Automatisierte Market Maker fungieren als dezentrale Portfoliomanager
Wichtige Erkenntnisse
- •Liquidität für einen AMM bereitzustellen, entspricht der Verwaltung eines Portfolios mit festen Zielgewichtungen, wobei Smart Contracts Vermögenswerte mit relativem Wertzuwachs kontinuierlich verkaufen und solche mit Wertverlust kaufen.
- •Der impermanente Verlust ist die Differenz zwischen dem unveränderten Halten der ursprünglichen Token und dem automatischen Rebalancing des Pools. Das erklärt, warum Buy-and-Hold bei einem starken Anstieg eines Tokens im Rückblick häufig besser abschneidet.
- •Der impermanente Verlust korreliert eng mit der realisierten Volatilität des zugrunde liegenden Preises und kann unter idealisierten Bedingungen mit gewichteten Varianz-Swaps abgesichert werden. Dadurch lässt er sich mit einem vertrauten Risiko vergleichen: dem Verkauf von Volatilität.
- •Die Renditen der Liquiditätsbereitstellung hängen nicht nur von der Höhe der Handelsgebühren ab, sondern auch von Marktvolatilität, Handelsaktivität, Arbitrageeffizienz und den Möglichkeiten zur Absicherung. Handelsgebühren schaffen zudem den Geld-Brief-Spread innerhalb des Pools.
- •Marktneutrale Strategien mit Optionen und Futures können durch Terminkontraktprämien oder Funding-Raten Einnahmen generieren, doch ihr Kapitalbedarf kann den im Pool gebundenen Betrag deutlich übersteigen.

Liquiditätsanbieter in automatisierten Market Makern verwalten laut einer von Crypto Valley Journal veröffentlichten Analyse regelbasierte Anlageportfolios statt passiver Einlagenkonten. Diese Einordnung hat praktische Konsequenzen – von der tatsächlichen Natur des impermanenten Verlusts bis hin zu den Instrumenten, mit denen er abgesichert werden kann.
Dezentrale Börsen werden üblicherweise anhand von Handelsvolumen, Gebühreneinnahmen und dem Total Value Locked (TVL) bewertet. Diese Maßstäbe erfassen jedoch nicht die tiefere Innovation. Im Kern verzichtet ein automatisierter Market Maker (AMM) auf das traditionelle Orderbuch zugunsten einer transparenten Preisformel – ein Design, das durch den Start von Uniswap im Jahr 2018 populär wurde und heute einen großen Teil des Volumens an dezentralen Börsen antreibt.
Die Formel legt den Wechselkurs zwischen zwei digitalen Vermögenswerten fest, und jeder Trade verändert automatisch die Zusammensetzung des dahinterliegenden Liquiditätspools. Kapital in einen solchen Pool einzubringen, ist daher mehr als eine passive „Liquiditätsbereitstellung“: Einleger halten faktisch ein regelbasiertes Portfolio. Starker Kaufdruck auf einen Token veranlasst den Pool, einen Teil davon abzugeben und gleichzeitig mehr von dem anderen Token anzusammeln. Bewegen sich die relativen Preise in die entgegengesetzte Richtung, läuft der Prozess umgekehrt ab. Im Grunde funktioniert der Mechanismus als automatisches Portfolio-Rebalancing, das kontinuierlich läuft und vollständig durch Code ausgeführt wird.
Was Liquiditätsanbieter in automatisierten Market Makern halten
Liquidität für einen AMM bereitzustellen, entspricht der Verwaltung eines Portfolios mit festen Zielgewichtungen. Das Prinzip wird bei geometrischen Mittelwert-Market-Makern des Balancer-Typs besonders deutlich: Dort stellt eine Gewichtungsregel kontinuierlich die gewünschten relativen Anteile der Vermögenswerte im Pool wieder her. Der Smart Contract übernimmt damit eine Aufgabe, die das traditionelle Asset Management bewusst steuert: Er verkauft Vermögenswerte, die relativ an Wert gewonnen haben, und kauft solche, die an Wert verloren haben.
Aus dieser Perspektive verliert der Begriff „impermanenter Verlust“ viel von seinem Rätselhaften. Er bezeichnet keine unerklärliche Besonderheit von DeFi, sondern die Differenz zwischen zwei Strategien – dem unveränderten Halten der ursprünglichen Token auf der einen Seite und dem automatischen Rebalancing innerhalb des Pools auf der anderen. Wenn ein Token stark steigt, schneidet Buy-and-Hold im Rückblick häufig besser ab, weil der Pool bereits einen Teil des überdurchschnittlich erfolgreichen Vermögenswerts verkauft hat.
Für professionelle Anleger ist diese Einordnung bedeutsam. Liquiditätsbereitstellung ist weder eine verzinsliche Anlage noch eine risikofreie Quelle laufender Gebühreneinnahmen. Die Renditen hängen von Preisschwankungen und Arbitrageaktivität ab. Daher ist die Höhe der Handelsgebühr nicht die einzige Variable: Marktvolatilität, Handelsaktivität, die Effizienz der Arbitrage und die Möglichkeit, die Position abzusichern, beeinflussen ebenfalls das Ergebnis.
Wie sich impermanenter Verlust absichern lässt
Mathematische Analysen zeigen, dass Anleger dieses Risiko nicht einfach passiv hinnehmen müssen. Der impermanente Verlust korreliert eng mit der realisierten Volatilität des zugrunde liegenden Preises und kann unter idealisierten Bedingungen mit Instrumenten aus den traditionellen Derivatemärkten abgesichert werden – insbesondere mit gewichteten Varianz-Swaps, deren Auszahlungen davon abhängen, wie stark sich der zugrunde liegende Preis über einen bestimmten Zeitraum tatsächlich bewegt. Ein Phänomen, das im DeFi-Bereich neu erscheint, lässt sich damit als ein vertrautes finanzielles Risiko verstehen: der Verkauf von Volatilität.
Handelsgebühren verleihen dem Thema eine praktische Dimension. Sie generieren nicht nur Einnahmen, sondern verändern auch die Mechanik innerhalb des AMM, denn sie schaffen überhaupt erst einen Geld-Brief-Spread im Pool. Folglich muss der Poolpreis nicht in jedem Augenblick den Preisen an externen Handelsplätzen entsprechen. Bei kontinuierlichen Preisbewegungen können die Opportunitätskosten verschwinden oder sich sogar in einen Gewinn verwandeln. Der relevante Vergleichsmaßstab ist ein sich selbst finanzierendes Portfolio mit festen Gewichtungen – in der Praxis eine Näherung, da sich Märkte sprunghaft bewegen und Transaktionen nicht kontinuierlich ausgeführt werden können.
Marktneutrale Strategien für Liquiditätsanbieter
Einige Ansätze gehen noch weiter und nehmen keine richtungsbezogene Position auf die Token-Preise ein. Ihr Ziel ist es, den Wert der Position möglichst stabil zu halten und gleichzeitig Einnahmen aus Handelsgebühren sowie aus der Absicherung selbst zu erzielen. Anleger können solche Strategien mit Optionen und Futures aufbauen. Die Umsetzung ist anspruchsvoll: Sie erfordert geeignete Laufzeiten, ausreichend liquide Ausübungspreise und genügend Sicherheiten. Zudem kann der Kapitalbedarf den im Pool gebundenen Betrag deutlich übersteigen. Im Gegenzug kann die Absicherungsstruktur selbst Einnahmen generieren, etwa durch Terminkontraktprämien – also den Betrag, um den Terminpreise über den Kassapreisen liegen – oder durch Funding-Raten, die regelmäßigen Zahlungen zwischen Händlern in Perpetual-Futures-Märkten.
AMMs bieten damit mehr als eine neuartige Handelsinfrastruktur. Sie fungieren als automatisierte Portfoliomanager, die Anlageregeln in Smart Contracts übertragen und regelbasiertes Asset Management transparent und rund um die Uhr zugänglich machen. Für Beobachter bedeutet dies, dass die von der Analyse identifizierten Variablen – realisierte Volatilität, Handelsaktivität, Arbitrageeffizienz und Absicherungsmöglichkeiten – die naheliegenden Kennzahlen sind, die es rund um jeden Liquiditätspool zu beobachten gilt.
Quelle: Crypto Valley Journal