Ist Databricks die letzte große AI-Pre-IPO-Wette? Clear Street glaubt ja
Wichtige Erkenntnisse
- •Die neue Plattform von Clear Street ermöglicht akkreditierten Anlegern den Kauf von Pre-IPO-Anteilen an späten Technologieunternehmen, ein Markt, der historisch großen institutionellen Akteuren vorbehalten war.
- •Databricks, derzeit mit 188 Milliarden Dollar bewertet, ist das erste vorgestellte Unternehmen der Plattform und wird voraussichtlich erst 2027 an die Börse gehen.
- •Anders als bestehende Sekundärmarkt-Plattformen will Clear Street Finanzierung über Margin Loans auf Basis von Pre-IPO-Investments anbieten und Asset-Servicing sowie Risiko intern steuern.
- •Clear Street will bis Jahresende 30 Startups aufnehmen und zielt auf Technologieunternehmen mit einem Wert zwischen 5 Milliarden und 20 Milliarden Dollar, deren Börsengang etwa sechs Monate bis zwei Jahre entfernt ist.
- •Die Bewertungen von AI-Unternehmen liegen weiterhin über den aktuellen Umsätzen, was für Pre-IPO-Anleger ein erhöhtes Risiko schafft, wenn sich Wachstumserwartungen nicht erfüllen.

Der Fintech-Prime-Broker Clear Street hat eine neue Plattform gestartet, die es akkreditierten Anlegern ermöglicht, vor dem Börsengang Anteile an späten Technologieunternehmen zu erwerben — ein Anlagebereich, der traditionell nur großen institutionellen Akteuren vorbehalten war. Databricks, das AI- und Daten-Softwareunternehmen mit einer aktuellen Bewertung von 188 Milliarden Dollar, ist das erste Unternehmen, das auf der Plattform vorgestellt wird.
Der Start spiegelt einen breiteren Wandel in der AI-Investitionsdynamik wider. Da Unternehmen wie Databricks, Anthropic und OpenAI länger privat bleiben als frühere Generationen von Technologiegrößen, entsteht ein wachsender Teil der Wertschöpfung der Branche bereits vor dem Börsendebüt. Clear Street setzt darauf, dass ein breiterer Zugang zu diesen Möglichkeiten zusätzliches Kapital in den Sektor lenkt, auch wenn unklar bleibt, ob dies die AI-Innovation vorantreibt oder lediglich die privaten Bewertungen weiter erhöht.
Margin Loans auf private Beteiligungen unterscheiden die Plattform
Der Chief Executive Officer und Mitgründer von Clear Street, Uri Cohen, sagte, das Ziel des Unternehmens sei es, „Reibungsverluste zu beseitigen und mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, in mehr Produkte zu investieren“. Er erklärte, dass ein wesentlicher Teil der heutigen Vermögensbildung in privaten Märkten stattfinde und die Nachfrage von Privatanlegern weiter wachse.
Im Gegensatz zu den meisten Plattformen für private Märkte will Clear Street auch Finanzierung anbieten. Das Unternehmen beabsichtigt, Kredite auf Basis von Pre-IPO-Investments bereitzustellen und dabei Asset-Servicing und Risiko selbst zu übernehmen, was unüblich ist, da es schwierig ist, private Aktien vor dem tatsächlichen Exit zu verkaufen.
Clear Street hofft, bis Jahresende 30 Startups an Bord zu holen. Das Unternehmen konzentriert sich auf Tech-Startups mit einem Wert von 5 Milliarden bis 20 Milliarden Dollar, deren Börsengang etwa sechs Monate bis zwei Jahre entfernt ist. Außerdem startet das Unternehmen eine spezialisierte Research-Einheit für private Unternehmen unter der Leitung von Owen Lau.
Databricks steht mit einer Bewertung von 188 Milliarden Dollar im Zentrum des Starts
Databricks ist eine naheliegende Wahl für einen ersten Börsengangs-Kandidaten. Seine Lakehouse Platform vereint die Vorteile von Data Lakes und Data Warehouses und ist mit Tools wie Delta Lake und MLflow für die Entwicklung von Enterprise AI ausgestattet. Die Bewertung von 188 Milliarden Dollar zeigt das starke Interesse der Anleger an der Infrastruktur, auf der AI aufbaut.
Databricks ist jedoch noch weit von einem Börsengang entfernt. Laut einem Bericht von Kiplinger vom 18. Juni wird das Unternehmen voraussichtlich erst 2027 an die Börse gehen, während Anthropic 2026 börsennotiert werden soll. Der verlängerte Zeitrahmen lässt Anlegern vor dem IPO nur wenige regulatorische Möglichkeiten, sich zu engagieren, und schafft damit eine Lücke, die Unternehmen wie Clear Street schließen wollen.
Vermögen sammelt sich vor dem Gong in privaten Märkten an
Clear Street ist nicht das einzige Unternehmen, das versucht, einen solchen Bedarf zu bedienen. Goldman Sachs hat seine Angebote für Investitionen in private Unternehmen ebenfalls auf wohlhabende Kunden ausgeweitet, was einen größeren Branchentrend widerspiegelt, da junge Unternehmen den Börsengang aufschieben und außerhalb öffentlicher Märkte mehr Wert schaffen.
Der IPO-Markt hat erste hoffnungsvolle Anzeichen einer Erholung gezeigt. Nach Daten von Renaissance Capital erreichte die Zahl der IPO-Anmeldungen im laufenden Jahr bis zum 1. August 155, ein Anstieg von 10,7% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. In diesem Jahr wurden bislang 93 IPOs platziert, mit einem Gesamterlös von 144,0 Milliarden Dollar, wozu der erfolgreiche 75-Milliarden-Dollar-IPO von SpaceX erheblich beitrug.
Gleichzeitig verzögert Clear Street seinen eigenen Börsengang. Das Startup, das in diesem Jahr mit rund 12 Milliarden Dollar bewertet wurde, hat seinen möglichen IPO auf 2027 verschoben, nachdem es einen positiven operativen Cashflow erreicht und eine Investment-Grade-Anleiheemission über 400 Millionen Dollar abgeschlossen hatte.
Die Lücke zwischen Bewertung und Umsatz steht über der Wette
Die Bewertung von Databricks in Höhe von 188 Milliarden Dollar wirft eine weitere, allgemeinere Frage zu privaten AI-Märkten auf: In welchem Ausmaß wird die heutige Bewertung von Erwartungen an die Zukunft und von der aktuellen Unternehmensleistung bestimmt?
Wie Cryptopolitan bereits zuvor hervorgehoben hat, erscheinen die Bewertungen von AI-Unternehmen im Verhältnis zu ihren tatsächlichen Umsätzen überhöht, was darauf hindeutet, dass Anleger auf zukünftige Renditen setzen, statt in Unternehmen auf Grundlage ihrer aktuellen Leistung zu investieren.
Clear Street bietet eine Plattform, die Anlegern einen frühen Zugang zu dieser Anlagemöglichkeit ermöglicht. Sollten AI-Unternehmen das erwartete Wachstum liefern, könnten Investments vor dem Börsengang erhebliche Erträge bringen. Sollte der Umsatz jedoch langsamer mit den Bewertungen Schritt halten, könnten frühe Anleger ein erhöhtes Risiko tragen.