Chinas neue Bankkredite sinken im Juli erneut – zum zweiten Mal in diesem Jahr
Wichtige Erkenntnisse
- •Chinas neue Bankkredite sanken im Juli um 340 Milliarden Yuan – der zweite monatliche Rückgang in diesem Jahr nach April – und verfehlten damit die erwartete Steigerung um 45 Milliarden Yuan.
- •Die neue Yuan-Kreditvergabe belief sich von Januar bis Juli auf insgesamt 10,38 Billionen Yuan und lag damit deutlich unter den 12,88 Billionen der gleichen sieben Monate des Vorjahres.
- •Die schwache Kreditnachfrage der Haushalte belastet die Kreditvergabe weiterhin erheblich; der Immobilienabschwung, der 2021 mit Zahlungsausfällen von Entwicklern begann, trägt dazu bei, und die kurzfristige Kreditaufnahme der Haushalte ist in den vergangenen Monaten stark gefallen.
- •Die Volksbank China hat in diesem Jahr die wichtigsten Leitzinsen und die Mindestreserveanforderungen der Banken gesenkt, doch ein leichterer und günstigerer Kredit hat die Kreditnachfrage bislang nicht wiederhergestellt.
- •Die Zahlen nähren Zweifel an der Widerstandsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft; im Fokus stehen nun die Entwicklung der Kreditaufnahme der Haushalte, die Daten zur gesamten Sozialfinanzierung sowie die Frage, ob die Politik weitere Unterstützung für Konsum und Immobilienmarkt liefert.

Chinas neue Bankkredite sind im Juli erneut zurückgegangen – zum zweiten Mal in diesem Jahr – und schrumpften um 340 Milliarden Yuan, wie die neuesten monatlichen Kreditdaten zeigen. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück, die einen Anstieg der Neuvergabe um 45 Milliarden Yuan prognostiziert hatten. Damit handelt es sich um den zweiten monatlichen Rückgang der neuen Bankkredite in diesem Jahr nach einem früheren Einbruch im April.
Die neuen Yuan-Kredite beliefen sich im Zeitraum von Januar bis Juli auf insgesamt 10,38 Billionen Yuan – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 12,88 Billionen, die in den gleichen sieben Monaten des Vorjahres verbucht wurden. Mit dem Rückgang im Juli sind Chinas neue Bankkredite nun in zwei aufeinanderfolgenden Juli-Monaten gesunken.
Diese Zahlen haben eine weit über den Bankensektor hinausreichende Bedeutung. In Chinas bankenlastigen Finanzsystem gehören die monatlichen Kreditdaten der Volksbank China zu den aktuellsten Gradmessern der Binnennachfrage, und als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt fließen Schwankungen im chinesischen Kreditzyklus in den globalen Handel und die Rohstoffnachfrage ein.
Der Rückgang dürfte zwar teilweise auf saisonale Faktoren zurückzuführen sein, doch die schwache Kreditnachfrage der Haushalte bleibt eine erhebliche Bürde für die Kreditvergabe in der chinesischen Wirtschaft. Die Krise auf dem Immobilienmarkt – ein Abschwung, der auf eine Welle von Zahlungsausfällen von Immobilienentwicklern seit 2021 zurückgeht – hatte bereits zu einer Verlangsamung der Kreditnachfrage beigetragen, und der Einbruch der kurzfristigen Kreditaufnahme der Haushalte hat in den vergangenen Monaten zunehmend an Kontur gewonnen. Die Volksbank China hat in diesem Jahr ihre Geldpolitik gelockert und sowohl die wichtigen Leitzinsen als auch den Anteil der Einlagen gesenkt, den Banken als Reserve halten müssen; ein leichterer und günstigerer Kredit hat die Kreditnachfrage jedoch bislang nicht wiederbelebt.
Die jüngsten Zahlen werfen einmal mehr Zweifel an der Widerstandsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft auf, während die aggregierten Spitzenzahlen weiterhin signalisieren, dass „alles in Ordnung“ sei. Ob der Rückgang der kurzfristigen Kreditaufnahme der Haushalte anhält, wird in den kommenden Monaten ein zentrales Beobachtungsthema sein – ebenso wie die umfassenderen Daten zur gesamten Sozialfinanzierung sowie die Frage, ob die Entscheidungsträger, die die Ankurbelung des Konsums und die Stabilisierung des Immobilienmarktes zu erklärten Prioritäten gemacht haben, weitere Unterstützung liefern.
Quelle: Investinglive