er skizzierte drei Schlüsselfragen.
Wie und wann sich Produktivitätsgewinne durchsetzen. Angesichts der massiven Investitionen und zunehmenden Anzeichen einer Adoption halte er eine mittelfristige Produktivitätsprognose für die KI für sehr sinnvoll, doch es sei schwierig vorherzusagen, wie und wann sich diese Gewinne materialisieren. Barr verwies auf den „J-Kurven-Effekt“ – die historisch beobachtete Verzögerung des Nutzens von Technologieinvestitionen. Bei der Einführung einer neuen Technologie könne die Produktivität zunächst sinken, da Unternehmen Ressourcen nicht nur für die Installation, sondern auch für die Neustrukturierung ihrer Geschäftsprozesse aufwenden – eine Transformation, die notwendig ist, damit die Produktivitätsverbesserungen realisiert werden können. Während die Einführung früherer Technologien Jahre dauerte, deute das Tempo der KI-Adoption bisher darauf hin, dass sich diese Technologie schneller verbreiten und schneller wirken könnte, zumindest in einigen Sektoren. Einige Unternehmen, insbesondere aus dem Bereich der Softwareentwicklung und der High-Tech-Branche, verzeichneten rasche Produktivitätsgewinne, für die Gesamtwirtschaft dürften breite Produktivitätsgewinne jedoch einige Zeit benötigen.
Ob Investorenerträge den Erwartungen entsprechen. Eine zweite Schlüsselfrage sei, ob Investorenerträge aus dem KI-Ausbau den Erwartungen entsprechen werden oder ob eine Neubewertung zu einer Preisanpassung führen könnte. Eine damit einhergehende Umlenkung der Investitionen könnte das Wachstum treffen – sowohl durch den direkten Effekt eines Investitionsrückgangs als auch durch daraus folgende Vermögenseffekte. Barr betonte, dass die Überprüfung von Annahmen und die Ergründung von Szenarien entscheidend bleiben werden, während die Politik in den kommenden Jahren die Implikationen dieser Technologie bewältigen muss.
Arbeitsersatz oder Arbeitskomplement. Eine dritte Schlüsselfrage sei, inwieweit sich die KI als Arbeitsersatz oder Arbeitskomplement erweist und in welchem Tempo sich Veränderungen am Arbeitsmarkt vollziehen. Es gebe bereits Anzeichen dafür, dass KI in einigen Sektoren Arbeitskräfte ersetzen könnte, insbesondere jüngere und weniger erfahrene Arbeitnehmer; andere Belege deuteten auf arbeitsvermehrende Effekte der KI hin, was auf eine positivere Perspektive für den Arbeitsmarkt schließen lässt. Aufgaben, die sich mit klaren Leitplanken und vorhersehbaren Ergebnissen leicht automatisieren lassen, könnten einer raschen Arbeitsersetzung unterliegen, während Aufgaben, die menschliches Urteilsvermögen, Management, Koordination und Beziehungen, Kreativität oder schwer messbare Ergebnisse erfordern, eher eine Arbeitsaugmentation erfahren könnten.
Verändere sich der Arbeitsmarkt schnell, sei es für Arbeitnehmer schwierig, sich anzupassen, und die Verschiebungen könnten erheblich sein, während eine allmählichere Einführung geordnetere Anpassungen erlaubte. Dennoch sollte die Gesellschaft auf die Möglichkeit vorbereitet sein, dass es ernsthafte kurzfristige Störungen am Arbeitsmarkt geben könnte, die wirksam bewältigt werden müssen, damit die Vorteile der KI langfristig realisiert werden können. Erweise sich die KI als fähig, Arbeit zu verrichten, die Menschen verdrängt, hänge das Ausmaß der Störungen am Arbeitsmarkt auch davon ab, ob die Gesellschaft die notwendigenitionen in neue Arbeitsplätze, Weiterbildung, Vermittlung von Arbeitnehmern in neue Jobs und andere Maßnahmen zur Milderung negativer Langzeitfolgen unternimmt. „Nach meinem Urteil ist es jetzt an der Zeit, dass die Gesellschaft damit beginnt, wie sie auf diese potenziellen Störungen reagieren kann, während die KI-Adoption noch relativ am Anfang steht“, sagte er, „damit wir die langfristigen Vorteile für die Gesellschaft realisieren können.“
Barr verwies zudem auf viele andere Themen im Zusammenhang mit KI – Sicherheit, Datenschutz, Abwägungen für lokale Gemeinden in Bezug auf den Bau von Rechenzentren, Energie- und Wasserverbrauch, nationale Sicherheit und angemessene staatliche Maßnahmen. Diese Fragen lägen außerhalb des Zuständigkeitsbereichs von Zentralbankern, seien aber für alle wichtig zu bedenken.
Implikationen für die Geldpolitik
Die Geldpolitik sei nicht gut geeignet, um mit strukturellen Veränderungen der Wirtschaft umzugehen, bekräftigte Barr, und für Politiker könnte es schwierig sein, in Echtzeit einzuschätzen, ob Veränderungen am Arbeitsmarkt struktureller oder zyklischer Natur sind.
Sollte die Wirtschaft einen anhaltenden Schub im Produktivitätswachstum erfahren, könnten Löhne und wirtschaftliche Aktivität stärker wachsen, ohne dass dies Inflationsdruck erzeugt. Gleichzeitig würde jedoch die Kapitalnachfrage wegen höherer Investitionserträge steigen, und die Haushaltssparquote würde infolge der Erwartung eines stärkeren Reallohnwachstums und damit höherer Lebenseinkommen sinken. Ein Ausgleich dieser Verschiebung zwischen Sparen und Investieren würde höhere Zinsen im Gleichgewicht erfordern – was Geldökonomen als Anstieg des r* bezeichnen –, was wiederum ein höheres Zinsniveau impliziert.
Nach Barrs Ansicht ist es zu früh zu wissen, ob diese Dynamiken derzeit wirken. „Was derzeit klar ist, ist, dass die Inflation zu hoch ist“, sagte er.
Politischer Ausblick
Anfang September 2026 stimmte der FOMC einstimmig einer Erhöhung der kurzfristigen Leitzinsen zu, um das Dualmandat der Fed – maximale Beschäftigung und stabile Preise – zu unterstützen. Bei starkem Wirtschaftswachstum und solidem Arbeitsmarkt müssten, so Barr, Risiken für das Inflationsziel zeitnah angegangen werden. Die Risiken für das Inflationsziel haben zugenommen, während die Risiken am Arbeitsmarkt nachgelassen haben, sodass die Politik neu kalibriert werden müsse, um die Risiken beider Komponenten des Dualmandats ausgewogener zu gewichten.
In seinem Basisszenario seien weitere Politikanpassungen wahrscheinlich erforderlich, um sicherzustellen, dass die Inflation zeitnah zum Ziel zurückkehrt. „Wir wollen nachhaltiges, dauerhaftes Wachstum zugunsten der maximalen Beschäftigung unterstützen, und Preisstabilität ist dafür entscheidend“, sagte er. Etwaige weitere Schritte entscheidet der FOMC auf künftigen Sitzungen, wobei eingehende Inflationsdaten, der Verlauf der Energiepreise im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt und die sich entwickelnden Preiswirkungen des KI-Ausbaus zu den von Barr als besonders einflussreich für den Inflationsausblick genannten Faktoren zählen.
Hinweise und Quellen
Barr betonte, dass die in der Rede geäußerten Ansichten seine eigenen sind und nicht unbedingt denen seiner Kollegen im Federal Reserve Board oder im Federal Open Market Committee entsprechen.
Die Rede verweist auf folgende Forschungsarbeiten und frühere Aussagen:
- Michael S. Barr, "What Will Artificial Intelligence Mean for the Labor Market and the Economy?" Rede vor der New York Association for Business Economics, New York, 17. Februar 2026.
- Erik Brynjolfsson, Bharat Chandar und Ruyu Chen, "No Widespread Displacement, but the AI Employment Gap for Young Workers Has Widened to 19%", Stanford Digital Economy Lab, 12. August 2026.
- David Autor, Caroline Chin, Anna M. Salomons und Bryan Seegmiller, "What Makes New Work Different from More Work?" NBER Working Paper No. 34986 (National Bureau of Economic Research, März 2026).
- Isabella Loaiza und Roberto Rigobon, "The EPOCH of AI: Human-Machine Complementarities at Work", MIT Sloan Research Paper No. 7236-24 (21. November 2024; überarbeitet am 1. Oktober 202),
- Wilbur Xinyuan Chen, Suraj Srinivasan und Saleh Zakerinia, "Displacement or Complementarity? The Labor Market Impact of Generative AI", Harvard Business School Working Paper No. 25-039 (Dezember 2024).
- Kathryn Bonney, Cory L. Breaux, Emin Dinlersoz, Lucia S. Foster, John C. Haltiwanger und Aditya A. Pande, "The Microstructure of AI Diffusion: Evidence from Firms, Business Functions, and Worker Tasks", NBER Working Paper No. 35141 (National Bureau of Economic Research, April 2026).
- Michael S. Barr, "Will Artificial Intelligence Broadly Raise Living Standards or Drive Income and Wealth Inequality?" Rede bei "Next-Gen Financial Inclusion", der dritten jährlichen Financial Inclusion Conference des Federal Reserve Board, 14. Juli 2026.
Quelle: Federal Reserve Board, "Economic Conditions and Monetary Policy", Bemerkungen von Gouverneur Michael S. Barr vor dem Detroit Economic Club, 29. September 2026. Volltext: https://www.federalreserve.gov/newsevents/speech/barr20260929a.htm (PDF: https://www.federalreserve.gov/newsevents/speech/files/barr20260929a.pdf)