Europas MiCA-Regime umfasst nun über 300 zugelassene Krypto-Unternehmen – Custody-Dienste dominieren
Wichtige Erkenntnisse
- •Das MiCA-Rahmenwerk der EU weist derzeit 323 eigenständige Krypto-Asset-Dienstleister im ESMA-Register aus, nachdem die CASP-Bestimmungen im Dezember 2024 vollständig in Kraft getreten sind.
- •Deutschland ist der dominierende Zulassungsstandort mit 69 Unternehmen und repräsentiert mehr als jedes fünfe registrierte CASP-Unternehmen.
- •Mindestens 55 traditionelle Finanzinstitute, darunter große Banken wie BBVA, Commerzbank, BNY und Standard Chartered, sind nun im MiCA-Register verzeichnet.
- •Custody ist die am häufigsten zugelassene Dienstleistung unter MiCA und deckt 201 der 323 gelisteten Unternehmen ab, gefolgt von Überweisungsdiensten mit 193.
- •Nicht-EU-Krypto-Unternehmen müssen eine Rechtspersönlichkeit innerhalb der Union gründen und eine CASP-Zulassung erhalten, da MiCA kein Äquivalenzregime für internationale Börsen vorsieht.

Das Rahmenwerk der Europäischen Union für Märkte für Krypto-Assets (MiCA) umfasst nun 323 eigenständige Krypto-Asset-Dienstleister (CASPs), wie eine BitKE-Analyse der Datenbank der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) ergibt. MiCA, formal die Verordnung (EU) 2023/1114, ist das harmonisierte Regelwerk der Europäischen Union für die Ausgabe, den Handel und die Verwahrung von Krypto-Assets. Die CASP-Bestimmungen wurden im Dezember 2024 in allen 27 Mitgliedstaaten vollständig anwendbar. Die ESMA gibt an, dass ihr Register wöchentlich aktualisiert wird.
Ein zentrales Merkmal von MiCA ist das Passporting-Prinzip: Ein in einem Mitgliedstaat zugelassener CASP kann Dienstleistungen im gesamten EU-Raum erbringen, ohne separate nationale Lizenzen zu benötigen. Deutschland ist mit weitem Abstand der größte Zulassungsstandort und vereint 69 der 323 Unternehmen auf sich. Frankreich folgt mit 34, die Niederlande mit 29, Zypern mit 25 und Malta mit 22. Gemeinsam repräsentieren diese fünf Rechtsgebiete mehr als die Hälfte aller im Datensatz erfassten Unternehmen.
Das Register veranschaulicht zudem, wie weit die traditionelle Finanzwelt in den regulierten Kryptosektor vorgedrungen ist. Mindestens 55 Bank- oder banknahe Institute finden sich im Register, darunter BBVA, Commerzbank, DekaBank, DZ Bank, KBC, CACEIS, CaixaBank, BNY, Standard Chartered, N26, Trade Republic Bank und Scalable Capital Bank sowie zahlreiche deutsche Genossenschaftsbanken. Mehrere dieser Institute, insbesondere deutsche Banken, hatten bereits unter den nationalen Vorläuferregimen Krypto-Verwahrlizenzen erworben, was den Übergang in das vereinheitlichte Rahmenwerk erleichterte.
Custody ist die am weitesten verbreitete MiCA-Dienstleistung und erscheint bei 201 der 323 Unternehmen. Überweisungsdienste folgen mit 193, während der Tausch von Krypto-Assets gegen Fiat-Geld für 166 Unternehmen zugelassen ist und die Auftragsausführung für 155. Diese Verteilung lässt darauf schließen, dass MiCAs erste regulierte Kohorte weniger eine Ansammlung von Krypto-Börsen darstellt, sondern vielmehr einen entstehenden Markt für Finanzdienstleistungsinfrastruktur bildet, der Banken, Broker, Börsen, Verwahrer, Zahlungsunternehmen und Vermögensverwalter umspannt.
Zu den im Register aufgeführten großen Krypto-Unternehmen zählen Coinbase, Kraken, OKX, Bybit, Crypto.com, Bitpanda, Bitstamp, Bitvavo, Robinhood und WhiteBIT. Neuere Infrastrukturanbieter wie Bridge treten ebenfalls alongside diesen etablierten Finanzinstituten in Erscheinung. Für Nicht-EU-Unternehmen sieht MiCA kein Äquivalenzregime vor, was bedeutet, dass internationale Börsen eine Rechtspersönlichkeit innerhalb der Union gründen und eine CASP-Zulassung erhalten müssen, um europäische Kunden auf regulierter Grundlage zu bedienen.
Die Konzentration in Deutschland ist besonders auffällig: Mehr als jedes fünfte Unternehmen im Datensatz führt Deutschland als seinen Heimatmitgliedstaat auf. MiCA geht somit offenbar über die bloße Zulassung der bestehenden europäischen Krypto-Branche hinaus und schafft einen regulierten Markt, in dem Banken und traditionelle Finanzunternehmen einen beachtlichen Teil der Krypto-Dienstleistungslandschaft ausmachen.
Hinweis: Diese BitKE-Analyse basiert auf dem ESMA-CASP-Datensatz. Die Datei enthält 329 Datensätze, die nach Konsolidierung anhand der Legal Entity Identifier (LEI) 323 Unternehmen entsprechen. Eine spanische Einheit weist in der Datei keinen LEI auf.