NachrichtenKryptoKryptomarkt gerät unter Druck durch zwei Zentralbanken, während Zinserhöhungserwartungen steigen

Kryptomarkt gerät unter Druck durch zwei Zentralbanken, während Zinserhöhungserwartungen steigen

Autor: Coindoo·

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Europäische Zentralbank erhöhte am Donnerstag ihren Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent und vollzog damit ihre zweite Zinserhöhung des Jahres.
  • Die implizite Wahrscheinlichkeit einer viertelprozentigen Zinserhöhung der Federal Reserve bei der Sitzung am 15. und 16. September stieg nach dem US-Erzeugerpreisbericht von etwa 64 auf 69,8 Prozent.
  • Die gesamte Marktkapitalisierung von Kryptowährungen sank innerhalb von 24 Stunden um etwa 2 Prozent. Bitcoin notierte nahe 77.000 US-Dollar, während Altcoins wie Dogecoin mit einem Rückgang von rund 6 Prozent stärkere Verluste verzeichneten.
  • CoinMarketCap registrierte in diesem Zeitraum Kryptoliquidationen von etwa 460 Millionen US-Dollar, darunter rund 390 Millionen US-Dollar in Long-Positionen.
  • Die für Freitag erwarteten US-Kernverbraucherpreise, mit einer Prognose von 0,2 Prozent im Monatsvergleich und 2,4 Prozent im Jahresvergleich, dürften zeigen, ob sich die Argumente für eine Zinserhöhung der Fed verstärken.
Kryptomarkt gerät unter Druck durch zwei Zentralbanken, während Zinserhöhungserwartungen steigen

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve erreichte 69,8 Prozent.
  • Die gesamte Marktkapitalisierung von Kryptowährungen sank innerhalb von 24 Stunden um etwa 2 Prozent.
  • Große Altcoins verzeichneten höhere Verluste als Bitcoin und Ether.
  • Der nächste wichtige Test sind die US-Kernverbraucherpreise.

Energiepreise verbinden zwei unterschiedliche Zinspfade

Die Europäische Zentralbank erhöhte am Donnerstag ihren Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent und vollzog damit ihre zweite Zinserhöhung des Jahres. Die Entscheidung war weithin erwartet worden, doch die Märkte richteten ihre Aufmerksamkeit stärker auf den anhaltenden Anstieg der Energiepreise und der Renditen von Staatsanleihen.

Der Ölpreis stieg über 105 US-Dollar je Barrel, während die zinssensitive Rendite zweijähriger deutscher Staatsanleihen etwa 3,07 Prozent erreichte und damit nahe ihrem höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren lag. In den USA stiegen die Erzeugerpreise im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent und lagen damit leicht über der Konsensprognose von 5,3 Prozent.

Der US-Erzeugerpreisbericht veranlasste Händler, eine Zinserhöhung der Federal Reserve bei ihrer September-Sitzung höher zu gewichten. Eine separate Analyse untersucht, was der US-PPI-Wert von 5,4 Prozent für den Kryptomarkt bedeutet.

Die Energiekosten verbinden die Entwicklungen in Europa und den USA, obwohl die beiden Zentralbanken unterschiedlichen Pfaden folgen. Die EZB hat bereits gehandelt, während die Entscheidung der Federal Reserve noch aussteht und maßgeblich vom nächsten Inflationsbericht zu den Verbraucherpreisen abhängen wird.

Kryptoverluste gehen über Bitcoin hinaus

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zeigten die Daten von CoinMarketCap, dass die gesamte Marktkapitalisierung von Kryptowährungen gegenüber den vorangegangenen 24 Stunden um etwa 2 Prozent gesunken war.

Bitcoin wurde nahe 77.000 US-Dollar gehandelt, nachdem der Kurs ungefähr 2 Prozent verloren hatte. Auch Ether lag rund 2 Prozent im Minus. Bei mehreren großen Altcoins fielen die Verluste höher aus. BNB und XRP gaben jeweils etwa 4 Prozent nach, Solana sank um ungefähr 3 Prozent und Dogecoin verlor rund 6 Prozent.

Die stärkeren Verluste bei Altcoins stehen im Einklang mit einer geringeren Risikobereitschaft. Kleinere Krypto-Assets verfügen im Allgemeinen über eine geringere Liquidität und eine spekulativere Positionierung als Bitcoin. Dadurch sind ihre Kurse stärker gefährdet, wenn Händler gehebelte Positionen abbauen.

CoinMarketCap verzeichnete im selben Zeitraum Kryptoliquidationen von etwa 460 Millionen US-Dollar, darunter rund 390 Millionen US-Dollar in Long-Positionen. Die Zahlen zeigen, dass gehebelte bullische Positionen zwangsweise geschlossen wurden und wahrscheinlich zum kurzfristigen Verkaufsdruck beitrugen.

Der zeitliche Zusammenhang passt zu einer umfassenderen Marktreaktion auf steigende Zinsen und Anleiherenditen. Die makroökonomischen Nachrichten allein erklären jedoch nicht den gesamten Rückgang. Höhere Ölpreise, schwächere Aktienmärkte und die bereits vorhandene Hebelwirkung an den Kryptoderivatemärkten beeinflussten den Handel ebenfalls.

FedWatch zeigt Erwartungen, keine Gewissheit

Die implizite Wahrscheinlichkeit einer viertelprozentigen Zinserhöhung durch die Federal Reserve erreichte nach dem Erzeugerpreisbericht 69,8 Prozent, verglichen mit etwa 64 Prozent vor der Veröffentlichung der Daten, laut dem CME FedWatch Tool.

FedWatch berechnet die Wahrscheinlichkeiten anhand der Preise von 30-Tage-Futures auf Bundesmittel. Diese Preise verändern sich, wenn Händler ihre Erwartungen hinsichtlich des effektiven Leitzinses nach jeder Sitzung der Notenbank anpassen. Das Ergebnis ist daher eine Momentaufnahme der Marktpositionierung und weder eine Umfrage unter Vertretern der Federal Reserve noch eine Zusage, dass die Zentralbank tatsächlich handeln wird.

Die Kontrakte deuteten auf eine Wahrscheinlichkeit von 69,8 Prozent für eine Erhöhung um 25 Basispunkte bei der Sitzung am 15. und 16. September hin. Bei einer Umsetzung würde die Zielspanne der Fed von 3.50%-3.75% auf 3.75%-4.00% steigen.

Der monatliche Anstieg des PPI um 0,4 Prozent entsprach den Prognosen, während die Jahresrate geringfügig höher als erwartet ausfiel. Die Preise für Güter der Endnachfrage stiegen um 1,1 Prozent, darunter die Energiepreise um 4,2 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen legten dagegen nur um 0,1 Prozent zu. Auch die Kosten für Transport und Lagerhaltung stiegen.

Der Bericht zeigte nicht in jeder Kategorie eine gleich starke Inflation. Er lieferte den Händlern jedoch weniger Gründe für die Annahme, dass die Federal Reserve die jüngsten Anstiege bei Energie- und Geschäftskosten außer Acht lassen wird.

Status der Zentralbanken

Europäische Zentralbank

  • Status: Zinserhöhung abgeschlossen
  • Einlagensatz: 2,5 Prozent
  • Nächster Test: Energie- und Lohninflation

Federal Reserve

  • Status: Entscheidung ausstehend
  • Aktuelle Spanne: 3.50%-3.75%
  • Nächster Test: US-Kern-CPI für August

Zwei Zinskanäle sind für Kryptowährungen besonders wichtig

Höhere Zinsen beeinflussen zunächst den Wettbewerb um Anlagekapital. Bitcoin bietet keine eigene Rendite. Ethereum-Staking und Kryptokredite können zwar Erträge generieren, bringen jedoch auch Risiken durch Tokenpreise, Verwahrung, Validatoren oder Smart Contracts mit sich, die kurzfristige US-Staatsanleihen und erstklassige Staatsanleihen der Eurozone im Allgemeinen vermeiden.

Wenn die Renditen von Staatsanleihen steigen, können Anleger höhere Erträge erzielen, ohne die Volatilität von Kryptowährungen zu akzeptieren. Das kann die Nachfrage nach digitalen Vermögenswerten verringern, insbesondere bei Fonds, die Kapital zwischen Anleihen, Aktien und Kryptowährungen umschichten.

Der zweite Kanal ist die Finanzierung. Zentralbankzinsen legen die Finanzierungssätze für unbefristete Kryptofutures nicht direkt fest; diese werden durch die Positionierung an den Derivatemärkten bestimmt. Die Zentralbankzinsen beeinflussen jedoch die Kreditkosten, die Bedingungen für Sicherheiten und den Umfang, in dem Institutionen bereit sind, Kredite zu vergeben oder zu investieren.

Deshalb kann eine weithin erwartete Zinserhöhung der EZB die Kryptomärkte dennoch beeinflussen. Die Entscheidung selbst könnte bereits in den Kursen berücksichtigt worden sein. Die Aussicht auf eine weitere geldpolitische Straffung in Europa lässt Anlegern jedoch weniger Spielraum für die Annahme, dass sich die globalen Finanzierungsbedingungen bald entspannen werden. Eine mögliche Zinserhöhung der Federal Reserve erhöht den Druck am US-Dollar-Markt, an dem der Großteil des Kryptohandels und der Kryptokreditaufnahme konzentriert bleibt.

US-CPI entscheidet, ob das Fed-Risiko bestehen bleibt

Der am Freitag erwartete Verbraucherpreisindex dürfte eine Gesamtinflation von 0,4 Prozent im August und 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausweisen. Ökonomen prognostizieren einen monatlichen Anstieg der Kernpreise um 0,2 Prozent und eine jährliche Kernrate von 2,4 Prozent.

Die Federal Reserve verfolgt ihr Inflationsziel formal anhand des Preisindex für persönliche Konsumausgaben und nicht anhand des CPI. Der CPI wird jedoch Informationen zu Wohnkosten, Dienstleistungen und anderen Verbraucherkosten liefern und Ökonomen dabei helfen, ihre Schätzungen für den nächsten PCE-Bericht zu verfeinern.

Ein Kernwert unter der monatlichen Prognose von 0,2 Prozent würde die Hinweise darauf abschwächen, dass sich der Inflationsdruck über den Energiesektor hinaus ausbreitet. Eine positive Überraschung würde die Argumente für eine Zinserhöhung stärken und könnte die Renditen kurzfristiger US-Staatsanleihen nach oben treiben.

Kryptohändler können die Marktreaktion anhand von vier Indikatoren bewerten:

  • FedWatch: Ob eine Zinserhöhung im September nach der Veröffentlichung des CPI weiterhin das Basisszenario des Marktes ist.
  • Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen: Ob die Erwartungen an kurzfristige Zinsen die Kreditkosten weiter erhöhen.
  • Öl und europäische Renditen: Ob der Druck hinter der EZB-Zinserhöhung anhält.
  • Marktbreite bei Kryptowährungen: Ob Altcoins Bitcoin weiterhin unterdurchschnittlich entwickeln, während die Liquidationen nachlassen.

Eine Stabilisierung von Bitcoin bei anhaltender Schwäche der Altcoins würde darauf hindeuten, dass spekulative Positionen weiter abgebaut werden. Eine breitere Erholung in Verbindung mit niedrigeren Renditen kurzfristiger Anleihen wäre ein stärkerer Hinweis darauf, dass der makroökonomische Druck nachlässt.

Der CPI-Bericht am Freitag wird zeigen, ob der US-amerikanische Teil des Drucks zunimmt oder sich allmählich auflöst. Der Teil, der von der EZB ausgeht, ist bereits wirksam.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanzberatung dar.

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