Analysten bewerten, ob Bitcoins Rally über 70.000 US-Dollar real oder eine Falle ist
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Analysten führten Bitcoins Anstieg über 70.000 US-Dollar auf die Zwangsliquidation von rund 2,6 Milliarden US-Dollar an Short-Positionen zurück – ein Squeeze, der nach ihren Angaben allein keinen Bullenmarkt tragen würde.
- •Nettozuflüsse von mehr als einer halben Milliarde US-Dollar in Spot-Bitcoin-ETFs wurden als positives Nachfragesignal gewertet, wobei die Spanne von 65.000 bis 67.000 US-Dollar im Falle eines Rücksetzers als potenzielle Unterstützung gesehen wird.
- •US-Finanzminister Scott Bessent kündigte an, dass die Vereinigten Staaten ihre Anleiherückkaufoperationen verdoppeln werden – ein Schritt, den Analysten als vertrauensstärkendes Liquiditätssignal und nicht als direkte monetäre Ausweitung betrachteten.
- •Das ETH/BTC-Verhältnis von Ethereum hat sich deutlich erholt und aufgrund von Staking-Belohnungen teilweise institutionelles Interesse geweckt, während Analysten eine Divergenzphase erwarten, in der nur Altcoins mit echten Anwendungsfällen und Liquidität überleben.
- •Angesichts anhaltender Inflationsdrucke und geopolitischer Risiken schlossen die Analysten eine Zinserhöhung in den USA nicht aus und verwiesen auf jüngste Maßnahmen der Notenbanken in Großbritannien, Japan und Australien.

Angesichts turbulenter Bedingungen auf dem Kryptowährungsmarkt kamen führende Marktpersönlichkeiten in einer von dem renommierten Analysten Benjamin Cowen moderierten Sendung zusammen, um Bitcoins Anstieg über 70.000 US-Dollar auf das Niveau von 72.000 US-Dollar zu untersuchen.
Die Diskussion – mit Benjamin Cowen, Guy und Rob – behandelte die Dynamik hinter dem steilen Anstieg der führenden Kryptowährung, makroökonomische Faktoren sowie kritische Prognosen zur Zukunft der Märkte.
Short-Liquidationen trieben den Anstieg
Den Aussagen der Analysten zufolge spielte die Liquidation von Short-Positionen eine wesentliche Rolle bei dem Anstieg. Liquidationen erfolgen, wenn gehebelte Trader, die auf fallende Kurse setzen, bei steigenden Märkten gezwungen sind, ihre Positionen zu schließen; die daraus resultierende Welle erzwungener Käufe kann die Bewegung verstärken – weshalb die Analysten zwischen squeeze-getriebenen Kursspitzen und Rallyes unterschieden, die von organischer Nachfrage getragen werden. Der rasche Kursanstieg wurde auf die Auslösung von Short-Positionen im Wert von rund 2,6 Milliarden US-Dollar innerhalb kurzer Zeit zurückgeführt, wobei die Analysten anmerkten, dass dies allein nicht ausreichen würde, um einen nachhaltigen Bullenmarkt einzuleiten.
Analyst Guy wies darauf hin, dass die Tiefstkurse wahrscheinlich hinter uns liegen, eine nachhaltige Rallye jedoch starke Käufe am Spotmarkt und keinen Squeeze am Derivatemarkt erfordert. Der Netto-Kapitalzufluss von mehr als einer halben Milliarde US-Dollar in Spot-Bitcoin-ETFs – Fonds, die im Januar 2024 von US-Aufsichtsbehörden zugelassen wurden und seither ein zentraler Kanal für institutionelle Bitcoin-Exposure sind, deren tägliche Zuflüsse als Barometer der Nachfrage verfolgt werden – wurde als positive Entwicklung gewertet. Im Falle eines möglichen Rücksetzers könnte die Spanne von 65.000 bis 67.000 US-Dollar, die zuvor als Widerstand fungierte, nun zu einer starken Unterstützung werden.
Liquiditätsmaßnahme des US-Finanzministeriums beruhigt die Märkte
Die Ankündigung von US-Finanzminister Scott Bessent, dass die Vereinigten Staaten im Rahmen ihres Liquiditätsförderungsprogramms ihre Anleiherückkaufoperationen verdoppeln werden, stieß auf eine starke Marktreaktion. Im Rahmen von Rückkaufprogrammen kauft das Finanzministerium ältere, weniger liquide ausstehende Wertpapiere zurück und erleichtert damit die Bedingungen am größten Staatsanleihenmarkt der Welt – ein Kanal, der die Liquidität stützt, ohne dass die Federal Reserve ihre Bilanz formell ausweitet. Die Analysten erklärten, dass dieser Schritt zwar keine direkte monetäre Ausweitung darstellte, aber ein wichtiges Interventionssignal bot, das Vertrauen in den Markt schuf.
Angesichts der gewaltigen US-Staatsschuld, die sich 40 Billionen US-Dollar nähert, und anhaltender globaler geopolitischer Spannungen sind Anleger jedoch weiterhin zu Sachwerten übergegangen, um der Entwertung von Fiat-Währungen entgegenzuwirken – ein Trend, der den gleichzeitigen Anstieg der Kurse von Bitcoin und Gold stützt.
Ethereum-Erholung und Altcoin-Divergenz
Auch die Situation am Ethereum- und Altcoin-Markt stand im Blickfeld der Analysten. Sie stellten fest, dass das Verhältnis von Ethereum zu Bitcoin (ETH/BTC) – eine von Tradern weithin beobachtete Kennzahl für die relative Stärke von Ethereum gegenüber der größten Kryptowährung – in den letzten Wochen eine deutliche Erholung verzeichnet hat und dass institutionelle Anleger Interesse an Ethereum zeigen, insbesondere wegen der Möglichkeiten zu passivem Einkommen (Staking), die es Inhabern ermöglichen, ihr ETH zu sperren, um zur Absicherung des Netzwerks beizutragen und dafür Belohnungen zu erhalten.
Gleichzeitig schätzten die Analysten ein, dass die allgemeine Rallyephase – in der alle Altcoins wie in vergangenen Zyklen gleichzeitig stiegen – möglicherweise vorbei ist und der Markt in eine Divergenzphase eintritt, in der nur Projekte mit echten Anwendungsfällen und Liquidität überleben werden.
Ausblick auf die Zinspolitik der Fed
Abschließend wiesen die Analysten, die ihre Erwartungen zur Zinspolitik der Fed teilten, darauf hin, dass Inflationsdruck und geopolitische Risiken noch nicht vollständig verschwunden sind. Sie fügten hinzu, dass die Möglichkeit einer Zinserhöhung in den USA – parallel zu Maßnahmen der Notenbanken in Ländern wie Großbritannien, Japan und Australien – nicht vollständig ausgeschlossen werden sollte. Für die Kryptomärkte bleibt der Kurs der Fed neben Inflationsdaten und den in der Sendung erörterten Liquiditätsmaßnahmen des Finanzministeriums eine der am genauesten beobachteten Makrovariablen.
*Dies ist keine Anlageberatung.
Quelle: en.bitcoinsistemi.com