Coldcard-Wallet-Fehler mit 70-Millionen-Dollar-Bitcoin-Diebstahl in über 1.100 Wallets verbunden
Wichtige Erkenntnisse
- •Ein Angreifer stahl am 30. Juli innerhalb eines 41-minütigen Zeitfensters etwa 1.082 BTC im Wert von knapp 70 Millionen Dollar aus über 1.100 Coldcard-Wallets.
- •Ein Softwarefehler in betroffenen Firmware-Versionen führte zum Versagen des Hardware-Zufallszahlengenerators von Coldcard, wodurch die Entropie des Wiederherstellungs-Seeds von 128 Bit auf etwa 40 Bit reduziert wurde und Brute-Force-Schlüsselwiederherstellung möglich wurde.
- •Die Schwachstelle betrifft Coldcard-Mk3-Geräte mit Firmware-Versionen 4.0.1 bis 5.0.3 aus dem März 2021, wobei Warnungen später auf bestimmte Versionen der Modelle Mk4, Mk5 und Coldcard Q ausgeweitet wurden.
- •Coinkite gab seine Sicherheitswarnung etwa 30 Stunden nach dem Diebstahl heraus und riet Nutzern, die Wiederherstellungsphrasen mit kompromittierter Firmware erstellt hatten, zur sofortigen Migration ihrer Gelder.
- •Nutzer, die eine zusätzliche BIP-39-Passphrase aktiviert hatten, gelten als sicher, da diese eine separate Schutzebene über dem kompromittierten Wiederherstellungs-Seed hinaus bietet.

Eine Sicherheitslücke in der Coldcard-Wallet wird mit einem der größten Bitcoin-Hardware-Wallet-Diebstähle der jüngsten Geschichte in Verbindung gebracht. Mehr als 1.082 Bitcoins im Wert von knapp 70 Millionen Dollar wurden aus über 1.100 Wallets gestohlen, bevor der Hersteller Coinkite die Sicherheitslücke öffentlich bekannt gab. Hardware-Wallets wie Coldcard gelten weithin als Goldstandard für die Selbstverwahrung digitaler Vermögenswerte, da sie private Schlüssel offline und isoliert von internetbasierten Angriffen speichern – was eine Sicherheitslücke dieser Größenordnung für die gesamte Kryptowährungs-Sicherheitslandschaft besonders bedeutsam macht.
Den Forschungsergebnissen zufolge hat der Angreifer die Geräte nicht direkt kompromittiert. Stattdessen ermöglichte ein Fehler in der Coldcard-Wallet-Software die Offline-Generierung privater Schlüssel, wodurch der Angreifer Zugang zu den betroffenen Wallets erhielt.
Coldcard-Wallet-Lücke ermöglichte Schlüsselwiederherstellung
Galaxy Research berichtete, dass der Angreifer zwischen 01:10 UTC und 01:51 UTC am 30. Juli 1.196 Bitcoin-Wallets leerte und dabei innerhalb eines 41-minütigen Zeitfensters etwa 1.082,65 BTC stahl.
Der Diebstahl ereignete sich rund 30 Stunden bevor Coinkite seine Sicherheitswarnung herausgab, die Nutzer darüber informierte, dass ihre Coldcard-Wallets aufgrund von Schwachstellen in bestimmten Firmware-Versionen kompromittiert sein könnten. Experten gehen davon aus, dass der Angreifer Wallets ins Visier nahm, die mit Coldcard-Mk3-Geräten erstellt wurden und die Firmware-Versionen 4.0.1 bis 5.0.3 verwendeten, die im März 2021 veröffentlicht wurden.
Der Bericht von Galaxy Research stellte fest, dass jede Transaktion mit derselben Gebührenrate von 30 sat/vB und ohne Change-Outputs durchgeführt wurde. Dieses Muster legt nahe, dass der Angreifer bereits im Besitz der privaten Schlüssel war und Abhebungen automatisierte, anstatt Nutzer individuell anzugreifen.
Ursprung der Schwachstelle und erweiterte Warnung
Sicherheitsforscher führten die Schwachstelle auf ein Firmware-Update aus dem Jahr 2021 zurück. Coldcard-Hardware-Wallets sind so konzipiert, dass sie einen Hardware-Zufallszahlengenerator zur Erstellung von Wiederherstellungsphrasen verwenden, was die Schlüssel äußerst schwer vorhersagbar macht.
Forscher von Block zeigten jedoch, dass ein Softwarefehler verhinderte, dass diese Hardware-Funktion ordnungsgemäß funktionierte. Infolgedessen griffen die Wallets auf einen softwarebasierten Zufallszahlengenerator zurück, der auf vorhersagbaren Eingaben beruhte, darunter die Seriennummer des Geräts und seine interne Uhr. Zu den historisch schädlichsten Klassen von Schwachstellen im Kryptowährungsbereich gehören Ausfälle von Zufallszahlengeneratoren, wie etwa der Android-Secure-Random-Fehler von 2013, der Bitcoin-Wallets auf betroffenen Geräten für Schlüsseldiebstahl anfällig machte.
Dieser Fehler reduzierte die Entropie der Wiederherstellungs-Seeds von 128 Bit auf etwa 40 Bit. Den Forschern zufolge machte diese Reduzierung groß angelegte Brute-Force-Angriffe mit moderner Rechenleistung durchführbar.
Coinkite erweiterte seine Warnung anschließend auf bestimmte Firmware-Versionen der Modelle Mk4, Mk5 und Coldcard Q, stellte jedoch fest, dass neuere Hardware-Versionen das Risiko erheblich verringerten.
— nvk (@nvk) July 31, 2026
Nutzer werden dringend aufgefordert, Gelder sofort zu transferieren
Die gestohlenen Bitcoins wurden in einer kleinen Anzahl von Konten konsolidiert. Ein solches Konto enthält Berichten zufolge mehr als 562 BTC, während andere etwa 398, 89 und 32 BTC umfassen. Die Gelder sind seit der Konsolidierung unbewegt geblieben.
Coinkite rät allen, die eine Wiederherstellungsphrase mit der kompromittierten Firmware erstellt haben, sofort auf ein neues Wallet mit der neuesten Firmware zu migrieren. Das Unternehmen betonte außerdem, dass Nutzer, die eine zusätzliche BIP-39-Passphrase aktiviert hatten, sich als sicher betrachten können, da die Passphrase eine zusätzliche Schutzebene bietet, die über den Wiederherstellungs-Seed hinausgeht. Forscher wiesen zudem darauf hin, dass weitere gefährdete Wallets weiterhin durch ähnliche Angriffe bedroht sind.