Coldcard-Bitcoin-Wallet-Exploit übersteigt 100 Millionen Dollar nach drei bestätigten Angriffswellen
Wichtige Erkenntnisse
- •Eine Firmware-Sicherheitslücke in Coldcard-Hardware-Wallets ermöglichte es Angreifern, über 100 Millionen Dollar an Bitcoin in drei koordinierten Angriffswellen zu stehlen.
- •Die Schwachstelle entstand im Zufallszahlengenerator von Coldcard und erlaubte es Angreifern, Wallet-Seed-Phrasen zu rekonstruieren und private Schlüssel ohne physischen Gerätezugriff abzuleiten.
- •Der erste Angriff am 30. Juli leerte mehr als 1.000 Wallets in weniger als einer Stunde; nachfolgende Wellen betrafen Wallets, die mit kompromittierten Firmware-Versionen über mehrere Jahre hinweg erstellt worden waren.
- •Coinkite hat Firmware-Updates veröffentlicht, rät betroffenen Nutzern jedoch, Gelder in Wallets mit neu generierten Wiederherstellungs-Phrasen zu transferieren, da ein einfaches Update zuvor exponierte Seeds nicht absichert.
- •Der Vorfall hat in der gesamten Hardware-Wallet-Branche die Forderung nach unabhängigen Drittparteien-Audits des Seed-Generierungscodes verstärkt, während die Konkurrenzhersteller Ledger und Trezor nicht mit der Schwachstelle in Verbindung gebracht wurden.

Eine Sicherheitslücke in Coldcard-Hardware-Wallets hat zu einem der bedeutendsten Bitcoin-Wallet-Einbrüche aller Zeiten geführt, mit bestätigten Verlusten von nunmehr über 100 Millionen Dollar nach drei koordinierten Angriffswellen. Coldcard, ein ausschließlich für Bitcoin entwickeltes Hardware-Wallet des Herstellers Coinkite, wird stark von sicherheits- und privatsphärebewussten Bitcoin-Nutzern verwendet, was den Vorfall für die Self-Custody-Community besonders relevant macht.
Sicherheitsforscher von Galaxy berichteten, dass Angreifer eine Firmware-Schwachstelle bei der Seed-Generierung von Wallets ausnutzten, wodurch sie gezielt gefährdete Bitcoin-Wallets identifizieren und leeren konnten.
Die erste Angriffswelle erfolgte am 30. Juli, als Angreifer in weniger als einer Stunde über 1.000 Wallets leerten. Nachfolgende Wellen trieben die Gesamtverluste über die Marke von 100 Millionen Dollar, sobald weitere kompromittierte Wallets identifiziert und geleert wurden. Die Angreifer konzentrierten sich hauptsächlich auf Wallets, die mit betroffenen Firmware-Versionen erstellt worden waren, die mehrere Jahre zurückreichen, was die anhaltenden Gefahren durch Fehler in kryptografischen Implementierungen unterstreicht.
Funktionsweise der Sicherheitslücke
Laut der Analyse von Galaxy entstand die Schwachstelle durch einen Defekt im Zufallszahlengenerator von Coldcard, der für die Erstellung von Wallet-Wiederherstellungs-Seeds verwendet wird. Anstatt ausreichend unvorhersehbare Seed-Phrasen zu erzeugen, produzierte die gefährdete Firmware eine Entropie, die Angreifer bei entsprechendem Rechenaufwand rekonstruieren konnten. Der Fehler ähnelt früheren Sicherheitsvorfällen im Kryptowährungsbereich, die mit schwachen Zufallszahlengeneratoren zusammenhingen, darunter eine Schwachstelle aus dem Jahr 2013 in Android-Bitcoin-Wallets, die es Angreifern ebenfalls ermöglichte, private Schlüssel vorherzusagen.
Infolgedessen konnten Hacker private Schlüssel ableiten, ohne auf Phishing, Malware-Installationen oder physischen Zugriff auf die Hardware-Geräte zurückzugreifen. Forscher bezeichneten den Vorfall als besonders schwerwiegend, da er eine der grundlegenden Sicherheitsannahmen von Hardware-Wallets kompromittierte – nämlich dass ein von Netzwerksystemen isoliertes Gerät zuverlässig kryptografische Schlüssel generieren kann, die kein entfernter Angreifer reproduzieren kann.
Der Vorfall betraf mehrere Generationen von Coldcard-Geräten, bei denen Wallets mit der kompromittierten Firmware erstellt worden waren. Wallets, die mit aktualisierter Firmware und neu erstellten Seed-Phrasen generiert wurden, gelten jedoch nicht als gefährdet.
Reaktion der Branche
Coinkite bestätigte die Sicherheitslücke und veröffentlichte Firmware-Updates, während das Unternehmen betroffene Nutzer aufforderte, ihre Gelder unverzüglich in Wallets mit neu erstellten Wiederherstellungs-Phrasen zu transferieren. Ein einfaches Aktualisieren des Geräts schützt Wallets, die ursprünglich mit gefährdeter Firmware erstellt wurden, nicht, da die kompromittierte Seed-Phrase weiterhin exponiert bleibt.
Der Vorfall hat die Debatte innerhalb der Kryptowährungsbranche über die Sicherheit von Hardware-Wallets und die Gründlichkeit von Software-Audits neu entfacht. Während Hardware-Wallets nach wie vor als eine der sichersten Methoden für Self-Custody gelten, zeigt der Vorfall, dass Implementierungsfehler katastrophale Folgen haben können, wenn sie die Schlüsselgenerierung betreffen. Konkurrenzhersteller von Hardware-Wallets wie Ledger und Trezor wurden nicht mit der Schwachstelle in Verbindung gebracht, jedoch hat das Ereignis die Forderung nach unabhängigen Drittparteien-Audits des Seed-Generierungscodes in der gesamten Hardware-Wallet-Branche verstärkt.
Sicherheitsexperten überwachen die Blockchain-Aktivität weiterhin auf weitere Diebstähle und warnen, dass zusätzliche gefährdete Wallets für Nutzer, die ihre Gelder noch nicht transferiert haben, weiterhin Risiko bestehen könnten. Nutzern, die während des betroffenen Zeitraums Coldcard-Wallets erstellt haben, wird empfohlen, ihre Firmware-Version zu überprüfen und als Vorsichtsmaßnahme Gelder in neu generierte Wallets zu transferieren.