NachrichtenAktienAußerbilanzielle KI-Verpflichtungen erreichen 3,1 Billionen US-Dollar bei neun Tech-Riesen

Außerbilanzielle KI-Verpflichtungen erreichen 3,1 Billionen US-Dollar bei neun Tech-Riesen

Autor: CryptoBriefing·

Wichtige Erkenntnisse

  • Neun Technologieunternehmen – Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft, Oracle, Nvidia, Broadcom, AMD und SpaceX – halten rund 3,1 Billionen US-Dollar an außerbilanziellen Verpflichtungen, die nahezu alle mit KI-Infrastruktur verbunden sind.
  • Die zusammengefassten Verpflichtungen stiegen in einem einzigen Quartal um rund 1,3 Billionen US-Dollar bzw. mehr als 70 Prozent und entsprechen inzwischen etwa dem Dreifachen der ausgewiesenen bilanziellen Leasingverbindlichkeiten und Langfristschulden der Unternehmen.
  • Die Gesamtsumme besteht im Wesentlichen aus rund 1,2 Billionen US-Dollar an noch nicht begonnenen Leasingverträgen und 1,9 Billionen US-Dollar an Kaufverpflichtungen; Morgan Stanley schätzt, dass allein die Garantien der Hyperscaler 2,7 Billionen US-Dollar übersteigen.
  • Alphabets Kaufverpflichtungen stiegen in einem Quartal um 152 Prozent – von 332 Milliarden US-Dollar Ende März auf 811 Milliarden US-Dollar Ende Juni.
  • Einige Hyperscaler sind bereits in einen negativen freien Cashflow gerutscht, und Kreditanalysten hinterfragen, ob die bestehenden Offenlegungen in den Fußnoten die vertragliche Exposition ausreichend erfassen.
Außerbilanzielle KI-Verpflichtungen erreichen 3,1 Billionen US-Dollar bei neun Tech-Riesen

Neun der größten Namen der Technologiebranche haben still rund 3,1 Billionen US-Dollar an Finanzverpflichtungen angehäuft, die nicht in ihren Bilanzen ausgewiesen sind, wobei nahezu die gesamte Exposition mit der Infrastruktur für künstliche Intelligenz zusammenhängt. Der Gesamtbetrag stieg allein in drei Monaten um 1,3 Billionen US-Dollar – ein Zeichen dafür, wie schnell der KI-Ausbau in langfristige vertragliche Verpflichtungen umschlägt statt allein in ausgewiesene Schulden.

Zu den genannten Unternehmen zählen Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft, Oracle, Nvidia, Broadcom, AMD und SpaceX. Ihre zusammengefassten außerbilanziellen Verpflichtungen übersteigen inzwischen ihre ausgewiesenen bilanziellen Leasingverbindlichkeiten und Langfristschulden um etwa das Dreifache, obwohl ihre gesamten jährlichen Kapitalausgaben bei rund 600 Milliarden US-Dollar liegen.

Was in der außerbilanziellen Gesamtsumme enthalten ist

Die Summe von 3,1 Billionen US-Dollar setzt sich im Wesentlichen aus zwei Kategorien zusammen. Rund 1,2 Billionen US-Dollar entfallen auf noch nicht begonnene Leasingverhältnisse, also Mietverträge für Rechenzentren, Grundstücke und Anlagen, die noch nicht in Kraft getreten sind. Die übrigen 1,9 Billionen US-Dollar betreffen Kaufverpflichtungen, also vertragliche Zusagen zum Kauf von Chips, Ausrüstung und weiteren Infrastrukturkomponenten.

Morgan Stanley erklärte, dass die Gesamtsumme mehr als 3,1 Billionen US-Dollar beträgt, wenn Garantien und Leasingverträge von Hyperscalern und Chipunternehmen einbezogen werden. Laut dem Bericht liegen allein die Garantien der Hyperscaler bei mehr als 2,7 Billionen US-Dollar. Diese Verpflichtungen werden in den Fußnoten der Quartalsberichte offengelegt, wo Investoren sie einsehen können; sie stehen jedoch nicht wie herkömmliche Schulden unmittelbar in der Bilanz.

Eine Studie von Nikkei aus dem Juli schätzte die verdeckten Verpflichtungen von fünf großen Technologieunternehmen auf insgesamt 1,65 Billionen US-Dollar – eine Verachtfachung innerhalb von vier Jahren.

Alphabets Verpflichtungen stiegen in einem Quartal stark an

Alphabet liefert eines der deutlichsten Beispiele dafür, wie schnell diese Verpflichtungen wachsen. Die Kaufverpflichtungen des Google-Mutterkonzerns stiegen von 332 Milliarden US-Dollar Ende März auf 811 Milliarden US-Dollar Ende Juni – ein Anstieg um 152 Prozent in einem einzigen Quartal.

Bedenken zu Cashflow und Offenlegung

Einige Hyperscaler sind bereits in einen negativen freien Cashflow übergegangen, da Kapitalausgaben und verpflichtungsbedingte Ausgaben das Umsatzwachstum übersteigen.

Da außerbilanzielle Verpflichtungen nicht dieselben Covenants oder die Prüfung durch Ratingagenturen auslösen wie herkömmliche Schulden, können sie sich mit verhältnismäßig wenig externem Druck ansammeln. Sollte sich die KI-Nachfrage nicht im großen Maßstab einstellen, müssten noch nicht begonnene Leasingverträge dennoch erfüllt oder neu verhandelt werden, während Kaufverpflichtungen weiterhin erfüllt oder abgeschrieben werden müssten.

Zur Einordnung: 3,1 Billionen US-Dollar übersteigen das Bruttoinlandsprodukt des Vereinigten Königreichs und entsprechen etwa dem Fünffachen der jährlichen Kapitalausgaben, die die neun Unternehmen derzeit tätigen. Der Gesamtbetrag stieg zudem in einem einzigen Quartal um mehr als 70 Prozent, was der Frage neue Aufmerksamkeit verleiht, wie stark der KI-Infrastrukturausbau über künftige Verpflichtungen statt allein über laufende Ausgaben finanziert wird.

Kreditanalysten haben begonnen, die Angemessenheit der derzeitigen Offenlegungen infrage zu stellen. Morgan Stanleys Entscheidung, eine explizite Gesamtrechnung zu veröffentlichen, deutet auf wachsende Besorgnis auf der Sell-Side-Seite hinsichtlich der Lücke zwischen ausgewiesenen Verbindlichkeiten und tatsächlicher vertraglicher Exposition hin.