BNZ erwartet RBNZ-Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 2,75% im September – Straffung über die offizielle Prognose hinaus
Wichtige Erkenntnisse
- •Die BNZ erwartet, dass die RBNZ den offiziellen Leitzins auf ihrer Geldpolitischen Erklärung im September um 25 Basispunkte auf 2,75% anhebt.
- •Die Märkte preisen bereits eine Wahrscheinlichkeit von 94% für eine Zinserhöhung im September ein, wodurch das Überraschungspotenzial der Entscheidung selbst begrenzt ist.
- •Die BNZ geht davon aus, dass die RBNZ stärker straffen muss, als ihre aktuelle Prognose nahelegt; die interne Einschätzung der Bank sieht einen Höchststand des Leitzinses von 4,0% bis Mai 2027.
- •Die BNZ prognostiziert für das Septemberquartal einen jährlichen Anstieg des Verbraucherpreisindex von 3,7% und erwartet, dass die Inflation bis Mitte 2027 über dem Zielband bleibt.
- •Die Einzelhandelsumsätze sanken im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,5%, doch die Kernumsätze ohne Autohandel stiegen dennoch um 0,7%, und die BNZ erwartet im Septemberquartal eine Erholung.

Die BNZ erwartet, dass die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) den offiziellen Leitzins (Official Cash Rate) auf ihrer Geldpolitischen Erklärung (Monetary Policy Statement) im September um 25 Basispunkte auf 2,75% anhebt. Den Schritt bezeichnet die Bank angesichts der bereits eingepreisten 94-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung an den Märkten als praktisch beschlossene Sache. Da eine Viertelpunkt-Erhöhung auf der Sitzung am 2. September im Grunde bereits feststeht, ist das Überraschungspotenzial der Entscheidung selbst nach BNZ-Einschätzung begrenzt; der Fokus verlagert sich darauf, wie die RBNZ den geldpolitischen Pfad danach darstellt – zumal die Notenbank eine weiterhin erhöhte Inflation mit Anzeichen ungleichmäßiger Nachfrage in Teilen der Wirtschaft in Einklang bringen muss. Die BNZ ist der Ansicht, dass die RBNZ letztlich stärker und schneller straffen muss, als ihre eigene Kommunikation derzeit nahelegt.
Weitere Straffung über den September hinaus erwartet
Erwartet wird, dass die RBNZ signalisiert, dass weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich sind, bis der Leitzins das neutrale Niveau erreicht oder übersteigt, mit einem ausgewiesenen Höchststand von rund 3,5%. Die interne Prognose der BNZ fällt aggressiver aus: Demnach steigt der Leitzins bei jeder Sitzung um 25 Basispunkte, bis er bis Mai 2027 4,0% erreicht. Für die Märkte ist die entscheidende Bewertungsfrage, ob die Sitzungen im Oktober und Dezember beide ein reales Risiko einer Zinserhöhung bergen, wobei Futures derzeit über diese beiden Sitzungen hinweg nur eine weitere Bewegung einpreisen. Zudem verweist die BNZ auf eine wachsende Lücke zwischen ihren eigenen Inflationsprognosen und den Projektionen der RBNZ, die eine aggressivere Kommunikation erzwingen könnte, als die Märkte derzeit erwarten.
Inflation dürfte bis Mitte 2027 über dem Ziel bleiben
Im Kern der BNZ-Einschätzung steht die Formulierung der RBNZ aus dem Juli, dass eine weitere Reduzierung der geldpolitischen Stimulierung wahrscheinlich erforderlich sei, um die Inflation wieder auf das Zielniveau zurückzuführen. Die BNZ prognostiziert für das Septemberquartal einen jährlichen Anstieg des Verbraucherpreisindex (CPI) von 3,7% – deutlich über der eigenen Juli-Projektion der RBNZ von 3,3% – und erwartet, dass die Inflation bis Mitte 2027 oberhalb des Zielbandes bleibt, wobei das Wachstum mindestens so stark verläuft wie erwartet. Die Ölpreise liegen zwar unter ihrem Höchststand, sind seit unmittelbar vor der Juli-Kommentierung der RBNZ jedoch um 12% gestiegen, was einen Teil der entlastenden Disinflationseffekte, auf die sich die Notenbank gestützt hatte, wieder schmälert. Dies ist für den geldpolitischen Ausblick relevant, da anhaltender Preisdruck die Debatte in der Regel darauf fokussiert, ob die aktuelle Straffung ausreicht, und nicht darauf, wann eine Lockerung beginnen könnte.
Risiken neigen leicht nach unten
Die BNZ hat Risiken in beide Richtungen benannt, stuft die Abwärtsrisiken jedoch als etwas ausgeprägter ein. Zum Abwärtsszenario zählen eine mögliche El-Niño-bedingte Rezession, wahlbedingte Verzögerungen der Erholung sowie eine breitere Korrektur der globalen Vermögenspreise. Bei den Aufwärtsrisiken verwies die BNZ auf die Möglichkeit, dass struktureller Inflationsdruck unabhängig von den Reaktionen der Notenbanken weiter zunimmt, sowie auf ein schwächeres Produktionswachstum.
Arbeitsmarktstärke dürfte die RBNZ auf Kurs halten
Zum Arbeitsmarkt erklärte die BNZ, dass der einzige plausible Grund für eine Pause der RBNZ eine höhere Arbeitslosenquote wäre; da Beschäftigung und Lohnwachstum jedoch jeweils etwas stärker verlaufen als erwartet, sieht sie darin keine ausreichende Veranlassung zur Zurückhaltung. Die BNZ erwartet, dass die Daten am Freitag für das dritte Quartal einen Beschäftigungszuwachs von 0,4% zeigen werden – den höchsten Wert seit elf Quartalen –, was ausreicht, um den Anstieg der Arbeitslosenquote zu stoppen. Ein weicherer Wert bei der Arbeitslosenquote dürfte die RBNZ demzufolge kaum von ihrem Kurs abbringen. Mit anderen Worten: Die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarkts bleibt einer der Indikatoren, die die Notenbank kurzfristig voraussichtlich auf die Inflationsrisiken fokussiert halten.
Einzelhandelsumsätze schwächen sich bei sinkenden Kraftstoffmengen ab
Der Konsum zeigte im zweiten Quartal ein gemischtes Bild. Die Einzelhandelsumsätze sanken im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,5%, wodurch sich das Jahreswachstum auf 3,3% verlangsamte, belastet durch einen Rückgang der Kraftstoffmengen um 13,1%. Die Kernumsätze ohne Autohandel legten dennoch solide um 0,7% zu, und die BNZ erwartet für das Septemberquartal eine gewisse Erholung, da die Kraftstoffkosten weiter zurückgehen.
Quelle: BNZ-Vorschau via ForexLive