Bitcoin-ETF-Zuflüsse steigen, während Coldcard-Hack die Verwahrungsdebatte anheizt
Wichtige Erkenntnisse
- •US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten nach dem Coldcard-Exploit Zuflüsse von rund $620 million, ohne dass ein direkter Zusammenhang zu betroffenen Wallet-Nutzern belegt ist.
- •Der Coldcard-Angriff soll 5,200 Adressen betroffen und schätzungsweise 1,816 BTC im Wert von etwa $116 million entwendet haben; damit wäre er der drittgrößte Krypto-Hack des Jahres 2026.
- •TRM Labs meldete, dass Angreifer 64.9 BTC und 200 ETH in die Mixer Wasabi und Tornado Cash eingezahlt haben, während der Großteil der gestohlenen Gelder weiter zusammengeführt wird.
- •Bloomberg-Analyst Eric Balchunas argumentierte, dass große TradFi-Institutionen, die Crypto-ETFs anbieten, nach Sicherheitsvorfällen mehr Vertrauen genießen könnten als kleine Hardware-Wallet-Entwickler.
- •TRM Labs betonte, dass Self-Custody Risiken nur verlagert und nicht vollständig beseitigt, was die Verwahrungsdebatte weiter befeuert.

US-Spot-Bitcoin-Exchange-Traded Funds verzeichneten nach dem Coldcard-Hardware-Wallet-Exploit Zuflüsse von rund $620 million, wie Bloomberg Senior ETF Analyst Eric Balchunas mitteilte.
Coldcard, hergestellt vom kanadischen Unternehmen Coinkite, ist ein beliebtes Hardware-Wallet unter Bitcoin-Haltern, die Selbstverwahrung bevorzugen. Der Exploit hat die seit Langem bestehende Spannung in der Krypto-Community zwischen der Verwaltung eigener privater Schlüssel und der Nutzung regulierter Intermediäre erneut in den Fokus gerückt. Seit dem Start der US-Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 bieten sie Anlegern ein BTC-Exposure ohne eigenes Key-Management — ein Modell, das angesichts des Vorfalls von einigen als sicherere Alternative betrachtet wird.
Balchunas verwies in einem Beitrag auf X auf das Timing und deutete an, dass beide Entwicklungen zusammenhängen könnten. Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass Coldcard-Nutzer die ETF-Zuflüsse direkt verursacht haben. Die Zuflusszahl bezieht sich auf Flows nach dem Exploit und nicht auf Transfers, die betroffenen Wallet-Inhabern zugeordnet werden konnten.
Balchunas hatte zuvor argumentiert, dass Sicherheitsbedenken einige Bitcoin-Halter dazu veranlassen könnten, Self-Custody zu überdenken und sich Crypto-ETFs zuzuwenden. Der Krypto-Unternehmer Nic Carter erklärte ebenfalls, dass einige Nutzer zu institutioneller Verwahrung wechseln könnten. Gleichzeitig deuten starke Ethereum-ETF-Zuflüsse im selben Zeitraum darauf hin, dass auch eine breitere institutionelle Nachfrage den Trend unterstützt haben könnte.
Balchunas verbindet Bitcoin-ETF-Nachfrage mit Coldcard-Hack
Balchunas sagte, die Hinwendung zu einem Bitcoin-ETF statt zu Self-Custody werde vor allem von Sicherheitsbedenken getrieben. TradFi-Institutionen, die Crypto-ETFs anbieten, seien große Unternehmen, denen Kunden möglicherweise mehr Vertrauen entgegenbrächten als Entwicklern von Cold Wallets.
“Who are you gonna trust to not screw up the security of your bitcoin (or get it back if some scumbag does mess with it): a 5-man boutique in Canada or this guy and his 25,000-employee, $15T by-the-book empire?” schrieb er.
Zugleich verteidigte der ETF-Experte Crypto-ETFs und betonte, dass sie dem anti-establishment Ethos von Bitcoin nicht widersprechen. Balchunas beschrieb ETFs als „lean and mean“, also schlank und effizient, und als klar vom Wall Street-Sektor getrennt, obwohl sie weiterhin Teil des traditionellen Finanzsystems seien. Seiner Ansicht nach bedeutet die Nutzung eines Bitcoin-ETFs keinen Ausverkauf.
Die Debatte über Verwahrung ist in der Krypto-Branche wiederholt aufgekommen, insbesondere nach den prominenten Zusammenbrüchen zentralisierter Plattformen wie FTX im Jahr 2022 und dem Kollaps von Börsen-verwahrten Anbietern, bei denen Nutzer keinen Zugriff mehr auf ihre Gelder hatten. Diese Ereignisse bewegten viele Nutzer zuvor zu Self-Custody-Lösungen wie Hardware-Wallets — derselben Kategorie, die nun im Zentrum des Coldcard-Vorfalls steht.
Er räumte jedoch ein, dass Crypto-ETFs nur für einfaches langfristiges Investieren geeignet seien. Ein Bitcoin-ETF helfe laut ihm nicht dabei, BTC zur Umgehung von Zensur oder für Transaktionen zu nutzen, was er ebenfalls als wichtige Anwendungsfälle ansieht.
Coldcard-Hacker beginnen mit dem Waschen gestohlener Gelder
Auch wenn es bislang keine Daten gibt, die Balchunas’ Theorie stützen, scheinen einige der Täter hinter dem Coldcard-Vorfall bereits damit begonnen zu haben, gestohlene Gelder zu waschen. Nach Angaben von TRM Labs wurden 64.9 BTC und 200 ETH in die Krypto-Mixer Wasabi bzw. Tornado Cash eingezahlt.
Das ist nur ein kleiner Bruchteil der geschätzten 1,816 BTC im Wert von rund $116 million, die Berichten zufolge von 5,200 Adressen gestohlen wurden. Die genaue Schadenshöhe ist weiterhin unklar, doch der Vorfall ist bereits der drittgrößte Hack des Jahres 2026.
Die Analyse von TRM Labs zeigt bislang, dass die meisten Mittel noch zusammengeführt werden, was darauf hindeutet, dass die Hacker noch überlegen, wie sie die Gelder bewegen sollen. Das unterscheide sich von professionellen Hackergruppen, die in der Regel innerhalb von Stunden oder Tagen nach dem Diebstahl mit dem Waschen beginnen.
Die Blockchain-Sicherheitsfirma sagte zudem, der Vorfall bestätige erneut, dass Self-Custody Risiken nur verlagere, sie aber nicht vollständig beseitige.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungsmärkte sind hochvolatil. Leser sollten vor Anlageentscheidungen eigene Recherchen durchführen und einen lizenzierten Finanzberater konsultieren.