Bessent lehnt es ab, der Bank of Japan zu weiteren Zinserhöhungen zu raten
Wichtige Erkenntnisse
- •Bessent sagte, er werde Bank-of-Japan-Gouverneur Kazuo Ueda nicht dazu raten, aufeinanderfolgende Zinserhöhungen anzustreben.
- •Er hatte zuvor die japanischen Behörden aufgefordert, der BoJ mehr Autonomie zu gewähren, was implizit Unterstützung für höhere Zinsen bedeutete.
- •Die Bank of Japan erhöhte ihren Leitzins im Dezember 2025 auf 0,75 % und später auf 1 %.
- •US-amerikanische und japanische Beamte führten rund um den 31. Juli bis 1. August 2026 eine gemeinsame Währungsintervention zur Stützung des Yen durch.
- •Die BoJ-Sitzungen im September und Oktober 2026 gelten als entscheidende Zeitpunkte für den nächsten geldpolitischen Schritt.

US-Finanzminister Scott Bessent, der sich nachdrücklich für eine straffere japanische Geldpolitik eingesetzt hatte, lehnte es ab, direkte Ratschläge zu geben, als er konkret gefragt wurde, ob die Bank of Japan die Zinsen erneut erhöhen sollte.
In einem NHK-Interview Anfang August sagte Bessent, er werde BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda nicht beraten, ob dieser weitere aufeinanderfolgende Zinserhöhungen anstreben solle. Er verwies auf seinen Respekt vor der Unabhängigkeit der Notenbank und äußerte Vertrauen in Uedas Fähigkeit, Japans wirtschaftliches Umfeld zu meistern.
Vom Megafon zum Schweigen
Von etwa Oktober 2025 bis Mitte 2026 hatte Bessent die japanische Regierung wiederholt aufgefordert, der BoJ mehr Autonomie zu gewähren – ein kaum verhüllter Appell im Sinne von „lasst sie die Zinsen erhöhen“. Sein jetziges öffentliches Schweigen markiert einen Tonwechsel, auch wenn der Kern seiner Präferenz – höhere japanische Zinsen – unverändert erscheint.
Die BoJ erhöhte ihren Leitzins im Dezember 2025 auf 0,75 % und hat ihn inzwischen auf 1 % angehoben. Marktteilnehmer spekulieren über weitere Erhöhungen im September oder Oktober 2026, was die Frage des NHK-Interviewers zu aufeinanderfolgenden Erhöhungen besonders aktuell machte.
Der Yen, die Intervention und die Politik
US-amerikanische und japanische Beamte führten rund um den 31. Juli bis 1. August 2026 eine gemeinsame Währungsintervention durch – eine seltene koordinierte Aktion zur Stützung des Yen. Sie zeigte auch, warum Washingtons Haltung mit Japans Zinspfad verflochten ist: Höhere japanische Zinsen stützen tendenziell den Yen, indem sie den Zinsabstand zu den USA verringern. Das verringert den Anreiz, günstig in Yen zu leihen, um anderswo höher verzinsliche Anlagen zu erwerben – der sogenannte Carry Trade, der Japans ultragünstiges Geld lange zu einer Quelle globaler Liquidität gemacht hat.
Premierministerin Sanae Takaichi hat historisch eine lockerere Geldpolitik bevorzugt, was sie in Gegensatz zu Bessents hawkisher Präferenz bringt. Das Ergebnis ist ein Politik-Dreieck: Der US-Finanzminister will höhere japanische Zinsen, die japanische Premierministerin bevorzugt niedrigere, und der BoJ-Gouverneur sitzt in der Mitte und trifft Entscheidungen auf Grundlage wirtschaftlicher Daten, während zwei einflussreiche Politiker widersprüchliche Signale senden.
Worauf Trader achten
Ein BoJ-Leitzins von 1 % ist für Japan, ein Land, das nach dem Platzen seiner Assetpreisblase Anfang der 1990er-Jahre Jahrzehnte im negativen oder nahe null liegenden Bereich verbrachte, bereits historisch bedeutsam. Die kommenden BoJ-Sitzungen im September und Oktober 2026 werden entscheidende Wendepunkte sein. Verfolgt die Notenbank weitere Erhöhungen, würde das darauf hindeuten, dass Ueda in die Richtung geht, die Bessent lange befürwortet hat. Hält die BoJ die Zinsen stabil, könnte das signalisieren, dass der innenpolitische Druck aus Takaichis Lager im Tauziehen die Oberhand gewinnt.