NachrichtenMakroEuropäische Aktien notieren nahe Zweiwochentiefs, während Anleihenrenditen Höchststände seit Jahrzehnten erreichen

Europäische Aktien notieren nahe Zweiwochentiefs, während Anleihenrenditen Höchststände seit Jahrzehnten erreichen

Autor: Coincentral·

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen stieg auf 3,22 % – der höchste Stand seit Mai 2011 –, während die Rendite 30-jähriger US-Treasuries über 5,30 % kletterte.
  • Brent-Öl notierte nahe Dreiwochenhochs bei rund 91,50 Dollar pro Fass, da Behinderungen in der Straße von Hormuz die Ölpreise stützten.
  • EZB-Chefvolkswirt Philip Lane erklärte, dass die Inflation im Euroraum mit rund 3 % weiterhin deutlich über dem Zielwert von 2 % der Notenbank liegt.
  • Die Märkte preisen inzwischen eine EZB-Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der Septembersitzung nahezu vollständig ein.
  • Die europäischen Aktienindizes zeigten sich am Mittwoch gemischt bis unverändert, wobei der Stoxx Europe 600 nach dem Kursverfall vom Dienstag nahe Zweiwochentiefs notierte.
Europäische Aktien notieren nahe Zweiwochentiefs, während Anleihenrenditen Höchststände seit Jahrzehnten erreichen

Europäische Aktienmärkte taten sich am Mittwoch schwer, eine klare Richtung zu finden, und pendelten nahe der Nulllinie, während die Händler weiterhin die Folgen eines kräftigen Kursverfalls vom Vortag einschätzten. Der paneuropäische Stoxx Europe 600 Index notierte nahe Zweiwochentiefs und musste sich weiterhin von seinem schwersten Tagesverlust seit fast einem Monat erholen.

Auf Indexebene fiel der deutsche DAX um 0,2 %, während Frankreichs CAC 40 um 0,2 % zulegte. Londons FTSE 100 und Spaniens IBEX 35 verharrten beide unverändert. Futures auf den Euro Stoxx 50 und den Stoxx 600 notierten im Prämarktshandel ebenfalls rund 0,2 % im Minus.

Der Kursverfall am Dienstag wurde von einer Reihe von Faktoren angetrieben. Eskalierende Bedrohungen am Persischen Golf, steigende Rohölpreise und schnell anziehende Anleihenrenditen zwangen die Händler, innerhalb kurzer Zeit Risikopositionen abzubauen. Die Bewegung zeigte zudem, wie schnell die Märkte umschlagen können, wenn höhere Finanzierungskosten und Energiepreise gleichzeitig auf die Stimmung schlagen – insbesondere in Sektoren, die auf günstigere Finanzierung und stabile Wachstumserwartungen angewiesen sind.

Anleihenrenditen erreichen Höchststände seit Jahrzehnten

Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen sprang auf 3,22 % und damit auf ihren höchsten Stand seit Mai 2011. Die Rendite 30-jähriger US-Treasuries kletterte ebenfalls über 5,30 %. Beide Marken unterstreichen, wie stark die langfristigen Finanzierungskosten auf beiden Seiten des Atlantiks gestiegen sind.

Höhere Renditen belasten Aktienbewertungen auf zwei entscheidende Weise. Erstens verringern sie den Barwert künftiger Unternehmensgewinne – eine Dynamik, die Technologie- und Wachstumsaktien besonders hart trifft. Zweitens machen sie Staatsanleihen im Verhältnis zu Aktien attraktiver und entziehen den Aktienmärkten Kapital.

Erneute Verkäufe bei Chipherstellern im Zusammenhang mit dem KI-Handel übten am Mittwoch zusätzlichen Druck auf die europäischen Märkte aus. Das ist für die breitere Region von Bedeutung, weil Halbleiterwerte und andere zinssensitive Aktien häufig den Ton angeben, wenn sich die Anleihenmärkte stark bewegen.

Wetten auf eine EZB-Zinserhöhung nehmen zu

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane warnte am Dienstag, dass die Inflation im Euroraum, die derzeit bei rund 3 % liegt, weiterhin „deutlich über“ dem Zielwert von 2 % der Notenbank notiert. Die Preisdrucke seien, obwohl sie von ihren zweistelligen Höchstständen gesunken seien, noch zu hoch, als dass die Geldpolitiker nachlassen könnten.

An den Rohstoffmärkten pendelten Brent-Futures nahe Dreiwochenhochs bei rund 91,50 Dollar pro Fass. Schiffsbehinderungen in der Straße von Hormuz, verursacht durch militärische Aktivitäten am Persischen Golf, halten die Ölpreise auf hohem Niveau.

Die Kombination aus hartnäckiger Inflation und hohen Energiekosten hat die Märkte gezwungen, ihre Zinserwartungen neu zu bewerten. Terminkontrakte preisen inzwischen eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank um 25 Basispunkte auf ihrer Septembersitzung nahezu vollständig ein – ein deutlicher Wandel gegenüber der früheren Erwartung einer längeren Pause. Diese Verschiebung richtet die Aufmerksamkeit stärker auf anstehende Inflationsdaten und die Kommunikation der Notenbanken, denn Energiepreise können sich auf Transport- und Produktionskosten durchschlagen, noch bevor sie in breiteren Verbraucherdaten sichtbar werden.

Anleger beobachten aufmerksam Äußerungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und suchen nach Hinweisen darauf, wie die Notenbank mit einem möglichen stagflationären Umfeld umzugehen gedenkt, in dem schwaches Wachstum auf anhaltend hohe Inflation trifft.

Auf der anderen Seite des Atlantiks wird die Federal Reserve das Protokoll ihrer FOMC-Sitzung vom Juli veröffentlichen. Händler werden nach Anzeichen suchen, wie genau die Fed-Verantwortlichen den Arbeitsmarkt beobachtet hatten, bevor die langfristigen Finanzierungskosten zuletzt anzogen.

In Europa sind für Mittwoch keine bedeutenden Unternehmenszahlen angesetzt, sodass der Fokus auf den Inflationsdaten aus Großbritannien und dem Euroraum, den Kommentaren der Notenbanken und den Entwicklungen am Ölmarkt liegt. Da der Kalender weniger unternehmensspezifische Auslöser bereithält, werden Zinsen und Energiepreise kurzfristig voraussichtlich die wichtigsten Treiber der Marktrichtung bleiben.