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Coinbase eröffnet mehr als 170 Derivate für professionelle Anleger in Großbritannien

Autor: Cryptsy·

Wichtige Erkenntnisse

  • Das britische Angebot steht nur professionellen Kunden offen und erfordert vor dem Zugang Eignungs- und Angemessenheitsprüfungen.
  • Der Katalog umfasst mehr als 170 Kontrakte auf Kryptoassets, Aktien, Rohstoffe und Devisen.
  • Coinbase sagt, dass der Start unbefristete und befristete Futures umfasst, mit bis zu 50-facher Hebelwirkung bei ausgewählten Produkten.
  • Britische Privatkunden bleiben nach den seit Januar 2021 geltenden FCA-Regeln von Kryptoasset-Derivaten ausgeschlossen.
  • Coinbase übernahm Deribit im August 2025, sodass der britische Start das eigene Derivategeschäft des Unternehmens erweitert und keinen separaten Wettbewerber schafft.
Coinbase eröffnet mehr als 170 Derivate für professionelle Anleger in Großbritannien

Coinbase hat einen Multi-Asset-Derivatekatalog für berechtigte professionelle Anleger im Vereinigten Königreich gestartet und freigegebenen Kunden Zugang zu mehr als 170 Kontrakten auf Kryptoassets, Aktien, Rohstoffe und Devisen verschafft. Die Einführung folgt der britischen Investment-Services-Zulassung, die Coinbase im Juli 2026 angekündigt hatte, und ist strikt auf die Nutzung durch Nicht-Privatkunden beschränkt — Antragsteller müssen als professionelle Kunden eingestuft werden und die Eignungs- und Angemessenheitsprüfungen der Plattform bestehen.

Das Angebot umfasst sowohl unbefristete als auch befristete Futures mit einer Hebelwirkung von bis zu 50-fach bei ausgewählten Kontrakten. Diese Zahl bezeichnet den maximal verfügbaren Hebel für bestimmte Produkte und stellt weder einen allgemeinen Standard noch eine empfohlene Einstellung dar. Wie bei allen gehebelten Instrumenten werden potenzielle Gewinne und Verluste verstärkt, und Liquidationsmechanismen können Positionen nach relativ kleinen negativen Kursbewegungen schließen.

Was die britische Zulassung von Coinbase verändert

Als Coinbase seine britische Investment-Services-Lizenz bekannt gab, teilte das Unternehmen mit, dass institutionelle und fortgeschrittene Trader Zugang zu Derivaten auf Kryptowährungen, Aktien und Rohstoffe erhalten würden. Die Zulassung im Rahmen des im Vereinigten Königreich fortgeltenden MiFID-II-Rahmens — des ursprünglich von der Europäischen Union geschaffenen Investment-Services-Regimes, das nach dem Brexit im britischen Recht fortgeführt wurde — ermöglicht es einem Anbieter, Kontrakte über zuvor getrennte regulatorische und produktbezogene Bereiche hinweg anzubieten. Dies unterstützt die breitere Strategie von Coinbase, traditionelle Anlagen und digitale Vermögenswerte in einem einzigen Konto zu bündeln, obwohl sich die Berechtigungen und Kundenschutzmechanismen je nach Produkt unterscheiden.

Der Derivate-Start macht diese regulatorische Genehmigung zu einem live verfügbaren Produkt für einen definierten Nutzerkreis. Berechtigte professionelle Anleger können nun über Coinbase Advanced Kontrakte über mehrere Anlageklassen hinweg handeln, ohne zwischen einer Kryptobörse, einem Wertpapierbroker und einer Devisenplattform wechseln zu müssen. Die Erweiterung positioniert Coinbase zudem neben etablierten Derivateplätzen wie CME Group und ICE, die in den vergangenen Jahren ebenfalls Krypto-bezogene Produkte gelistet haben, wodurch die Grenze zwischen digitalen Vermögensplattformen und traditionellen Finanzbörsen weiter verschwimmt. Die tatsächliche Verfügbarkeit hängt jedoch weiterhin von Onboarding, Kundeneinstufung und produktspezifischen Einschränkungen ab.

Regulatorische Grenze: kein Produkt für Privatkunden

Der für diesen Start maßgebliche regulatorische Rahmen ist entscheidend. Die COBS-22.6-Regeln der Financial Conduct Authority untersagen Unternehmen weiterhin, Kryptoasset-Derivate an britische Privatkunden zu bewerben, zu verkaufen oder zu vertreiben. Zwar hat die FCA den Zugang zu bestimmten börsengehandelten Schuldverschreibungen für Privatkunden zugelassen, doch diese Entscheidung hob das Verbot für Krypto-Derivate nicht auf. Ein britischer Nutzer, der Coinbase Aktien bewerben sieht, sollte nicht davon ausgehen, dass gehebelte Krypto-Kontrakte denselben regulatorischen Regeln unterliegen. Das seit Januar 2021 geltende Verbot für Privatkunden spiegelt die langjährige Auffassung der FCA wider, dass Krypto-Derivate inhärente Volatilitäts- und Bewertungsrisiken bergen, die ohne professionelles Risikomanagement ungeeignet für Verbraucher sind.

Deribit ist Teil von Coinbase

Eine wichtige Klarstellung zur Wettbewerbssituation: Coinbase hat die Übernahme von Deribit am 14. August 2025 abgeschlossen, wie die Mitteilung des Unternehmens bestätigt. Deribit, das sich vor der Übernahme als führende Plattform für den Handel mit Kryptooptionen nach Volumen etabliert hatte, ist damit Teil der Coinbase-Gruppe und kein unabhängiger Wettbewerber. Der britische Derivate-Start erweitert die Vertriebs- und Produktreichweite der Muttergesellschaft, schafft aber keinen Wettbewerb zwischen zwei getrennten Unternehmen.

Deribit brachte Coinbase ein umfangreiches institutionelles Optionsgeschäft, während der neue britische Katalog eine breitere Mischung aus perpetuals und Futures über Krypto- und traditionelle Marktbezüge hinweg abdeckt. Die beiden Plattformen können dennoch unter unterschiedlichen Rechtsträgern, mit unterschiedlichen Benutzeroberflächen, Zulassungskriterien und regionaler Verfügbarkeit betrieben werden. Gemeinsamer Besitz bedeutet nicht, dass jedes Deribit-Produkt automatisch über ein britisches Coinbase-Konto verfügbar wird.

Warum der Hebel Aufmerksamkeit verdient

Eine 50-fach gehebelte Position erfordert nur einen Bruchteil des Nominalwerts als Margin. Vereinfacht gesagt kann eine ungünstige Kursbewegung von 2 % gegen eine voll gehebelte Position die anfängliche Margin aufbrauchen, bevor Gebühren, Maintenance-Anforderungen und der Liquidationsprozess der Plattform berücksichtigt werden. Das tatsächliche Ergebnis hängt vom jeweiligen Kontrakt, der gestellten Sicherheit, dem gewählten Margin-Modus und dem Ausführungspreis ab.

Eine Einstufung als professioneller Kunde ist nicht mit Risikofreiheit gleichzusetzen. Derivate bringen Finanzierungskosten, Basisrisiken, Gegenparteirisiken, operative Abhängigkeiten und die Möglichkeit mit sich, dass schnelle Marktbewegungen einen geplanten Ausstiegspreis überlaufen. Kontrakte auf Aktien, Rohstoffe oder Devisen können sich zudem anders verhalten als die zugrunde liegenden Kassamärkte, insbesondere außerhalb der normalen Handelszeiten des Basis-Marktplatzes.

Was die Ankündigung noch nicht zeigt

Die Startmeldung von Coinbase belegt Umfang und Reichweite des Angebots, liefert jedoch keine Daten zu britischem Handelsvolumen, aktiven Kunden, Spreads oder Liquidationsraten. Diese operativen Kennzahlen werden letztlich wichtiger sein als die bloße Zahl der Kontrakte, wenn beurteilt werden soll, ob professionelle Anleger den Dienst tatsächlich annehmen. Zum Kontext: Der internationale Derivatemarkt von Coinbase — 2023 in Bermuda gestartet — diente dem Unternehmen als primärer Handelsplatz für nicht-US-amerikanische perpetual futures; die britische Expansion ergänzt somit einen bestehenden Offshore-Fußabdruck um einen regulierten Onshore-Kanal.

Die unmittelbare Bedeutung ist regulatorischer und struktureller Natur: Coinbase kann nun berechtigten britischen Professionals unter seinen erweiterten Investment-Services-Befugnissen ein breites gehebeltes Produktangebot bereitstellen. Ebenso wichtig ist der korrigierte Wettbewerbskontext — das Unternehmen verbindet seine eigenen Vertriebswege mit dem bereits übernommenen Deribit-Geschäft, während britische Privatkunden vom Krypto-Derivate-Angebot ausgeschlossen bleiben.

Wichtige Punkte, die professionelle Anleger vor dem Handel prüfen sollten

Vor dem Handel sollten berechtigte Kunden mehrere Details bestätigen:

  • Kundeneinstufung: Welche juristische Person das Konto betreut und auf welcher Grundlage der Kunde die Kriterien für professionelle Kunden erfüllt.
  • Kontraktbedingungen: Abrechnungswert, Laufzeit- oder Funding-Mechanismus, Indexmethodik und maximale Positionsgrößen.
  • Margin-Regeln: Anforderungen an Initial- und Maintenance-Margin, Liquidationspreise, Haircuts auf Sicherheiten und ob Portfolio Margin gilt.
  • Marktzugang: Welche der beworbenen Kontrakte für den konkreten Kunden und die jeweilige Jurisdiktion tatsächlich freigeschaltet sind.

Eine Hebelwirkung von bis zu 50-fach stellt eine Obergrenze bei ausgewählten Produkten dar, nicht ein Standard-Exposure. In diesem Umfang kann bereits eine kleine ungünstige Bewegung die hinterlegte Margin aufzehren, noch bevor Gebühren und Slippage berücksichtigt werden. Der professionelle Status ändert die regulatorische Behandlung des Kunden; er beseitigt jedoch nicht Markt-, Liquiditäts-, operative oder Gegenparteirisiken.