Binance von Rekord-Hack in Höhe von 6,3 Mrd. USD getroffen – der größte in der Krypto-Geschichte
Wichtige Erkenntnisse
- •Mit einem geschätzten Verlust von 6,3 Mrd. USD ist der Angriff auf Binance der größte Krypto-Hack aller Zeiten und übertrifft den Diebstahl von 1,5 Mrd. USD bei Bybit im Februar 2025 rund um den Faktor 4,2.
- •Erste Erkenntnisse deuten auf einen kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs als mögliches Einfalltor hin; Binance meldet keine Hinweise auf einen Leak der Private Keys.
- •Stablecoin-Emittenten haben rund 2,4 Mrd. USD der Beute eingefroren, davon Tether etwa 1,57 Mrd. USD und Circle etwa 823 Mio. USD; rund 3,3 Mrd. USD bleiben unauffindbar.
- •TRM Labs und Chainalysis schreiben den Angriff mit hoher Wahrscheinlichkeit der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zu; anders als im Fall Bybit liegt bisher kein Behördenbefund vor.
- •Binance hat die Abhebungen ausgesetzt, den Handel auf Binance Alpha mit möglichem Neustart binnen 48 Stunden pausiert und zugesagt, alle Verluste aus dem SAFU-Fonds und Unternehmensmitteln zu decken.

Der Hack von Binance, der auf nominal 6,3 Mrd. USD geschätzt wird, ist der größte Angriff in der Geschichte der Kryptowährungen und mehr als viermal so groß wie der bisherige Rekord von Bybit. Als Reaktion hat die Börse die Abhebungen ausgesetzt und erklärt, alle Verluste selbst tragen zu wollen.
Binance betreibt eine zentralisierte Krypto-Börse, die den Handel mit digitalen Assets mit der Verwahrung von Kundengeldern verbindet. Anders als bei dezentralen Protokollen liegen die Einlagen in Wallets, die das Unternehmen selbst kontrolliert. 2023 bekannte sich die Plattform in den USA schuldig, gegen Anti-Geldwäscherei-Vorschriften verstoßen zu haben, und zahlte eine Strafe von 4,3 Mrd. USD. Gründer Changpeng Zhao trat zurück; 2025 begnadigte ihn der US-Präsident.
Die Börse hatte bereits 2019 rund 7.000 BTC durch einen Hack einer Hot Wallet – eine mit dem Internet verbundene Wallet, im Gegensatz zur Offline-Kühllagerung – verloren, als die Münzen etwa 40 Mio. USD wert waren. Der Notfallfonds SAFU (Secure Asset Fund for Users) deckte den Schaden damals vollständig. Binance bezeichnet die aktuelle Zahl von 6,3 Mrd. USD jedoch als Schätzung der Auswirkungen und nicht als bestätigte gestohlene Summe. On-Chain hat das Analyseunternehmen Arkham zudem knapp 6 Mrd. USD in Bitcoin, Ether, Solana und Stablecoins 55 Adressen zugeordnet.
Der Binance-Hack übertrifft Bybit um den Faktor 4,2
Den bisherigen Rekord hielt Bybit. Im Februar 2025 entnahmen Angreifer aus einer seiner Cold Wallets rund 1,5 Mrd. USD in Ether, womit die Binance-Schätzung rund 4,2-mal so hoch ist. Bei Bybit war das Einfallstor eine kompromittierte Software-Supply-Chain bei SafeWallet. Wenige Tage später schrieb das FBI den Angriff Nordkorea zu und bezeichnete die Aktivität als TraderTraitor.
Insgesamt erbeuteten Angreifer 2025 laut Daten von TRM Labs in rund 150 Angriffen etwa 2,9 Mrd. USD. Der alleinige Schaden bei Binance liegt damit mehr als doppelt so hoch über dieser Jahressumme. Im Vergleich wirken die nächstgrößeren Fälle wie Ronin, Poly Network und Coincheck mit rund 530 bis 620 Mio. USD klein.
Mehrere der großen Fälle trafen Blockchain-Protokolle statt Börsen. Im März 2022 flossen aus Ronin, der Blockchain hinter dem Spiel Axie Infinity, Mittel im Wert von fast 620 Mio. USD ab, und das US-Finanzministerium machte Nordkoreas Lazarus Group verantwortlich. Bei Poly Network kostete eine Schwachstelle zwischen mehreren Blockchains im August 2021 rund 610 Mio. USD, wobei die Angreifer fast die gesamte Beute zurückgaben. Der BNB-Chain-Exploit im Oktober 2022 liegt mit rund 570 Mio. USD nominal in derselben Größenordnung, wenngleich Binance-Gründer Zhao den Abfluss damals auf nur rund 100 Mio. USD schätzte. Wormhole verlor im Februar 2022 rund 320 Mio. USD; Jump Crypto, der Krypto-Arm von Jump Trading, ersetzte die Mittel später.
Unter den Börsen verlor Coincheck im Januar 2018 rund 530 Mio. USD in der Kryptowährung NEM aus einer Hot Wallet. Bitget meldete erst im September 2026 einen Abfluss von mehr als 350 Mio. USD aus Hot und Warm Wallets. Mt. Gox bezifferte seine Verluste auf rund 850.000 BTC, die zwischen 2011 und 2014 verschwanden und damals etwa 450 bis 500 Mio. USD wert waren. Die Börse meldete schließlich Anfang 2014 Insolvenz und fand kurz darauf rund 200.000 BTC in einer alten Wallet.
Alle genannten Beträge spiegeln die Dollarwerte zum jeweiligen Zeitpunkt wider, der Vergleich ist daher rein nominal. Bewertet zu heutigen Bitcoin-Preisen läge der Verlust der insolventen Börse viele Male über der Binance-Schätzung. Bybit, Coincheck, Bitget und Mt. Gox waren ebenfalls zentralisierte Börsen, doch keine von ihnen verlor auch nur annähernd so viel wie Binance in nominaler Hinsicht.
Ein kompromittierter Laptop als mögliches Einfallstor
Nach ersten Erkenntnissen könnten die Angreifer über einen kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs Zugriff auf einen Service-Container erhalten haben – eine isolierte Softwareumgebung, in der einzelne Dienste der Plattform laufen. Von dort konnten die Angreifer vermutlich unberechtigte Abhebungen auslösen. Wie sie den Computer übernahmen, ist weiterhin unklar.
Binance erklärte, keine Hinweise auf einen Leak der Private Keys der Wallets gefunden zu haben. Die Börse widerruf die Autorisierung der betroffenen Adresse und schaltete Strafverfolgungsbehörden sowie Blockchain-Analysefirmen ein. Zudem kündigte sie eine detaillierte technische Analyse des Vorfalls und einen aktualisierten Proof of Reserves an, den Nachweis, mit dem Börsen belegen, dass sie die behaupteten Kundengelder tatsächlich halten.
TRM Labs schreibt den Angriff mit hoher Wahrscheinlichkeit der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zu, die zuvor bereits hinter dem Bybit-Hack stand. Auch Chainalysis hält Nordkorea mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Täter. Als Beleg verweist das Unternehmen darauf, dass die Mittel mit der Beute aus dem Bitget-Hack im September vermischt wurden. Bei jenem Angriff hatte Bitget-CEO Gracy Chen ebenfalls Nordkorea als sehr wahrscheinlichen Täter benannt. Dennoch bleiben beide Zuschreibungen im Fall Binance Einschätzungen privater Analysefirmen. Bisher liegt – anders als im Fall Bybit – kein Befund von Behörden vor.
Bemerkenswert ist, dass der Angreifer einen Teil der Beute erneut anlegte. Er hinterlegte 60 Mio. USDT beim dezentralen Kreditprotokoll Aave – einem Dienst, bei dem Nutzer Assets als Sicherheit hinterlegen und dagegen Kredite aufnehmen – und lieh sich gegen diese Sicherheit rund 44,6 Mio. USD in Wrapped Ether. Aave schränkte daraufhin die betroffenen Märkte ein.
Zudem ist die genaue Höhe des Schadens weiterhin offen. Chainalysis bezifferte ihn zunächst auf mindestens 5,9 Mrd. USD, dann auf 6,4 Mrd. USD. Die neuere Zahl liegt leicht über der eigenen Schätzung von Binance.
Wie viel Binance bereits eingefroren hat
Binance beziffert die bislang aufgefundenen oder eingefrorenen Mittel auf rund 3 Mrd. USD, wobei die Börse in einem Beitrag auf X 2,54 Mrd. USD als verifiziert eingefrorenen Betrag nannte. Den größten Anteil blockierten die Stablecoin-Emittenten: Da sie die Token ausgeben, können sie einzelne Adressen sperren. Tether frohr rund 1,57 Mrd. USD ein, Circle rund 823 Mio. USD; die beiden Emittenten machen zusammen somit rund 2,4 Mrd. USD aus. Tether-CEO Paolo Ardoino und Circle-CEO Jeremy Allaire bestätigten die Einfrierungen. Zudem stoppte Ripple rund 200 Mio. USD in seinem Stablecoin RLUSD, wie Binance-Mitgründerin Yi He mitteilte.
Infolgedessen bleiben rund 3,3 Mrd. USD unauffindbar. Zum Verbleib dieser Summe gab es zunächst keine neuen Informationen, womit sie – neben der versprochenen technischen Analyse und dem aktualisierten Proof of Reserves – eine der zentralen offenen Fragen des Vorfalls ist. Binance plant, die Verluste aus dem SAFU-Fonds und aus Unternehmensmitteln zu decken. Zum Vergleich: Der Gesamtschaden liegt mehr als 100-fach über dem Verlust von 2019.
„Binance wird alle Hacking-Verluste übernehmen.“ – Yi He, Mitgründerin von Binance
Die Abhebungen bleiben bis auf Weiteres ausgesetzt, das heißt, Kunden können ihre Gelder in der Zwischenzeit nicht von der Plattform bewegen. Die Börse hat auch den Handel auf Binance Alpha pausiert und einen Neustart innerhalb von 48 Stunden in Aussicht gestellt, ohne jedoch eine verbindliche Zusage zu machen.
Bitcoin, BNB und Krypto-Aktien geben nach
Die Krypto-Märkte reagierten auf den Vorfall mit Verlusten. In den Stunden nach der Nachricht fiel Bitcoin auf ein Sechs-Wochen-Tief und Ether auf ein Zwei-Monats-Tief, wobei das Ausmaß des Rückgangs vom Messzeitpunkt abhing. Demgegenüber gab BNB, der Token des Binance-Ökosystems, deutlich stärker nach, da sein Nutzen stark von der Plattform abhängt.
An der Wall Street gerieten Krypto-nahe Aktien, darunter Coinbase und Strategy, im nachbörslichen Handel unter Druck. Auch die Aktien von Circle, dem Emittentin des Stablecoins USDC, sanken; das Unternehmen hatte zuvor selbst einen Teil der Beute eingefroren. Insgesamt fielen die Verluste bei BNB und den Krypto-Aktien zumeist stärker aus als bei Bitcoin und Ether.