Bitcoin übersteigt 75.000 US-Dollar – Trump wirbt für den Clarity Act, Finanzministerium verdoppelt Anleihenrückkäufe
Wichtige Erkenntnisse
- •Bitcoin hatte seit dem Frühjahr zwischen 60.000 und 70.000 US-Dollar gehandelt, bevor der Kurs diese Woche über 75.000 US-Dollar ausbrach.
- •Der Clarity Act passierte 2025 das Repräsentantenhaus, bleibt im Senat aber blockiert; eine Verfahrensabstimmung über die Eröffnung der Debatte ist für den 15. September angesetzt.
- •Das US-Finanzministerium erhöht die Rückkäufe längerlaufender Staatsanleihen auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Operation, zuvor lag das Maximum bei 2 Milliarden US-Dollar.
- •US-Spot-Bitcoin-ETFs zogen an einem Tag 517 Millionen US-Dollar und in der Woche bis zum 20. August rund 1 Milliarde US-Dollar netto an.
- •Die Rallye wurde durch eine Liquidationswelle von rund 3 Milliarden US-Dollar und breitere Kursgewinne bei den großen Kryptowährungen verstärkt.

Eine Bitcoin-Rallye von rund 9 % innerhalb von 24 Stunden hat die Kryptowährung über die Marke von 75.000 US-Dollar gehoben; der Kurs erreichte diese Woche rund 76.400 US-Dollar. Der Anstieg wurde durch Donald Trumps Vorstoß für ein US-Gesetz zur Marktstruktur sowie durch die Entscheidung des US-Finanzministeriums angetrieben, die Rückkäufe längerlaufender Staatsanleihen zu verdoppeln.
Der Clarity Act ist der zentrale US-Gesetzentwurf zur Marktstruktur für digitale Assets. Er würde festlegen, welche Krypto-Assets als Wertpapiere und welche als Rohstoffe eingestuft werden. Zudem würde er die Zuständigkeiten zwischen der SEC und der CFTC aufteilen und ein bundesweites Aufsichtsrahmenwerk schaffen. Der Gesetzentwurf passierte 2025 bereits das Repräsentantenhaus, ist seither jedoch im Senat blockiert. Mitte August empfing Trump die Chefs großer Krypto-Firmen und Börsenbetreiber im Weißen Haus und brachte damit ein seit Langem schwelendes Regulierungsthema zurück vor Wall Street und Washington.
Bitcoin hatte seit dem Frühjahr zwischen 60.000 und 70.000 US-Dollar gehandelt, bevor der Kurs diese Woche ausbrach. Der Schritt des Finanzministeriums zu Anleihenrückkäufen lieferte einen weiteren Katalysator. Jede Operation umfasst künftig mindestens 4 Milliarden US-Dollar, zuvor lag das Maximum bei 2 Milliarden US-Dollar.
Trumps Krypto-Gipfel bringt den Clarity Act auf die Agenda
Das Treffen im Weißen Haus führte führende Persönlichkeiten der US-Kryptoindustrie zusammen. Coinbase-CEO Brian Armstrong nahm teil, ebenso Kraken-Co-CEO Arjun Sethi. Ripple-CEO Brad Garlinghouse und Chainlink-Labs-CEO Sergey Nazarov waren ebenfalls anwesend, während die Gemini-Mitgründer Cameron und Tyler Winklevoss Einladungen erhielten. Aus dem traditionellen Börsensektor kamen Nasdaq-CEO Adena Friedman und ICE-Chef Jeffrey Sprecher hinzu. SEC-Vorsitzender Paul Atkins und CFTC-Vorsitzender Mike Selig nahmen ebenfalls teil.
Das Gesetz würde den Behörden der Anwesenden neue Zuständigkeiten übertragen – ein Beleg dafür, wie eng Kryptobörsen und traditionelle Marktinfrastruktur inzwischen verzahnt sind. Trump nutzte die Veranstaltung, um öffentlich Druck auf den Kongress auszuüben, verknüpfte den Gesetzentwurf mit dem Wettbewerb mit China und forderte eine schnelle Abstimmung im Senat. Die Demokraten blockieren eine Abstimmung jedoch.
"Wir brauchen den Kongress, um den nächsten Schritt zu gehen und den Clarity Act zu verabschieden – eine faire Version des Clarity Act. Es ist ein sehr, sehr starkes, gut strukturiertes Gesetz, das uns vor China und allen anderen hält." - Donald Trump, US-Präsident
Die Märkte reagierten dennoch sofort. Am Tag vor dem Treffen notierte Bitcoin bei rund 68.000 US-Dollar. Später stieg der Kurs auf 72.000 US-Dollar und in den folgenden Handelstagen über 75.000 US-Dollar. Bemerkenswert ist, dass der Anstieg bislang allein auf einer Absichtserklärung beruht und nicht auf einer formellen Entscheidung aus Washington – die Märkte preisen damit eine Gesetzgebung ein, die es noch gar nicht gibt.
Anleihenrückkäufe lindern Zinssorgen
Der zweite Treiber kam nicht aus der Kryptopolitik, sondern vom Anleihenmarkt. Am selben Tag kündigte das US-Finanzministerium an, seine Rückkäufe längerlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Bei einem Rückkauf kauft der Staat eigene ausstehende Anleihen am Sekundärmarkt zurück. Dadurch sinkt das ausstehende Volumen in den betroffenen Laufzeiten, was die Kurse stützt.
Künftig setzt das Finanzministerium pro Operation mindestens 4 Milliarden US-Dollar ein. Zuvor lag die maximale Größe des Programms bei 2 Milliarden US-Dollar. Das Zeitfenster für die Rückkäufe läuft vom 9. September bis zum 4. November.
Das Timing war bemerkenswert. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen hatte ihr höchstes Niveau seit rund zwei Jahrzehnten erreicht – Werte, die zuletzt vor der Finanzkrise zu beobachten waren. Dieser Markt gilt als Gradmesser für langfristige Inflations- und Verschuldungserwartungen. Steigende Langfristzinsen verteuern die Staatsfinanzierung und belasten zinsempfindliche Anlagen. Nach der Ankündigung gab die Rendite zunächst um rund 10 Basispunkte nach, um am Folgetag wieder anzusteigen.
Für die Kryptomärkte zählt das Signal hinter der Bewegung mehr als die unmittelbare Zinsänderung. Wenn ein Finanzministerium am langen Ende der Zinskurve eingreift, lockern sich die Finanzierungsbedingungen indirekt. Für institutionelle Anleger bleibt das relevant, denn sinkende Renditen auf sichere Staatsanleihen erhöhen die relative Attraktivität volatiler Anlagen. Die Rückkäufe beginnen erst im September, ihre Wirkung auf die Zinskurve steht also noch aus.
Institutionelles Geld bestätigt die Bitcoin-Rallye
Der Anstieg beruhte nicht allein auf Futures-Spekulation. Am Tag des Treffens im Weißen Haus flossen 517 Millionen US-Dollar in die US-Spot-Bitcoin-ETFs – der größte tägliche Zufluss seit Anfang Mai. Auf BlackRocks IBIT entfielen 284,7 Millionen US-Dollar. Einen Tag später folgten weitere 606 Millionen US-Dollar. In der Woche bis zum 20. August nahmen die Fonds insgesamt rund 1 Milliarde US-Dollar netto ein – der stärkste wöchentliche Zufluss seit Mitte Januar.
Zuflüsse in Spot-ETFs gelten als Indikator für reguliertes Kapital, da die Fonds die Coins physisch halten müssen. Hebelte Futures-Positionen lassen sich hingegen innerhalb weniger Stunden glattstellen.
Auch kryptobezogene Aktien legten zu. Strategy gewann am Tag des Treffens rund 13 % und am Folgetag weitere 9 %. Coinbase stieg zunächst um 11 % und anschließend um weitere 6 bis 8 %. Beide Aktien entwickelten sich damit stärker als der Bitcoin-Kurs. Die japanische Bitcoin-Treuhandgesellschaft Metaplanet hielt Mitte August rund 43.000 BTC und meldete für die erste Jahreshälfte 2026 einen Bitcoin-Ertrag von 9,6 %.
Ein Teil der Bewegung ging zudem auf erzwungene Positionsauflösungen zurück. Der Kursanstieg löste eine Liquidationswelle von rund 3 Milliarden US-Dollar aus. Derartige Kaskaden können Bewegungen in beide Richtungen verstärken. Zugleich griff die Risikofreude weiter auf den Kryptomarkt über: XRP legte 17,7 % zu, Cardano 13,1 % und Dogecoin 11,5 %. Ether stieg um 5,6 %, Solana um 6,2 % und BNB um 6,7 %.
Clarity Act bleibt im Senat blockiert
Vorerst existiert der regulatorische Auslöser der Rallye nur als Entwurf. Ursprünglich sollte der Senat vor der Sommerpause über den Clarity Act abstimmen, doch Anfang August verschob die Kammer den Termin – wegen eines Streits über Ethikregeln und des Widerstands aus dem Bankensektor. Gleichwohl eröffnete der Senat im selben Monat die erste Verfahrensstufe. Eine Verfahrensabstimmung über die Eröffnung der Debatte ist für den 15. September angesetzt. Über den Inhalt des Gesetzes entscheidet diese Abstimmung noch nicht.
Ohne ein Bundesgesetz bleibt die Einordnung einzelner Tokens Sache der Aufsichtsbehörden. Die Erfolgsaussichten haben sich seit der Verschiebung zudem verschlechtert. Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket preisen eine Verabschiedung in diesem Jahr derzeit mit 16 bis 24 % – zuvor lag der Kalshi-Kurs bei 25 %. Die Halbzeitwahlen im November verkürzen zudem das verbleibende Zeitfenster im Senat.
Vorerst hat Trumps Auftritt die Diskussion verändert – nicht aber die Mehrheiten im Kongress.