EUR/AUD: Ein falkenhaftes Euro trifft auf einen hartnäckigen Abwärtstrend
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Märkte preisen eine Zinserhöhung der EZB im September vollständig ein; für dieses Jahr sind mehr als 40 Basispunkte zusätzlicher Straffung eingepreist.
- •Das deutsche BIP für das zweite Quartal wurde auf 0,3 % Wachstum nach oben revidiert, und die Geschäftstätigkeit im August hat sich verbessert, angeführt vom verarbeitenden Gewerbe.
- •Die RBA hat an ihrer Sitzung am 11. August mit falkenhafter Haltung unverändert gelassen, doch der australische Dollar hat dennoch die meisten wichtigen Peers unterperformt.
- •EUR/AUD ist unter 1,6300 gefallen und bleibt durch eine breitere Abwärtstrendlinie seit den Hochs von Ende Juni begrenzt.
- •Der RSI zeigt eine bullische Divergenz, was darauf hindeutet, dass das jüngste Abwärtsmomentum bei EUR/AUD nachlassen könnte.

Der Euro zeigt derzeit klare falkenhafte Dynamik. Er notiert über 1,165 $ gegenüber dem Dollar, dem höchsten Stand seit Mitte Mai, während die Märkte nach dem ersten Straffungsschritt im Juni eine Zinserhöhung der EZB im September vollständig einpreisen. Diese Zuversicht wird durch aktuelle Daten gestützt: Das deutsche BIP für das zweite Quartal wurde auf ein Wachstum von 0,3 % nach oben revidiert, und die Geschäftstätigkeit im August hat sich verbessert, insbesondere im deutschen verarbeitenden Gewerbe. Gleichzeitig bleiben die erhöhten Energiepreise infolge des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten das Hauptanliegen der EZB, und die Märkte preisen für dieses Jahr allein mehr als 40 bp zusätzlicher Straffung ein.
Dieser Hintergrund ist für EUR/AUD wichtig, weil der Cross nicht nur politische Unterschiede widerspiegelt, sondern auch, ob diese geldpolitischen Signale durch neue Daten bestätigt werden. In diesem Fall erhält der Euro beides, während der australische Dollar mit einer schwierigeren Mischung aus lokaler Falkenhaltung und externer Unsicherheit konfrontiert ist.
Der australische Dollar befindet sich im Gegensatz dazu weiter in einer schwierigen Lage. Die RBA hat am 11. August an ihrer Sitzung mit falkenhafter Grundhaltung unverändert gelassen, und Gouverneurin Bullock sagte, die Notenbank werde "raise rates again if needed", doch diese Haltung hat sich nicht in Währungsstärke niedergeschlagen. RBA-Vizegouverneur Andrew Hauser bekräftigte in dieser Woche den falkenhaften Ton und verwies auf den Konflikt im Nahen Osten, den Investitionsboom im Bereich KI und die schwache Produktivität als zentrale Aufwärtsrisiken für die Inflation. Dennoch hat der AUD die meisten wichtigen Währungen unterperformt und steckt zwischen der heimischen falkenhaften Haltung und einem breiteren Risikoumfeld fest, das er nicht vollständig kontrollieren kann.
Das Ergebnis ist eine EZB, die auf ihrem falkenhaften Kurs spürbar an Zugkraft gewinnt, während die RBA zwar entschlossen klingt, ihre Botschaft an den Devisenmärkten aber nur schwer durchsetzen kann.
Technische Analyse von EUR/AUD
Wie der EUR/AUD-Chart zeigt, bleibt das Paar durch eine breitere abwärts gerichtete Trendlinie seit den Hochs von Ende Juni nahe 1,6600 begrenzt. Der Kurs hat kürzlich die Unterstützung bei 1,6300 unterschritten und testet nun eine steilere kurzfristige Abwärtstrendlinie. Zusätzlich spannend an der Konstellation ist, dass der RSI eine bullische Divergenz ausbildet und höhere Tiefs markiert, obwohl der Kurs in dieser Woche ein neues Tief erreicht hat.
Das macht die kommenden ein bis zwei Sitzungen wichtig, um zu bestätigen, ob die jüngste Veränderung im Momentum lediglich eine Pause innerhalb des breiteren Rückgangs oder der Beginn einer tieferen Korrekturbewegung ist. Der Chart spricht vorerst weiterhin für den Abwärtstrend, doch das Momentum verläuft nicht mehr nur in eine Richtung.
Bullishes Szenario
Sollten Käufer die kurzfristige Abwärtstrendlinie nach oben durchbrechen, würde die Divergenz deutlich an technischer Aussagekraft gewinnen und den Weg für einen erneuten Test des Bereichs von 1,6300 bis 1,6350 öffnen, wo auch der 50-Perioden-EMA liegt. Ein bestätigter Ausbruch über diese Zone sowie über die breitere Trendlinie seit Juni würde die Struktur spürbar verändern und den Bereich von 1,6400 bis 1,6450 als Widerstand ins Blickfeld rücken.
Bärisches Szenario
Wird der Kurs an der kurzfristigen Trendlinie erneut abgewiesen, behalten die Verkäufer die Kontrolle, die Divergenz würde ungültig, und das Paar könnte unter das aktuelle Niveau von 1,6255 fallen. In diesem Fall bliebe der breitere Abwärtstrend seit den Juni-Hochs klar intakt.
Da EUR/AUD gerade ein neues Tief testet, während der RSI leise auf nachlassendes Abwärtsmomentum hinweist, dürfte das Paar vor einer klaren Reaktion stehen.